Nachgefragt
Corona: eine Herausforderung für die Psyche

Die Corona-Krise verstärkt Depressionen und Ängste.
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  • hochgeladen von Angelina Koidl

Die WOCHE hat sich bei Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen umgehört, inwieweit sich die Corona-Krise auf psychische Probleme auswirkt und ob die Nachfrage nach Hilfe zunimmt.

Für alle ist die Corona-Krise eine Herausforderung – alle Lebensbereiche betreffend. Die WOCHE hat sich bei Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag umgehört, mit welchen Herausforderungen die Organisationen in Zeiten wie diesen zu kämpfen haben und ob die Nachfrage nach Hilfe zunimmt. 

"Nachfrage sehr hoch"

Sonja Kahr leitet die Psychosozialen Beratungsstellen von "Rettet das Kind Steiermark" in Kapfenberg und Mürzzuschlag, die Psychosoziale Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, das Kinderschutzzentrum und die Frauen- und Mädchenberatungsstelle in Kapfenberg. "Die Nachfrage und Auslastung ist nun in allen Bereichen sehr hoch. Corona hatte, hat und wird Auswirkungen haben! Allerdings gibt es auch einen gewissen 'Rückstau', da Ärzte und Kliniken eingeschränkt tätig waren und daher nicht zuweisen konnten, was nun nachgeholt wird", erklärt Kahr. Durch die Tatsache, dass viele heuer ihren Urlaub zu Hause verbringen werden, hätten Klienten Zeit, ihre Therapien fortzusetzen – das sei besonders im Kinderbereich merkbar. Die Psychosoziale Prozessbegleitung werde äußert stark nachgefragt. Die Psychosoziale Beratungsstelle ist unter der Telefonnummer 03852/4707 erreichbar.

Themen, die bewegen

Depressionen und Ängste würden durch die Corona-Krise verstärkt und intensiver. Einsamkeit werde von den Klienten überdeutlich wahrgenommen. Konflikte in Paarbeziehungen seien derzeit intensiv und gingen in vielen Fällen Richtung Trennung oder Scheidung. Auch das Finanzielle, Arbeitsplatzsorgen, die Überlastung durch Homeoffice oder Hausunterricht, Kinderbetreuung und die Enge des Wohnraums sowie Konflikte, die eskalieren und in gewalttätigen Übergriffen, Erziehungsmaßnahmen enden würden, seien alles Themen, die derzeit Klienten beschäftigen. "Wir erwarten einen äußerst intensiven Herbst und Winter", sagt Kahr.

"Keine Rückfälle verzeichnet"

Markus Schrittwieser ist Obmann von der Selbsthilfegruppe gegen Alkohol- und Medikamentenmissbrauch in Kapfenberg. "Bei uns haben die Anfragen nicht zugenommen – leider. Ich glaube aber, dass es schon sein kann, dass in Zeiten wie diesen alkoholkranke Menschen mehr trinken", sagt Schrittwieser, der jahrelang selbst Alkoholiker war, seit 25 Jahren aber trocken ist. An die 17 Personen treffen sich jeden Mittwoch in der Kapfenberger Altstadt, um sich mit den anderen auszutauschen und über etwaige Rückfälle zu sprechen. Während des "Lockdowns" wurde die telefonische Beratung sehr gut angenommen. "Wir hatten zum Glück keine Rückfälle. Alle haben sich aber wieder auf das erste Treffen gefreut. Denn wenn wir uns treffen, ist das wie ein Sonntag – man findet hier bei uns ja neue Freunde", betont Schrittwieser. Markus Schrittwieser ist unter der Telefonnummer 0664/2207878 oder per Mail unter info@shg-kapfenberg.at erreichbar.

"Therapie nicht ersetzbar"

Die BAS Suchtberatung konnte keine Zunahme der Anfragen seit Beginn der Corona-Krise verzeichnen – eher einen leichten Rückgang. "Für viele war es sogar angenehmer, Gespräche übers Telefon zu führen – aus verschiedensten Gründen. Am ehesten waren es noch Angehörige, die sich um ihren Partner oder ihr Kind Sorgen machten. Es hat gut funktioniert über das Telefon. Qualitativ ist diese Vorgangsweise aber in keinerlei Hinsicht mit einer Therapie vergleichbar und ist nicht ersetzbar. Mimik, Gestik, jemanden gegenüber zu sitzen ist ganz etwas anderes", betont Barbara Hochstrasser, die die BAS Suchtberatungsstellen Mürzzuschlag, Kapfenberg und Bruck leitet. Die Suchtberatung ist unter der Telefonnummer 0664/9683250 erreichbar.

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