Netzwerk im eigenen Haus
Digitale Nachbarschaftshilfe mit "FragNebenan"
- Einkaufen, tauschen, schenken - Nachbarinnen und Nachbarn rücken in Krisenzeiten näher zusammen.
- Foto: Beth MacDonald/Unsplash
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Blumen gießen, Katze füttern, Zeitung holen - während man sich im Urlaub die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, helfen sie gerne aus: Nachbarinnen und Nachbarn. Die digitale Plattform "FragNebenan" hat diesen Prozess bereits vor einigen Jahren digitalisiert und verzeichnet seit Pandemie und Ukrainekrieg einen Boom.
STEIERMARK. Gerade in der Stadt kennen sich viele Nachbarinnen und Nachbarn nur flüchtig und es bleibt bei der Begrüßung im Lift oder Stiegenhaus. "FragNebenan" ist ein digitales Netzwerk, das hier ansetzt und Menschen, die Tür an Tür wohnen, enger miteinander vernetzen will - unabhängig von Alter, Herkunft und Interessen. Was die Menschen verbindet, ist das gemeinsame Dach über dem Kopf oder das Viertel, in dem sie wohnen.
"FragNebenan" ist das größte digitale Nachbarschaftsnetzwerk in Österreich und zählt mittlerweile mehr als 60.000 Nutzerinnen und Nutzer, die einander helfen, sich treffen oder sich über lokale Themen austauschen. In der Steiermark wurde das Netzwerk bislang in den drei Städten Graz, Leoben und Kapfenberg ausgerollt. Als Nachbarin bzw. Nachbar gilt, wer im Umkreis von 750 Metern von der eigenen Wohnung wohnt, außerhalb großer Städte sind alle Bewohnerinnen und Bewohner innerhalb eines Gemeindegebiets umfasst.
- Tür an Tür und doch so fremd. Wie gut kennst du die Personen nebenan?
- Foto: Christian Stahl/Unsplash
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Verleihen, verschenken, austauschen
Die Nutzung der Plattform sind sehr unterschiedlich, vom Verleihen von Haushaltsgeräten bis hin zu Restaurant- und Veranstaltungstipps oder dem Verschenken der alten Wohnzimmergarnitur ist bei einer genaueren Recherche auf der Plattform alles dabei. "Den meisten geht es ums Werkzeug verleihen, Hilfe bei kleinen Reparaturen und Blumen-/Katzen-/Hunde-Sitting", erklärt Geschäftsführer Thomas Heher auf Anfrage von MeinBezirk.at.
In Graz sind Stand 2021 über 4.300 Personen registriert, in Leoben rund 100 und in Kapfenberg 85. Laut Daten der Plattform suchen Frauen häufiger den Austausch mit ihren Nachbarinnen als Männer (61% vs. 39%). Die meisten registrierten Nachbarinnen und Nachbarn sind zwischen 45-54 Jahre alt (29%), aber auch junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahre und die ältere Generation 65+ nutzen das digitale Netzwerk (je 10%).
- Werkzeug wird besonders häufig nachbarschaftlich geteilt.
- Foto: Levi Stute/Unsplash
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Vernetzung in Krisenzeiten
Die Plattform für Nachbarschaftshilfe erlebte in der Pandemie einen Aufschwung, da viele Menschen ihre Wohnungen plötzlich nicht verlassen konnten und Wege finden mussten, um sich gegenseitig zu helfen. Das bestätigt auch Thomas Heher: "Die Aktivität während Corona wurde höher, da man FragNebenan auch für soziale Kontakte genutzt hat." Eine ähnliche Entwicklung zeige sich nun auch seit Beginn des Ukrainekriegs. Viele Nachbarinnen und Nachbarn nutzen die Website als Informationskanal, um Hilfe für Flüchtlinge anzubieten beziehungsweise diese in der eigenen Nachbarschaft zu koordinieren.
Ein offizielles Video der Plattform:
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