MURTAL
Es ist eigentlich schon fünf nach zwölf

Professor Johannes Gepp, Präsident des Naturschutzbundes Steiermark, hat ein kritisches Auge auf die Wasserkraft geworfen.		   Foto: KK
  • Professor Johannes Gepp, Präsident des Naturschutzbundes Steiermark, hat ein kritisches Auge auf die Wasserkraft geworfen. Foto: KK
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Johannes Gepp, Präsident des Naturschutzbundes Steiermark, fordert sofortigen Schutz der letzten Fließgewässer und Augebiete.

Geld regiert die Welt! „Für die Wirtschaft wird leider alles geopfert“, so die Kern-Aussage von Prof. Univ.-Doz. Johannes Gepp, dem Präsidenten des Naturschutzbundes Steiermark, Vizepräsidenten des österreichischen Naturschutzbundes und Leiter des Institutes für Naturschutz und Landschafts-Ökologie. Er warnt davor, die bereits deutlich sichtbaren negativen Zeichen im Hinblick auf den Klimawandel und die Artenvielfalt zu ignorieren. Er sei keiner Lobby verpflichtet und könne seine Meinung zum Thema Naturschutz daher völlig unabhängig äußern. Am Herzen liegen ihm auch die geschundenen heimischen Flüsse und Augebiete. Durch fortschreitenden Ausbau der Wasserkraft seien nun auch die die letzten noch frei fließenden Flüsse und Bäche des Landes gefährdet.

Problem Stauraumspülung

Millionen Tonnen von Schlamm würden sich in den Querbauten der Wasserkraftwerke sammeln und beim Abspülen Millionen Fische und andere Flusslebewesen töten. Auch die Nahrungskette der Fische, darunter verschiedenste Insektenarten, leide unter solchen Vorgängen. Professor Gepp geißelte im Gespräch mit der Murtaler Zeitung auch die Errichtung des Grazer Murkraftwerkes „unter billigsten Auflagen“. Den gesetzlichen Änderungen auf Betreiben der Politik kann Gepp nichts Positives abgewinnen. Er befürchtet, dass der Naturschutz dadurch noch mehr auf der Strecke bleibt.

Zumindest den Rest erhalten

Johannes Gepp appelliert, nicht auch noch die letzten Reste freifließender Gewässer im Sinne einer vermeintlich sauberen Energiegewinnung zu opfern, sondern das Thema Energiesparen wieder stärker zu besetzen. Das wäre Aufgabe der Politik, doch derzeit gehe auch die Steiermark in Sachen Naturschutz „einen fatalen Weg“. Im Prinzip gefährde man damit eigentlich das, was man vorgibt, schützen zu wollen.

Auf Kosten unserer Kinder

Die Wiederanbindung isolierter Flussarme, den sofortigen Schutz von noch vorhandenen Augebieten und eine umweltfreundlichere Landnutzung, nicht zuletzt durch die Landwirtschaft, seien ein Gebot der Stunde. In vielen Bereichen sei es längst schon fünf nach zwölf. Professor Gepp kritisiert in diesem Zusammenhang auch Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft. Die Fischer würden seiner Meinung nach ebenfalls eine Mitschuld am schlechten Zustand einiger Fischereireviere tragen. Durch nicht ordnungsgemäße und gesetzeskonforme Besatzmaßnahmen würden autochthone Fischarten gefährdet, kontert Gepp auf die Kritik von Fischern, die Fischotter, Kormorane, Reiher und Gänsesäger für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich machen. Tier- und Naturschützer vertreten die Meinung, man würde durch übertriebene Besatzmaßnahmen Fischfresser erst recht anlocken. Aus Sicht von Fischereivertretern ist das natürlich blanker Unsinn, weil es ja gesetzliche Vorgaben für die Besatzmaßnahmen von Fischereirevieren gebe. In jedem Fall müsse dem Umwelt- und Artenschutz ab sofort noch größeres Augenmerk geschenkt werden, weil die Rechnung für unsere heutige Unvernunft künftige Generationen zahlen.

Klärung unserer Abwässer

Ein weiteres brisantes Thema betrifft die Klärung unserer Abwässer und die Frage: „Wie effektiv arbeiten unsere Kläranlagen?“ Aufschluss darüber geben würde sicher auch eine eingehende Untersuchung der Schlamm-Ablagerungen in den Staubecken der Flüsse. Welche Giftstoffe sind in diesem Schlamm enthalten? Darüber gibt es bisher wenig bis gar keine Informationen.

Autor:

Wolfgang Pfister aus Murtal

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