Bilbao: Mit Mut zum Risiko Stadtentwicklung geschafft

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Wenn ein ganzes Land unter fast 23 Prozent Arbeitslosigkeit stöhnt, eine einzelne Region um fast elf Prozent darunter liegt – dann macht man dort offenbar etwas sehr richtig. Dies war auch der Anlass, dass eine hochrangige Delegation rund um Arbeitslandesrätin Doris Kampus und LH-Vize Michael Schickhofer ins spanische Baskenland reiste. Auf dem Programm: die Stadt Bilbao, Arbeitsgespräche mit dem baskischen Minister Angel Tona Guenaga und das Genossenschaftsmodell Mondragon.

Blühendes Bilbao

Die wohl spannendste Erkenntnis kann man aus der "Guggenheim-City" Bilbao mitnehmen: Noch in den 1980er-Jahren eine häßliche Industrieruine, ist es den Verantwortlichen gelungen, daraus eine blühende 360.000-Einwohner-Metropole zu entwickeln, allein der Tourismus sorgte für 5.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Doch man schreibt dies nicht nur dem Leuchtturm-Projekt Guggenheim zu, wie Estibaliz Luengo von der Stadtverwaltung erklärt: "Im Sog des Museums wurde umfassend Stadtplanung betrieben, die ökonomisch wie ökologisch nachhaltig gewirkt hat." Und genau das merkt man in Bilbao auf Schritt und Tritt: Mutige Bauten der berühmtesten Architekten, ein Fluss inklusive Flusspromenade im Herzen der Stadt (Graz, schau hin ...), eine U-Bahn, ein starkes Radwegenetz und touristische Highlights ohne Ende. Den Rückendwind des Guggenheim-Museum hat man also perfekt genutzt – und die Arbeitslosigkeit nochmals unter deutlich unter den baskischen Schnitt gedrückt.

Mondragon: gemeinsam stark

Eine ganz andere Welt, aber ebenso spannend: die "Mondragón Corporación Cooperativa" (MCC), das siebentgrößte Unternehmen Spaniens mit 74.000 Mitarbeitern – die großteils auch Eigentümer ihres Unternehmens sind. Gegründet wurde diese Genossenschaft 1943 von dem Priester José María Arizmendiarrieta, er experimentierte bereits mit dem in Österreich hinlänglich bekannten Modell der dualen Ausbildung. "Vor allem nehme ich eines mit: Auch wir müssen den Menschen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken", zieht Doris Kampus eine erste Bilanz. Soll heißen: Ziel müsse es sein, der Arbeit Wert und Wertigkeit zu geben: "Wir müssen für die Menschen vor allem auch sinnvolle Beschäftigung möglich machen", so die SP-Politikerin weiters.
Ein Aspekt, den auch der steirische Arbeitsmarktservice-Chef Karl Heinz Snobe unterstreicht: "Es sollte möglich sein mittels solcher gemeinschaftlicher Unternehmen Nischen zu finden, für jene, die mit dem Tempo der derzeitigen Arbeitswelt nicht mitkönnen." Hier gäbe es bereits gute Ansätze für "soziales Unternehmertum", Snobe würde auch eine steuerliche Bevorzugung dieser Betriebe (nach baskischem Modell) begrüßen. Mitarbeiterbeteiligung insgesamt halten auch die Gewerkschafter Klaus Zenz und Horst Schachner für eine Denkvariante. "Die Voest ist hier bereits ein gutes Beispiel", so Zenz. Er könne sich durchaus vorstellen, dass Erfolgsbeteiligungen Teil eines Kollektivvertrags sein könnten. Allerdings, so Schachner, nicht unter Aushebelung des Betriebsratssystems und nicht ohne "Sicherheitsnetz" für die Mitarbeiter.

Autor:

Roland Reischl aus Graz

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