Unter 100.000 Lehrlinge in Österreich
Tirol gegen den Trend, mehr Lehrstellen als Suchende
- In Tirol wird auf eine erfolgreiche Lehrlingsausbildung gesetzt. Im September standen in Tirol 1.548 offenen Lehrstellen 596 Lehrstellensuchende gegenüber.
- Foto: IKB
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Während die Zahl der Lehrlinge österreichweit zurückgeht, suchen Tiroler Betriebe weiterhin nach Nachwuchs. Im September standen in Tirol 1.548 offenen Lehrstellen 596 Lehrstellensuchende gegenüber. ÖVP-Lehrlingssprecher Klaus Mair fordert deshalb mehr Unterstützung für Ausbildungsbetriebe und eine stärkere Berufsorientierung an den Schulen.
TIROL. Österreichweit ist die Zahl der Lehrlinge im September 2026 laut den vorliegenden Zahlen auf 95.057 gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr in überbetrieblichen Lehrwerkstätten von 2.881 auf 3.094. Das entspricht einem Plus von 7,4 Prozent. ÖVP-Lehrlingssprecher, der Tiroler Nationalrat, Klaus Mair sieht darin Handlungsbedarf.
„Nur über die Lehrlingsausbildung schön zu sprechen, ist zu wenig. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass junge Menschen die Lehre als attraktive, moderne und zukunftssichere Ausbildung wahrnehmen und dass Betriebe auch die Möglichkeit haben, junge Menschen entsprechend auszubilden. Dass nun weniger Jugendliche eine Lehre absolvieren und gleichzeitig die Zahl jener, die dies in einer überbetrieblichen Einrichtung tun, steigt, ist alarmierend.“
In Tirol fehlen Bewerber
Die Situation unterscheidet sich allerdings deutlich zwischen den Bundesländern. Österreichweit stehen derzeit 11.693 Lehrstellensuchende 7.716 offenen Lehrstellen gegenüber. In Tirol zeigt sich ein anderes Bild: 1.548 offene Lehrstellen treffen auf 596 Lehrstellensuchende. Rein rechnerisch kommen damit rund 2,6 offene Lehrstellen auf eine Person, die eine Lehrstelle sucht. In Wien ist das Verhältnis umgekehrt. Dort stehen 5.551 Lehrstellensuchenden lediglich 611 offene Lehrstellen gegenüber. Damit kommen rund neun Suchende auf eine gemeldete offene Lehrstelle. „Diese Zahlen zeigen: Wir haben nicht das eine Lehrlingsproblem. Wir haben unterschiedliche Herausforderungen. Während Betriebe in manchen Regionen händeringend nach Jugendlichen suchen, finden Jugendliche in anderen Regionen nur schwer einen Ausbildungsplatz. Genau deshalb brauchen wir ein besseres Zusammenbringen von Jugendlichen und Betrieben und eine stärkere Unterstützung der Ausbildungsbetriebe“, sagt Mair.
Lehre bietet viele Modelle
Nach den von Mair genannten Zahlen entscheiden sich österreichweit rund 33 Prozent der 15-Jährigen für eine Lehrausbildung. Der ÖVP-Abgeordnete fordert deshalb eine frühere und intensivere Berufsorientierung. Schülerinnen und Schüler sollten bereits vor dem Ende der Pflichtschule besser über unterschiedliche Ausbildungswege und Lehrberufe informiert werden. Mair sieht dabei auch die Schulen in der Verantwortung. „Es kann nicht sein, dass Ausbildungsbetriebe zuerst das nachholen müssen, was eigentlich in der Schule vermittelt werden sollte. Rechnen, Lesen und Schreiben sind keine Zusatzqualifikationen für einen Lehrbetrieb, sondern grundlegende Voraussetzungen für Bildung und Beruf.“ Gleichzeitig betont er, berufliche und akademische Ausbildung nicht gegeneinander ausspielen zu wollen. Die Lehre biete durch Modelle wie Lehre mit Matura und die Berufsreifeprüfung weitere Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.
- Nationalratsabgeordneter Klaus Mair sieht bedenkliche Entwicklung bei den Lehrlignszahlen.
- Foto: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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Unterstützung für Ausbildungsbetriebe
Kritisch sieht Mair Forderungen des ÖGB, Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, etwa über eine Ausgleichstaxe stärker zur Finanzierung der Lehrlingsausbildung heranzuziehen. „Wir brauchen Perspektiven statt Umverteilung. Unser Ziel muss sein, mehr Betriebe für die Ausbildung zu gewinnen und jene Betriebe zu unterstützen, die Verantwortung übernehmen“, sagt Mair. Welche zusätzlichen Fördermaßnahmen für Ausbildungsbetriebe konkret umgesetzt werden sollen, geht aus der Stellungnahme nicht hervor.
Erfolge bei WorldSkills
Als Beispiel für die Qualität der österreichischen Berufsausbildung verweist Mair auf die Berufsweltmeisterschaften in Shanghai. Österreich war dort nach seinen Angaben mit 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vertreten. Das Team erreichte vier Silber- und sechs Bronzemedaillen sowie 20 Auszeichnungen für besondere Leistungen. Insgesamt erhielten demnach 32 der 48 österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Medaille oder eine Auszeichnung. Für Mair zeigen diese Ergebnisse das Potenzial der dualen Ausbildung. Gleichzeitig müsse es gelingen, wieder mehr Jugendliche und Betriebe für die Lehrausbildung zu gewinnen.
- Die Entwicklung in Tirol
- Foto: Daten AMS Tirol/KI generiert
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Fakten zu Tirol
In Tirol ist der Bestand an sofort verfügbaren offenen Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um +24,5 % auf insgesamt 1.548 gestiegen, teilt das AMS Tirol in einer Aussendung mit. Damit unterscheidet sich der Lehrstellenmarkt in Tirol von allen anderen Bundesländern, in denen die Anzahl offener Lehrstellen entweder nur leicht gestiegen ist oder rückläufig ist. Die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden ist im Vorjahresvergleich um +8,8 % auf 596 gestiegen. Die Zahl der offenen Lehrstellen übersteigt damit weiterhin deutlich die Zahl der Lehrstellensuchenden. Diese Diskrepanz unterstreicht den fortbestehenden Bedarf an Fachkräften.
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