Zukunftstaugliches Lernen

Die Diskussion darüber, was Schule leisten oder sein soll, wird durch die Tatsache erschwert, dass sich zahlreiche Menschen mit sehr verschiedenen Interessen und ziemlich unterschiedlichen Sichtweisen daran beteiligen: Politiker, die je nach zu bedienender Klientel sehr unterschiedliche Anforderungen an die Schule stellen; Wirtschaftstreibende, welche die Schule als Lieferanten für massgeschneiderte Arbeitskräfte sehen; Verfechter einer humanistischen Bildung, die ein Bildungsideal, das vor 200 Jahren von Humboldt propagiert wurde, weitgehend unreflektiert hochhalten; Eltern, die selbst 9 bis 13 Jahre die Schule besucht haben, und sich daher für Bildungsexperten halten; Lehrer, die seit 30 Jahren mehr oder weniger erfolgreich unterrichten und sich persönlich angegriffen fühlen, wenn man ihnen vorschlägt, dass sie einiges anders machen könnten; Schüler, die oft ganz andere Vorstellungen als ihre Eltern und Lehrer von dem haben, was sie lernen wollen; usw., usw.

Eine zukunftstaugliche Schule kann aber nur dann gelingen, wenn sich die verschiedenen Protagonisten auf die Wurzeln dessen besinnen, was Schule eigentlich sein soll und was sie leisten muss oder sollte. Also: Back to the roots!

Dazu müssen einige grundlegende Fragen beantwortet werden.

Was müssen junge Menschen lernen?

Das Wissen der Menschheit verdoppelt sich Expertenmeinungen zufolge alle 5 bis 7 Jahre. Legt man diese Zahlen einer Hochrechnung zugrunde, dann wird unser heutiges Wissen im Jahr 2050 - eine Zeit, in der sich alle heutigen Schüler vermutlich mitten im Berufsleben befinden - nur mehr 2 bis 3 Prozent des Gesamtwissens ausmachen.Angesichts dieser Zahlen und der Tatsache, dass wir die Schüler auf deren Zukunft vorbereiten müssen, und nicht auf die Vergangenheit ihrer Eltern, scheint eines klar zu sein: Wir müssen uns mit der Zukunft beschäftigen, zu erwartende Lebenswelten analysieren, Veränderungen einplanen und so die Lerninhalte ermitteln, die junge Menschen in ihrem Leben brauchen werden. Das Beobachten von technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und das Ziehen von Schlüssen aus diesen Beobachtungen werden ein wichtiges Element beim Finden relevanter Lerninhalte sein - auch wenn die zukünftige Realität oft nicht ganz mit den Erwartungen übereinstimmen wird.Bei der rasanten Entwicklung des Wissens scheint - abgesehen vom Erlernen grundlegender Kulturtechniken - eher die Vorbereitung auf ein lebenslanges Lernen und die Befähigung, selbstständig lernen zu können, relevant zu sein, als das Vermitteln von Faktenwissen. Junge Menschen müssen für die Zukunft lernen, denn in ihr werden sie leben!

Wie sollten junge Menschen lernen?

Allzu oft orientieren wir uns bei der Frage, wie junge (und auch ältere) Menschen lernen sollten an den Erfahrungen, die wir selbst als junge, lernende Menschen gemacht haben. Schulen vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte haben sich - schon aus ihrer Geschichte heraus - häufig eher an den Prinzipien von Zucht und Ordnung und diversen militärischen Organisationsformen orientiert, als Kreativität zu fördern und Individualität zuzulassen. Viele Lehrer, die in dieser Tradition ausgebildet wurden und teilweise heute noch werden, sind dieser Art zu unterrichten immer noch verbunden.

Wir wissen heute aber viel genauer als früher, wie das menschliche Gehirn arbeitet und lernt. Die Berücksichtigung von Ergebnissen der Gehirnforschung ist für eine moderne Pädagogik eine unbedingte Notwendigkeit, nur dadurch kann einer zukunftsorientierten Lernkultur, einer Förderung von Kreativität und Individualität Rechnung getragen werden.

Für weitere Artikel zu den Themen Lernen und Schule besuchen Sie die Internetseite www.zukunftschule.at

Autor:

Karl Andrich aus Voitsberg

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