Der Echsenfriedl in Anger

Das postapokalyptische Ritter-Schauer-Drama lehrt uns "Reformsteirisch"
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Riskieren Sie einen Blick, der ja nicht so gefährlich ist wie jener eines Basilisken. Der „monochrom“-Exponent Johannes Grenzfurthner hat ein postapokalyptisches Ritter-Schauer-Drama in Szene gesetzt, da biegen sich die Balken.


Beim Wort „Austro-Pop“ denkt man in Österreich gerne an Rainhard Fendrich oder Steffi Werger. Gut. Oder auch schlecht. Aber Popkultur hat bei uns noch ganz andere Facetten und kaum eine Formation geht dabei so popistisch vor wie das Kunstkollektiv „monochrom“.

Es langt die Philosophie in die Kunst und das Handwerk pfuscht dazwischen, denn brüchige Lötstellen gibt es doch überall. Konzeptkunst und Kabarett schrammen aneinander vorbei. Diskurs findet statt. Solche Kräfte bündeln sich aktuell in einer „Gstettensaga“.

Grenzfurthner und Roland Gratzer haben „The Rise of Echsenfriedl“ geschrieben, nun gibt es den Film dazu. Der wurde beim heurigen KOMM.ST-Festival in Anger gezeigt.

In dieser Klamotte hat sich das globale Malheur an den "Google Wars" entzunden, was auf dem Schutt skurrile Blüten wachsen ließ. Dabei ist offenbar die Landespolitik Niederösterreichs mit der stärksten Kraft versehen, alles zu überdauern und nach dem Abziehen von Staub und Rauch atavistische Gesellschaftskonzepte anzubieten.

Die ganze Geschichte beginnt hinreißend, erstens mit der Frisur des männlichen Helden, zweitens mit dem Vornamen dieses Charakters, Fratt Aigner, drittens mit dem Nahnamen des Schauspielers: Lukas Tagwerker. (Das sind einfach zu viele Zufälle!)

Fratt erweist sich freilich als derart unterqualifiziert, daß ohne die adrette Alalia Grundschober (dargestellt von Sophia Grabner) wohl kaum etwas liefe, schon gar nicht die Rettung der Welt oder wenigstens eines verwüsteten Österreich.

Kleiner Einschub: Ich bin dafür, daß „Fratt“ einen eigenen Namestag bekommt.

Alalia/Sophia hält uns Burschen hart vor Augen, was wir ja auch aus dem richtigen Leben kennen: Im größten Fiasko, wo unsereins längst nur noch wie ein ungemachtes Bett herumrennt, sind disziplinierte Frauen immer noch unterwegs wie frisch aus dem Schachterl.

Schriftsteller Martín Auer gibt den fiesen Medien-Mogul, der bereit wäre, alle Menschen wieder ins Unglück zu stürzen. Muß man ein Orakel sein, um in dessen Namen einen Querverweis auf offenbar unausrottbare (nordisch gefärbte) Privatmythologien zu sehen? Aber wer Thurnher von Pjölk heißt, wurde sicher eben deshalb schon als Kind für alle Zukunft bestraft.

So entfaltet sich eine Quest, bei der Held und Heldin gründlich durchgeschüttelt werden. Die Terrains sind so gehalten, daß man kaum überrascht wäre, würde da plötzlich Tilda Swinton als „Mason“ aus dem „Snowpiercer“ um die Ecke stöckeln. Aber eben… Sehr österreichisch.

Da wurde etwa Frau Magister Fürlinger (Postal officer Wottl) gepanzert und mit einer Kalaschnikow behängt, während Koautor Roland Gratzer (Postal officer Böllerbauer) -- wie einst Churchill -- mit einer Thompson Gun für die gute Sache einstehen darf. Beide sprechen ein sprudelndes „Reformsteirisch“, das nach meiner Meinung in Kursen gelehrt werden solle.

Es fehlt dann auch nicht an den Urenkeln von Mad Max, denen die Autos geklaut wurden. Es Funkelt eine hinreißende Sekte, in der man Lametta-Pullover gewiß mehr anbetet als irgendeinen Heilsbringer. Und Zombies! Zombies müssen sein. Eine Sybille ebenso; da muß ich jedes mal erst nachschauen, wo das I und wo das Y hin soll. Die Comtesse hat einen sehr langen Namen und ist entsprechend vornehm.

Wahrscheinlich geht alles gut. Aber das wird hier nun nicht verraten. Auf jeden Fall erinnert der Echsenfriedl an so einige Problemlagen, über die wir uns schon heute Sorgen machen könnten. Zum Beispiel darüber, daß nur Rainhard Fendrich oder Steffi Werger und Konsorten für Austro-Pop gehalten werden.

Also raffen wir uns zur Läuterung auf, denn Echsenfriedl ist überall! Ordnen wir unsere Angelegenheiten und sprechen wir in ein Sackerl, das wir jemandem vor die Tür stellen können: Let there be Pop!

+) Die Gstettensaga: The Rise of Echsenfriedl

Das postapokalyptische Ritter-Schauer-Drama lehrt uns "Reformsteirisch"
Roland Grazer (links) und Johannes Grenzfurthner lassen es nach der Schlacht krachen

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