Die 42. Löwen-Rallye
Achtsamkeit auf Rädern

Das seltenste Fahrzeug: D&U-Wagen von 1924 (Walter Pipek und Peter Böhm)
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  • Das seltenste Fahrzeug: D&U-Wagen von 1924 (Walter Pipek und Peter Böhm)
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Was bewegt Menschen, sich ehrenamtlich für komplexe Vorhaben zu engagieren und dafür erhebliche Mühen in Kauf zu nehmen? Jedes Gemeinwesen würde zusammenbrechen, falls es ganz ohne unbezahlte Arbeit zurechtkommen müßte.

Manchmal sind es bestimmte Themen, manchmal ist es ein schwungvoller Mensch, wodurch sich eine Gruppe bildet, die besondere Anstrengungen meistert. Es liegt etwas Ermutigendes in solchen Ereignissen. Ein aktuelles Beispiel bot die 42. internationale Löwen-Rallye, getragen von der Österreichischen Gesellschaft für historisches Kraftfahrwesen (ÖGHK).

Dieses Treffen fand in der Oststeiermark statt. Angelpunkt der Veranstaltung war ÖGHK-Repräsentant Gottfried Lagler. Gastwirt, Sammler und Schrauber, also ein versierter Praktiker des Metiers.

Lagler zeigte ferner etwas, das in der Region nicht aller Tage so konsequent realisiert wird. Er hat mit seinem Team und dem Club „Oldtimerstammtisch Figaro“ eine solide Kooperation mehrerer Vereine der Region umgesetzt. Die Auftaktveranstaltung im Gemeindezentrum von Hofstätten an der Raab, danach zwei Tage mit kniffligen Kursen, auf denen sich Enthusiasten mit Fahrzeugen verschiedener Epochen bewähren mußten.

Ich hatte Gelegenheit, als Beifahrer von Helmut Oberzill diese Veranstaltung in einem 1927er Steyr XII zu absolvieren. Der österreichische Doppelphaeton mit dem schnurrenden Reihen-Sechszylinder war eines der ältesten Fahrzeuge auf dem Set. Das bedeutet, man macht Erfahrungen, die zu einer völlig anderen Ära gehören.

Was in jenen Jahren als ein rasantes Fahren galt, erscheint uns heute als gemächliche Art der Raumüberwindung. Es ist ein ähnlicher Kontrast, als würden wir aktuell einem frühen Steyr-Traktor hinterhersehen, der uns aktuell sehr langsam vorkäme.

So ein Modell, wie es bei der Rallye-Station in Markt Hartmannsdorf exponiert war. Ein vorzüglich restaurierter Steyr 180. Jene Stupsnase mit dem Zweizylinder-Motor, der 1947 als erstes Modell des Konzerns (Steyr-Daimler-Puch AG) ausgeliefert worden war.

Der würde uns heute den Eindruck machen, er befände sich auf Schleichfahrt, weil wir nicht mehr wissen, wie viel langsamer ein Ochsengespann ist, das davor im bäuerlichen Transportwesen die Situation dominiert hat, wo in der Oststeiermark Pferde für die meisten Agrarier unerschwinglich waren.

Es braucht Hingabe, auch anhaltendenden Lernwillen, um alte Fahrzeuge erhalten und fahren zu können. Dafür sind Kompetenzen erforderlich, die zunehmend verlorengehen, weil die Wirtschaft sie für jüngere Produkte nicht mehr braucht. Wer zum Egoismus neigt, wird in diesem Genre auf nicht vorankommen, weil man auf das Wissen und auf das Entgegenkommen anderer Menschen angewiesen bleibt. Das gilt um so mehr, je älter Fahrzeuge sind.

Wer meint, alles mit Geld regeln zu können, muß sehr viel davon haben und wird sich in diesem Milieu nicht halten können. Das ist einer der interessantesten Aspekte der Szene. So formieren sich ganz verschiedene Lager. Was nun die Löwen-Rallye angeht, ist schön zu erleben, daß für diese Tage höchst unterschiedliche soziale Milieus Gemeinsamkeiten finden. Damit wird deutlich: so eine Veranstaltung bündelt gesellige, also soziale Aspekte, kulturhistorische und technische Zusammenhänge.

Da ist nicht in ein paar Sätzen erzählt, welche Dimension es hat und was es bewirkt. Wir brauchen konkrete Anlässe, um ein taugliches Miteinander zu üben. Das hat seine günstigen Konsequenzen, die noch nachwirken, wenn so ein Wochenende längst verklungen ist.

+) Tage in den Hügeln

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