Katholische Kirche im Salzkammergut
Predigt für 2. August 2026 von Anna-Maria Marschner
- Anna-Maria Marschner ist Pfarrassistentin von Gschwandt.
- Foto: Verein FAMUNDI
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Die Predigt für Sonntag, 2. August, "Ein Hauch von Überfülle", stammt von Anna-Maria Marschner. Sie ist Pfarrassistentin in Gschwandt.
GSCHWANDT. Welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie das Wort „Überfülle“ hören? Einen sprudelnden Brunnen vielleicht? Einen reich gedeckten Tisch? Einen Apfelbaum voller Früchte? Mir fällt ein Einkauf auf einem großen Obst- und Gemüsemarkt in Santa Cruz in Bolivien ein, wo ich vor einem riesigen Berg Bananen stehe. So viele Bananen habe ich davor noch nie gesehen! - Mittendrin sitzt ein Kind aus ärmlichsten Verhältnissen.
Manchmal liegt alles so nahe beisammen: Armut und Fülle. Überfülle. Erst der Mangel lässt uns die Fülle sehen.
Die Überfülle Gottes – schon bei Jesaja
„Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!“ ruft Gott durch den Propheten Jesaja. Kein Eintritt, kein Preis, kein Handel. Gott lädt ein – und zwar bedingungslos. Er spricht von Wasser, von Milch, von Wein, von fetten Speisen. Von Dingen, die im alten Israel kostbar waren. Und er sagt: Kommt, nehmt, esst – ohne Geld, ohne Leistung, ohne Gegenleistung.
Das ist ein radikales Bild. Gott zeigt sich als einer, der nicht knapp kalkuliert, sondern großzügig schenkt. Nicht nur genug – sondern überreich. Jesaja spricht von einem „ewigen Bund“, von einer Treue, die nicht wankt. Gott sagt: Ich bin nicht der Gott der knappen Rationen, sondern der Gott der Fülle. Der Gott, der Leben schenkt – und zwar Leben in Fülle.
- Foto: Verein FAMUNDI
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Die Überfülle Jesu – mitten in der Wüste
Und dann hören wir das Evangelium: Jesus zieht sich zurück, weil Johannes getötet wurde. Er sucht Einsamkeit, Stille, vielleicht Trost. Aber die Menschen laufen ihm nach. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Müdigkeit mit. Jesus sieht sie und hat Mitleid. Jesu Mitleid führt zum Handeln. Er heilt. Er bleibt. Er wendet sich ihnen zu.
Und als es Abend wird, entsteht eine Situation, die wir alle kennen: Es ist zu wenig da. Zu wenig Zeit, zu wenig Kraft, zu wenig Ressourcen. Die Jünger denken praktisch: „Schick die Leute weg, damit sie sich etwas zu essen kaufen.“ Aber Jesus sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Was für ein Satz. Ein Satz, der uns heute genauso trifft wie damals die Jünger. Sie schauen auf das Wenige: fünf Brote, zwei Fische. Jesus schaut auf das Mögliche. Er nimmt das Wenige – und lässt die Menschen darin die Überfülle erfahren. Alle essen und werden satt. Und es bleibt sogar noch übrig: zwölf Körbe voll.
Was bedeutet das für uns?
Beide Texte erzählen von einem Gott, der großzügig schenkt. Von einem Gott, der nicht nach Leistung fragt. Von einem Gott, der nicht zuerst die Mängel sieht, sondern die Möglichkeiten. Und sie erzählen von einem Gott, der uns einlädt, genauso zu leben. Wir leben in einer Welt, die oft von Knappheit spricht: von knapper Zeit, knapper Energie, knapper Geduld, knappen Ressourcen. Und manchmal stimmt das. Aber manchmal ist es auch nur unsere Perspektive. Jesus zeigt: Wenn wir das Wenige teilen, das wir haben – dann entsteht Fülle. Nicht, weil wir so großartig sind, sondern weil Gott aus unserem Wenigen etwas Großes machen kann.
- Foto: Josef Egger
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Die Fülle sehen und weiterschenken
Vielleicht ist das Kind auf dem Bananenmarkt ein Bild für uns. Wir stehen oft mitten in einer Fülle, die wir gar nicht wahrnehmen: Menschen, die uns begleiten. Erfahrungen, die uns geprägt haben. Gaben, die wir besitzen. Momente, die uns nähren. Und Gott sagt heute zu uns: „Kommt. Nehmt. Esst. Ich will euch satt machen – mit Hoffnung, mit Trost, mit Freude, mit Leben.“ Und er sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Nicht, weil wir alles haben. Sondern weil er aus unserem Wenigen Überfülle schaffen kann.
Vielleicht ist das die Einladung dieses Sonntags: Die Fülle Gottes neu zu sehen – und selbst ein Zeichen dieser Fülle zu werden. Nicht aus eigener Kraft, sondern im Vertrauen darauf, dass Gott das Wenige, das wir geben, verwandelt.
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