19.08.2017, 09:10 Uhr

Sturm: Zwei Tote bei Zeltfest in St. Johann am Walde

Ein schwerer Sturm brachte am späten Freitagabend das Zelt des Frauscherecker Zeltfestes zum Einsturz. Zwei Menschen starben, Dutzende wurden verletzt - zehn von ihnen schwer. Feuerwehr & Bürgermeister sagen nach Katastrophe: "Mit so einem Sturm konnte keiner rechnen"

ST. JOHANN AM WALDE, 20. August. In "Saiga Hans" geht es nach dem Einsturz des Zeltes beim Frauscherecker Feuerwehrfest mit zwei Toten und 140 Verletzten jetzt um die Aufarbeitung des Unglücks. Heute Mittag fand dazu eine Pressekonferenz im Gemeindeamt statt (das Video dazu findet ihr auf unserer Facebook-Seite)
Rede und Antwort standen Landesfeuerwehrkommandant Wolfgang Kronsteiner, Bezirksfeuerwehrkommandant Josef Kaiser, Abschnittsfeuerwehrkommandant Josef Maderegger, Feuerwehrkommandant Erich Feichtenschlager, Bezirksrettungskommandant Jochen Kaser, der St. Johanner Diakon Anton Baumkirchner sowie Bürgermeister Gerhard Berger (SPÖ).

"Unsere Herzen sind voller Mitgefühl und Solidarität. Naturkatastrophen ist man trotz bester Vorbereitung einfach ausgeliefert", so Diakon Anton Baumkirchner. "Es war unsere 39. Veranstaltung. Wir haben die Wetterlage natürlich ständig beobachtet, weil es Vorhersagen gegeben hat. Es waren aber keine Anzeichen für diese kurzfristige, stoßartig auftretende Sturmböe erkennbar", so Feuerwehrkommandant Erich Feichtenschlager, bei dem die Trauer und der Schock noch sehr tief sitzt. Binnen Sekunden sei das Zelt weggeblasen gewesen. Feichtenschlager war zur Schrecksekunde selbst Gast im Festzelt. Bürgermeister von St. Johann, Gerhard Berger: "Naturgewalt kann man nicht voraussehen. Damit, dass es in so einem Sturm endet, konnte keiner rechnen."

Der Bezirksfeuerwehrkommandant Josef Kaiser erwähnt, dass die Zufahrt zum Festgelände durch umgestürzte Bäume erschwert wurde: "Die Zufahrtssituation zum Zelt war sehr mühsam. Es lagen überall Bäume auf den Straßen, die zuerst beseitigt werden mussten."

Staatsanwalt ermittelt
Die Staatsanwaltschaft Ried hat mittlerweile die Ermittlungen aufgenommen. "Wir warten noch auf das Gutachten. In zwei bis drei Wochen wissen wir dann mehr", sagt Alois Ebner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried. "Wir haben die Ermittlungen in zwei Richtungen aufgenommen. Zum einen wird geprüft, ob das Zelt ordnungsgemäß aufgebaut war. Zudem stellt sich die Frage, ob die Veranstaltung wegen der Unwetterwarnung nicht hätte abgesagt werden müssen."

Zwei Tote, zehn Schwerverletzte – ursprünglicher Bericht, 19. August 2017

ST. JOHANN AM WALDE. Das Zeltfest in Frauschereck (St. Johann am Walde) wurde in der Nacht auf Samstag vom Sturm abrupt gestoppt und endete in einer Katastrophe: Zwei tote, zehn Schwerverletzte und mehr als 130 leichtverletzte Personen sind zu beklagen.

Die Rettung war mit etwa 150 Mitarbeitern vor Ort. Die Verletzten wurden auf mehrere Krankenhäuser aufgeteilt. Viele Angehörige wissen nicht, was mit ihrem Sohn, ihrer Tochter oder sonstigen Familienangehörigen passiert ist, die das Fest besuchten und nicht nachhause gekommen sind. Daher hat das Rote Kreuz ein Callcenter unter Tel. 0732/7644644 eingerichtet. Diese ist bis zu den Mittagsstunden geöffnet.

Eine große Herausforderung stellte laut Rettungskräften die Abgeschiedenheit des Festgeländes dar, welches sich inmitten eines großen Waldgebietes befindet. Die Zufahrt der Rettungsfahrzeuge war nur auf zwei kleineren, dorthin führenden Straßenstücken möglich.

"Blutüberströmte Personen liefen an mir vorbei"

Bei den Toten handelt es sich um einen 28-jährigen Mann aus St. Johann und eine 19-jährige Rumänin, die in Höhnhart lebte.  Als der Sturm ausbrach, seien rund 650 Besucher im Zelt gewesen.

In Panik seien die Besucher davongelaufen und hätten versucht, sich zwischen parkenden Autos in Sicherheit zu bringen, wie ein geschockter Augenzeuge berichtete. Blutüberströmte Personen seien an ihm vorbeigelaufen.

Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek dankt den Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettung und Polizei, die den Menschen nach dem Zelteinsturz vor Ort seit dem Unglück heute Nacht zur Hilfe geeilt sind. „Ich bin mit den zuständigen Stellen im Kontakt und erneut zeigt sich, dass die Zusammenarbeit auch über die Landes- und Bundesländergrenzen hervorragend funktioniert.“

Tief betroffen zeigt sich auch Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer : "Es ist einfach nur traurig und unfassbar, wenn Menschen durch die Gewalt der Natur so brutal aus dem Leben gerissen und so viele weitere zum Teil schwer verletzt werden."

Fotos/Video: Scharinger


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