Krisenintervention
Freiwillige Engel im Einsatz für das seelische Heil
- Margit Ablasser aus St. Lorenzen ist Teil des Kriseninterventionsteams des Landes Steiermark sowie der Ökumenischen Notfallseesorge der Katholischen Kirche.
- Foto: Kern
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Beim Amoklauf vergangene Woche in Graz wurde das Kriseninterventionsteam zu Hilfe gerufen; mit dabei auch Margit Ablasser aus St. Lorenzen. Sie ist eine von mehr als 400 steirischen Freiwilligen, die sich um Betroffene nach solchen und ähnlichen Traumata kümmern.
BEZIRK BRUCK-MÜRZZUSCHLAG/GRAZ. Es war das Grubenunglück in Lassing, das Edwin Benko und Katharina Purtscher-Penz im Jahr 1998 dazu veranlasste, das Kriseninterventionsteam (KIT) des Landes Steiermark ins Leben zu rufen. Nun, mehr als 25 Jahre später, ist man dankbar für die große Weitsicht der beiden in den 90er Jahren, denn das KIT wurde seither zu unzähligen Einsätzen gerufen. Trauriger Höhepunkt war zuletzt der Einsatz beim Amoklauf am BORG Dreierschützengasse vergangene Woche in Graz mit elf Toten.
Beinharter Knochenjob
Das Kriseninterventionsteam wurde gerufen, um sich um die Überlebenden bzw. Angehörigen zu kümmern – ein Knochenjob bei Vorfällen wie diesen. "Man braucht schon eine gute Selbstreflexion im Umgang mit Menschen und natürlich viel Empathie", beschreibt Margit Ablasser aus St. Lorenzen ihre Tätigkeit. Sie ist seit 2008 mit dabei und hat dementsprechend schon Einiges miterlebt und gesehen. "Ganz wichtig: man sollte natürlich seine Emotionen im Griff haben und in seiner professionellen Rolle bleiben, sonst ist man keine Hilfe." Auch wenn das gerade bei Einsätzen wie diesen fast unmöglich zu sein scheint.
- Die Polizei hat rasch für Sicherheit gesorgt, ein Rädchen hat bei dem Einsatz in Graz ins andere gegriffen.
- Foto: Symbolbild: LPD Steiermark
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Margit Ablasser war gemeinsam mit ihrem Gatten Wolfgang gleich am ersten Tag "an der Front": "Wir zwei waren unterstützend zur Schulpsychologie zur Betreuung der Lehrpersonen bei einer Konferenz dabei. Da ging's in erster Linie darum zu beobachten, zuzuhören und über das mögliche Angebot unsererseits aufzuklären", so Ablasser.
Generell geht es bei solchen Einsätzen darum zu beobachten, die Situation gemeinsam mit den Betroffenen einfach auszuhalten, in die Betroffenen hineinhören, was sie gerade benötigen, nötige Dinge zu organisieren und in dem ganzen auch flexibel zu bleiben.
- So sieht die Einsatzkleidung von Margit Ablasser aus; sie ist sowohl Teil des KIT als auch der Ökumenischen Notfallseelsorge.
- Foto: Kern
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Verständigt wird man als KIT'ler per sms über die Landeswarnzentrale. Ist man befangen oder kennt man die Betroffenen sehr gut, kann man den Einsatz auch ablehnen. Im Bereich Bruck-Mürzzuschlag/Leoben sind aktuell 30 Personen im KIT gemeldet.
Zentrale Anlaufstelle
Am Mittwoch Vormittag waren die beiden dann bei der zentralen Anlaufstelle für Eltern, Lehrern und Schülern in der List-Halle eingeteilt: "Schwerpunktmäßig haben wir uns um Schüler in den jeweiligen Klassenverbänden gekümmert; es ging darum, sie wieder so gut als möglich zusammenzuführen, zu reden und so ein Gesamtbild der Ereignisse zu erarbeiten. Diesen Prozess haben wir auch moderiert."
- Ein Bild aus dem Jahr 2023: Edwin Benko und Katharina Purtscher-Penz, die beiden Kit-Steiermark-Gründer, bei der 25 Jahr-Feier in Graz.
- Foto: Land Steiermark/Foto Fischer
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Bis Mitte dieser Woche ist/war das Kit im Einsatz, danach wurde vom Land Steiermark eine weiterführende psychologische Betreuung mit eigenen Sprechstunden ohne Wartezeiten zugesichert – ein unverzichtbarer Bestandteil, um ein solches Ereignis irgendwann auch verarbeiten zu können.
Wie geht's einem selbst bei einem solchen Einsatz? "Natürlich nimmt's einen gewaltig mit, besonders wenn man selbst Kinder oder Enkelkinder in diesem Alter hat. Aber man ist keine Hilfe, wenn man selbst zu emotional ist. Ich sage immer: Wir sind in dem was wir tun nicht stark, sondern wir bleiben in unseren professionellen Rollen."
- Edwin Benko hat 1998 gemeinsam mit Katharina Purtscher das KiT-Steiermark nach dem Grubenunglück in Lassing gegründet.
- Foto: KIT
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Wichtig ist, dass man sich für danach gewisse Rituale angewöhnt: "Ich zum Beispiel fahre nach Hause, gehe mich duschen, schreibe meinen Bericht und schließe damit ab. Ich habe das Glück, dass wir als Ehepaar arbeiten und vieles danach noch besprechen können. Ansonsten ist es schon wichtig, sich im Team gegenseitig zu coachen und auf 'self care' nicht zu vergessen. Man muss unbedingt Räume für seine eigenen Emotionen schaffen und diese bei Bedürfnis auch auszuleben."
Viel Positives erlebt
Was Margit Ablasser bei dem ganzen Negativen, dass das Ereignis mit sich gebracht hat, besonders positiv erlebt hat, war der Zusammenhalt in der Stadt Graz. Wir haben zum Beispiel in der List-Halle plötzlich einige Kartons Pizza geliefert bekommen, weil wir ja irgendwann auch einmal etwas essen müssen. Immer wieder wurde Essen und Trinken einfach angeliefert. Oder der nahegelegene Spar-Markt hat plötzlich ein Einkaufwagerl voll mit Kerzen zur Verfügung gestellt. Diese Menschlichkeit war wirklich großartig!"
Und ein ganz besonders großes Lob möchte sich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der List-Halle aussprechen: "Als der Amoklauf passiert ist, war dort eigentlich eine Konferenz. Als dieser dann bemerkt wurde, wurden sofort alle Tore geöffnet und die Halle unentgeltlich zur Verfügung gestellt."
- Bei ihren Einsätzen immer dabei ist ein fertig gepackter Rucksack, auch ein kleiner Bär gehört mit ins Gepäck.
- Foto: Kern
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Eines möchte Ablasser jedenfalls erwähnen: "Das KIT ist in dem Ganzen nur ein Puzzleteil; zwar ein ganz wichtiger, aber dennoch haben da so viele Menschen aus so vielen verschiedenen Bereichen zusammengeholfen. Dieses Miteinander war unglaublich ergreifend!"
Krisenintervention in der Steiermark
Kommt es in der Steiermark zu solch Großeinsätzen wie zuletzt, greifen viele Hilfsprogramme ineinander. Neben dem Kriseninterventionsteam des Landes Steiermark ist dies die Ökumenische Notfallseelsorge der Katholischen Kirche – deren Mitglied Margit Ablasser ebenso ist – sowie das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuz. In diesem Fall war auch die Schulpsychologie gefordert.
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