Bildung gibt Perspektiven
So wirkt 'Jugend Eine Welt' in Indien
- Absolvieren derzeit ein Freiwilligenjahr im indischen Hyderabad, hier sind sie zu Besuch in einem Slum, von links: Steffen Pitnik, Florian Költz, Julia Kouba und Fernanda Gomez-Baumgartner.
- Foto: Elisabeth Zangerl
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Lokesh Kumar war einst ein Straßenkind und ist heute ein gefeierter Bollywood-Star. Sangeetha Roy wurde mit 15 Jahren Vollwaise – dank der Don Bosco-Einrichtungen ist sie heute erfolgreich als Uni-Assistenzprofessorin der Pharmazie tätig. Die 20-jährige Vaishu, die ebenfalls in einem Don Bosco Waisenhaus eine neue Heimat gefunden hat, trägt diese große Hoffnung nach einem besseren Leben noch in sich. Erfolgsgeschichten wie diese zeugen davon, dass Bildung ein Schlüsselthema für die Zukunft ist. Eine Pressereise nach Indien, organisiert von der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, gewährte berührende Einblicke in die unermüdliche Arbeit – ebenso in jene von jungen Volontären und einem Oberösterreichischen „Senior Expert.“
- Steffen Pitnik aus Guntramsdorf in der Slum-Schule.
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Von Elisabeth Zangerl
ÖSTERREICH/INDIEN. Eine Reise nach Indien zeigt auf: Die Lebensgeschichten der Menschen in Indien, über die ich berichte, haben alle etwas gemeinsam – sie sind traurig, tief berührend und vermitteln zugleich Hoffnung auf ein besseres Leben. Die „Jugend Eine Welt – Don Bosco Entwicklungszusammenarbeit“ setzt sich seit 1997 weltweit für die Verbesserung der Lebensperspektiven von benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein. Unter dem Leitgedanken „Bildung überwindet Armut“ unterstützt 'Jugend Eine Welt' Hilfsprojekte, Schulen, Straßenkinder-Programme und Bildungszentren in Asien, Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Osteuropa.
- Foto: Jugend Eine Welt
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Gemeinsam mit den Projektpartnern von 'Jugend Eine Welt', vor allem mit den Salesianern Don Boscos und den Don Bosco Schwestern, erhalten Kinder und Jugendliche die Chance auf eine bessere Zukunft. Hunderttausende Mädchen und Buben dürfen mithilfe des Don Bosco Netzwerks zur Schule gehen, erhalten eine Berufsausbildung, und Straßenkinder bekommen ein neues Zuhause.
Eine Pressereise in die beiden indischen Millionenstädte Hyderabad und Visakhapatnam gewährte einen umfangreichen Einblick in die unermüdliche Arbeit der Hilfsorganisationen.
- Hunderttausende Mädchen und Buben auf der ganzen Welt dürfen mit Hilfe des Don Bosco Netzwerks zur Schule gehen, erhalten eine Berufsausbildung und Straßenkinder bekommen ein neues Zuhause.
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„Eine Challenge, die jungen Leute auszubilden“
Der 'Jugend Eine Welt'-Projektpartner vor Ort, Father Noel Maddichetty, Direktor des Don Bosco Provincal House in der südindischen Millionenmetropole Hyderabad, erklärte, dass Indien nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Welt, sondern auch ein „junges Land“ sei. Ein Viertel der Bevölkerung in Indien ist unter 14 Jahre alt:
„Es ist eine Challenge, all die jungen Leute auszubilden“
, ist er überzeugt.
- Father Noel Maddhichetty
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Rund zehn Prozet der Gesamtbevölkerung in Indien lebt in großer Armut. Einer davon ist - oder besser gesagt war einst - Sonu Dewere. Betteln am Bahnhof und das Durchsuchen des Mülls nach Nahrung prägten früher seinen tristen Alltag. Im Alter von zwölf Jahren traf er auf Pater Noel Maddhichetty, der ihn in einem Don Bosco Waisenhaus in Hyderabad aufgenommen hat – nach seiner umfangreichen Ausbildung arbeitet er mittlerweile als Tanzlehrer in Bildungseinrichtungen, ist verheiratet und Vater dreier Kinder.
- Betteln am Bahnhof und das Durchsuchen des Mülls nach Nahrung prägten einst den Alltag von Sonu Dewere.
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„Jemand muss für sie da sein“
„Straßenkinder brauchen jemanden, dem sie vertrauen können. Jemand muss für sie da sein – auf der Straße und in ihrem Leben“
, sagt etwa Santosh Kumar Padibandla. Der 40-Jährige ist heute Projektkoordinator im Don-Bosco Straßenkinderzentrum und hat dieses Schicksal als einstiges Straßenkind selbst durchlebt. Bei einem Zugunglück verlor er einen Unterarm und ein Bein – als ihn sein Vater im Spital besuchte, sagte dieser, dass er nicht mehr sein Sohn sei. Auch er wurde von Don-Bosco-Sozialarbeitern in ein Waisenheim gebracht, schaffte seinen Schulabschluss, studierte Informatik und Sozialarbeit und verfasste eine Doktorarbeit zum Thema Menschenrechte.
- Santosh Kumar Padibandla verlor einst bei einem Zugunfall einen Arm und ein Bein.
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Die Kraft der Hoffnung
Berührend ist auch das Schicksal der 20-jährigen Vaishu: Ihre Mutter war finanziell nicht in der Lage, ihre drei Mädchen zu ernähren, weswegen Vaishu im Waisenhaus Don Bosco Prem Seva Sadan in Hyderabad untergebracht ist. Sie trägt jede Menge Hoffnung auf ein besseres Leben in sich. Ihr Traum: ein Software-Engineering-Studium. Sie zeigt sich tapfer, merkt aber an, oftmals traurig darüber zu sein, nicht bei ihrer Familie leben zu können:
„Aber, ich weiß, dass ich dort diese Ausbildungsmöglichkeiten nicht bekommen könnte“
, sagt sie.
- Die 20-jährige Vaishu (rechts außen) hofft, ihr Software-Engineering-Studium abschließen zu können. Waisenhäuser wie dieses bietet zahlreichen Kindern und Jugendlichen ein Zuhause und ermöglicht Ausbildungen.
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So auch bei Sangeetha Roy, die mit 15 Jahren Vollwaise war und ins Don Bosco Zentrum Vijayawada kam. Anschließend studierte sie Pharmazie – heute ist sie verheiratet und arbeitet als Assistenzprofessorin an der örtlichen Anurag Universität.
- Sangeetha Roy arbeitet heute als Assistenzprofessorin der Pharmazie an einer örtlichen Universität.
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Vom Straßenkind zum Bollywood-Star
Lokesh Kumar ist beweisgebend dafür, dass auch das größte „Bollywood-Märchen“ zur Realität werden kann. Für das Interview reiste er eigens aus der südindischen Stadt Bangalore an. Im Alter von sechs Jahren verließ ihn seine an einer psychischen Störung leidende Mutter, fortan lebte er auf der Straße beziehungsweise am Bahnhof in Bangalore, wo er sich jahrelang von Abfällen ernährte, bettelte und als Straßenverkäufer arbeitete. Erst eine schwere Krankheit war in seinem Fall ausschlaggebend, dass er die Hilfe des Don Bosco-Straßenkinderprogramms angenommen hat. Er schaffte seinen Schulabschluss und setzte sich in der Talente Show „Hero Nr. 1“, ausgestrahlt im indischen TV, gegen 600 andere Bewerber durch. Seither trat er in 24 verschiedenen Serien und Filmen auf – heute ist er ein gefragter Schauspieler und Comedy-Star, verheiratet und Vater zweier Kinder. Zudem absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften und „Social Work“ – darüber hinaus arbeitet er als Trainer im Straßenkinderzentrum und steht Kindern, die ein ähnliches Schicksal erleben wie er einst, als Freund zur Seite.
- Lokesh Kumar in einer Bildungseinrichtung - er lebte selbst einst auf der Straße.
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Volontäre und ein „Senior Expert“ in Indien
Internationale Freiwilligeneinsätze sind eine weitere Säule der Entwicklungszusammenarbeit. Dabei ermöglichen 'Jugend Eine Welt' und seine Partner Volontariats- und Freiwilligeneinsätze bei Bildungs- und Sozialprojekten sowohl für junge Erwachsene (über VOLONTARIAT bewegt) ebenso wie für Erwachsene mit Berufserfahrung (Senior Experts Entsendeprogramm). Ein Freiwilligenjahr absolvieren von September 2024 bis Sommer 2025 die vier jungen Volontäre: Die 18-jährige Fernanda Gomez-Baumgartner aus Reutte in Tirol, die 32-jährige Julia Kouba aus Wien, der 20-jährige Steffen Pitnik aus Guntramsdorf (Bezirk Mödling) und der 18-jährige Florian Költz aus Deutschland - sie arbeiten alle vier in der Don Bosco Einrichtung Navajeevan in Hyderabad, in der rund 35 Buben beherbergt sind, die High Schools, Colleges und Universitäten besuchen.
- Steffen Pitnik aus Guntramsdorf in der Slum-Schule.
- Foto: Elisabeth Zangerl
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„Etwas zurückgeben“
Auf die Frage, warum sie sich entschieden haben, ein Freiwilligenjahr in Indien zu absolvieren, kommen recht idente Antworten:
„Wir sind privilegiert aufgewachsen und möchten etwas zurückgeben“
, lautet das einstimmige Credo der Vier. Zu ihren Aufgaben zählen Besuche in den verschiedenen Slums der Stadt sowie Essenausgaben oder Freizeitaktivitäten mit den Jugendlichen wie Basketball spielen, Cricket uvm. Ein „Fußballprofi“ ist Gerald Lachmair. Der 64-jährige Oberösterreicher (aus Neuzeug) absolviert derzeit eine Freiwilligenzeit über das „Senior-Expertes-Programm“. Nach seiner Pensionierung (er arbeitet derzeit noch als Berufsschullehrer) plant er einen längeren Freiwilligendienst in Indien.
- Gerald Lachmair absolviert einen mehrmonatigen Freiwilligeneinsatz über das "Senior Experts Programm" in Indien.
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„Unser Senior Experts Austria Entsendeprogramm ist eine Plattform für Senior:innen, die ihre Fachkompetenz in den Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Handwerk oder Verwaltung in sozialen Projekten im Globalen Süden weitergeben und benachteiligten, jungen Menschen Chancen auf ein besseres Leben ermöglichen wollen“
, erklärt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von 'Jugend eine Welt'. Aktuell wirken 60 Seniors in 18 Ländern – einer davon ist wie erwähnt der Oberösterreicher Gerald Lachmair, der besonders auch seine fußballerischen Kompetenzen als früherer Spieler und ausgebildeter Schiedsrichter einbringt und u.a. in einer Bildungseinrichtung Fußballunterricht für Jugendliche in Praxis und Theorie ermöglicht.
- Der Oberösterreicher Gerald Lachmair beim Fußball spielen mit Burschen.
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Spenden
Finanziert wird die Arbeit von 'Jugend Eine Welt' durch Spenden, Zuwendungen, Testamentserlösen, Darlehen, Förderungen von Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen sowie durch Projektfinanzierungen der öffentlichen Hand.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.jugendeinewelt.at, Spenden sind möglich unter dem Spendenkonto Jugend Eine Welt, IBAN: AT66 3600 0000 00024000, Onlinespenden unter: www.jugendeinewelt.at/spenden
'Jugend Eine Welt' ist Träger des Spendengütesiegels, Spenden an 'Jugend Eine Welt' sind steuerlich absetzbar.
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