Der Tourismus wächst, der Mangel an Köchen auch

Petra Nocker-Schwarzenbacher erwartet 2017 einen guten Sommer für den österreichischen Tourismus.
  • Petra Nocker-Schwarzenbacher erwartet 2017 einen guten Sommer für den österreichischen Tourismus.
  • Foto: Helge Kirchberger
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Wie lief das erste Halbjahr für die Tourismusbranche?
NOCKER-SCHWARZENBACHER: Die gesamte Wintersaison war mit rund 69 Millionen Nächtigungen durchaus erfolgreich. Der Zuwachs bei Übernachtungen inländischer Gäste um 1,4 Prozent auf 16 Millionen zeigt: Urlaub im eigenen Land ist wieder „en vogue“. Im bisherigen Kalenderjahr 2017 wurden laut Statistik Austria Zuwächse sowohl bei den Nächtigungen (+1,2% auf 54 Millionen) als auch bei den Ankünften (+2,1% auf 13,7 Millionen) registriert. Die größten absoluten Nächtigungszuwächse wurden dabei mit 152.000 bei niederländischen Gästen beobachtet, während bei Besuchern aus Deutschland ein Minus von 295.000 Nächtigungen hingenommen werden musste.

Wie haben die Bundesländer im Vergleich abgeschnitten?
Bei den absoluten Übernachtungsergebnissen von in- und ausländischen Gästen schneiden Oberösterreich, die Steiermark und Wien positiv ab. Kärnten und Vorarlberg weisen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ein Minus auf. Insgesamt zeigt die Statistik ein erfreuliches Bild, wobei man Nächtigungen und Umsatz nicht mit wirtschaftlichen Erfolg und Ertrag gleichsetzen darf.

Was erwartet die Branche für das 2. Halbjahr?
Der Blick nach vorne lässt auf erfolgreiche Sommermonate hoffen. Die derzeitige geopolitische Lage mit Unruhen und Unsicherheiten in vielen Gebieten der Welt kommt dem Tourismus in Österreich natürlich zugute. Trotz dieser Entwicklung erhöhen wir die Preise nicht in gleichem Ausmaß wie unsere Nachbarländer. Diese Preispolitik stellt für Österreich eine Investition in die Zukunft dar und soll für weiteren Gästezuwachs sorgen.

Die Hauptsaison steht vor der Tür. Sind alle offenen Stellen besetzt?
Die Zahl der offenen Stellen ist im April um 34 Prozent auf 7.230 gestiegen. Beachtenswert ist, dass in Wien das Plus bei 16 Prozent liegt, während die Zahl der offenen Stellen in Tirol mit 33 Prozent doppelt und in Vorarlberg mit 70 Prozent sogar mehr als vier Mal so hoch ist wie in Wien. Dies zeigt einmal mehr die unterschiedliche Entwicklung der Arbeitsmärkte in Ost- und Westösterreich. Darauf wird die Politik Antworten finden müssen.

Was kann die Politik tun?
Unsere Forderung, Köche und Restaurantfachkräfte endlich auf die Mangelberufsliste, die auch den regionalen Mangel stärker berücksichtigt, aufzunehmen, würde mit minimalem Aufwand maximalen Nutzen mit sich bringen. Ebenso wie das von der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft vorgeschlagene Saisonverlängerungsmodell, das eine Ausdehnung des Beschäftigungszeitraumes in der Vor- und Nachsaison mit sich bringt. Dadurch könnten Mitarbeiter trotz geringerer Auslastung im Betrieb beschäftigt werden. Arbeitgeber, Arbeitnehmer und schlussendlich auch die gesamte Volkswirtschaft können durch die Einsparung von Arbeitslosengeld profitieren.

Wieviel Geld entgeht dem heimischen Tourismus durch fehlende Arbeitskräfte?
Exakte Zahlen gibt es hier nicht. Viele Betriebe in den westlichen Bundesländern beklagen sich jedoch über die steigende Arbeitsbelastung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgrund von Unterbesetzung, insbesondere bei Köchen.

Arbeitszeitflexibilisierung und Mindestlohn: Was sind Ihre Forderungen an eine neue Regierung?
Der kollektivvertragliche Mindestlohn von 1.500 Euro brutto wird in der Gastronomie und Hotellerie ab 1. Mai 2018 umgesetzt. Die Branche wünscht sich, um auf kurzfristige Gästewünsche etwa bei einer Hochzeitsgesellschaft eingehen zu können, eine Ausdehnung der täglichen Höchstarbeitszeit auf 13 Stunden. Ebenso wünschenswert ist die Abschaffung der Meldepflicht des Arbeitgebers ans Arbeitsinspektorat, wenn Jugendliche unter 18 Jahren an mehreren Sonntagen hintereinander beschäftigt werden. Die Schaffung von Dekadenarbeit, bei der zehn Tage am Stück gearbeitet und anschließend vier Tage Freizeit folgen, ist ein Wunsch der Arbeitgeber im Tourismus. Für Arbeitnehmer mit sehr langen Wegzeiten wäre dieses Arbeitsmodell durchaus attraktiv. Zusätzlich steht auch das Thema Betriebsübergabe im Fokus. Die Betriebsübergabe muss durch vereinfachte Behördenverfahren, steuerliche Entlastungen und den Übergang bestehender Bewilligungen auf den Betriebsnachfolger erleichtert werden. Es müssen die gleichen Begünstigungen gelten wie für Start-Ups. Jedenfalls wird auch die Verkürzung der Abschreibungsdauer (AfA) zurück auf 33 Jahre und Senkung der Mehrwertsteuer, nämlich die Rücknahme des erhöhten Mehrwertsteuersatzes bei Nächtigungen von 13 auf 10 Prozent, gefordert.

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