Bauernbrot, G’sölchts und Steirerwein

In Peter Stelzls Buch „Bauernbrot, G’sölchts und Steirerwein“ geht es um das Grundnahrungsmittel und was noch zu einer feinen Jause dazu gehört.
  • In Peter Stelzls Buch „Bauernbrot, G’sölchts und Steirerwein“ geht es um das Grundnahrungsmittel und was noch zu einer feinen Jause dazu gehört.
  • hochgeladen von Josef Fürbass

Altes, Bekanntes und Vergessenes rund um feste und flüssige Nahrung

Hat man diese g’schmackige Trilogie auf dem Tisch, dann lässt es sich nach Herzenslust schmausen. Autor Peter Stelzl aus Arnfels kredenzt in seinem soeben erschienenen Buch nicht nur steirische Genüsse, sondern „schneidet“ auch Orakel des Brotbackens an. Abgerundet wird die „Mahlzeit“ mit einem alten Weinalphabet im Anhang.

(jf). Brot ist seit Menschengedenken das wohl wichtigste Lebensmittel. Es schmeckt, nährt, und auch das Auge isst mit. Kein Wunder also, dass die Bäuerin dem Laib stets viel Aufmerksamkeit gewidmet hat, wenn sie ihn aus dem Ofen zog. War der Brotrücken zu hell geraten, soll der baldige Tod eines lieben Mitmenschen „mit eingebacken“ sein. Blieb das Brot zu lange im Ofen und wurde dadurch dunkel, deutete dies auf bevorstehende Zwistigkeiten hin. Schimmelte das Brot gar schon nach wenigen Tagen, befürchtete die Bäuerin ebenfalls Schlimmes.
Wurde ein Laib ehrfurchtsvoll angeschnitten, legte die Bäuerin das „Scherzl“ in die Tischlade. Dort wurde es aufbewahrt und später an die Tiere im Stall verfüttert. Eine gutherzige Haufrau hat das trockene Scherzl oder letzte Stück des Brotes niemals armen Leuten gegeben. Tat sie es doch, soll es vorgekommen sein, dass sie in späteren Jahren selbst um Brot betteln musste...

„Wurde das Ofentürl geschlossen, bekreuzigte sich die Bäuerin und bat noch einmal um ‚Beistand von oben’. Stieß sie beim Backen einen Fluch aus, verbrannte das Brot unweigerlich.“

Autor Peter Stelzl

Griff ein Knecht oder eine Dirn nach dem letzten Scherzl, so mussten diese sieben Jahre warten, um einen Ehepartner zu finden. Also wurde bei den Mahlzeiten mit Argusaugen auf das letzte Stück Brot geachtet. Wer zu Neujahr die Nachbarn besuchte und dabei sechs verschiedene Brote verkostete, durfte auf Gesundheit hoffen.
Fallweise half auch der Schratl“, ein kleines Männlein mit buschigem Katzenschwanz, beim Brotbacken mit. Dafür durfte der Hausgeist im „Bertschgaloch“ unterhalb des Backofens wohnen, von wo aus er das Geschehen in der Bauernstube bestens beobachten konnte. Vor dem Backen ritzte die Bäuerin mit dem Messer drei Kreuze in den Teig. Das Gleiche tat sie vor dem Anschneiden des Laibes. „Daran wird auch heute noch vielfach festgehalten“, so Stelzl, der sich freut, dass das Brotbacken nicht aus der Mode gekommen ist.“
Seine Ausführungen garniert der südsteirische Autor thematisch mit sinnreichen Sprüchen sowie mit Wetterregeln und Lostagen. Für den 25. Juni gilt: „Vor dem Johannistag man kein Getreide loben mag.“
Zu einem guten Brot gehört ein gutes „G’sölchts“. Dass das Selchen eine besondere Kunst ist, bei der es nicht nur auf das Fleisch, sondern auch auf das Holz ankommt, wird im Buch ebenfalls verraten. „Damit das G’sölchte schön saftig und kernig wird, braucht es viel Arbeit, Zeit und Fingerspitzengefühl. Fast jeder Bauer hat seine Methode. Die einen schwören auf Apfelbaumholz, andere wiederum verwenden das Holz von Buche, Vogelbeere oder Wacholder, um dem G’sölchten den besten Geschmack zu geben.
Auch dem Wein als Lebenswasser ist in dem über 80 Seiten starken Buch ein Kapitel gewidmet. Es enthält Sagen, Lostage, Begriffe zum Fachsimpeln, Gedichte und Weinheilige. Mit Illustrationen von Franz Schwarz, Prof. Hansjörg Swetina, Hendrik E. Sieder, Josef „Peperl“ Emig wird dam Gesamtwerk und den darin behandelten Themen auch grafisch Ausdruck verliehen.
„Eer weit über unsere Grenzen hinaus bekannte und stets aktive Maler und Geschichtenerzähler hat in diesem Band nicht nur wieder tief in seiner Sagensammlung gewühlt, sondern auch den alten Wortschatz der heimischen Weinbauern aus der Vergangenheit hervorgeholt“, beschreibt Kurt Hemmer das Plädoyer von Peter Stelzl für Bauernbrot, G’sölchts und Steirerwein. Erhältlich im Buchhandel oder unter direkt beim Autor am Hexenwaldweg 201 in 8454 Arnfels, 03455/596.
Am Freitag, dem 9. Juni 2017, wird Peter Stelzl sein neues Buch nach 21 Uhr bei Sepp Loibner in „Unser Steirerland“ auf Radio Steiermark vorstellen.

Foto: Josef Fürbass

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