Zwei Vierachser im Einsatz
Immer reizvoll: Eine Fahrt mit dem Stainzer Flascherlzug
- Franz Zettl, Helmut Poglitsch und Zettl-Enkel Aurelio
- Foto: Gerhard Langmann
- hochgeladen von Gerhard Langmann
Er fährt und fährt und fährt: Was auf eine Automarkte zutrifft, hat Gültigkeit auch für den Stainzer Flascherlzug, der nach dem Rückzug der Marktgemeinde Stainz auf Pachtbasis vom Verein Freunde der Stainzer Bahn geführt wird.
STAINZ. Der Stainzer Flascherlzug war sei jeher von der Aura des Besonderen umgeben. In seiner Historie erlebte er Höhen und Tiefen. Beeindruckend war der Start, in nur fünf Monaten wurde die Stainzer Bahn, wie sie damals hieß, 1892 ihrer Bestimmung übergeben. Wirtschaftlich erfolgsträchtig wurden die rund elf Kilometer zwischen Preding und Stainz aber nie. Die Errichtung der Buslinie von Stainz nach Graz trug ein Weiteres dazu bei. 1951 kam es zur endgültigen Einstellung des Personenverkehrs, ab 1980 gab es auch den Güterverkehr nicht mehr.
Bereits 1971 versuchte die Stainzer Faschingsgilde, den Zug als touristische Attraktion zu etablieren. Der Name „Flascherlzug“ wurde dabei aus jener Zeit mitgenommen, als der „Wunderdoktor“ Johann „Höllerhansl“ Reinbacher in den 1920-er-Jahren in Rachling residierte. Die aktuelle Entwicklung hätte sich der Flascherlzug wohl gerne erspart: Finanzielle Überlegungen zwangen die Marktgemeinde, seit 1980 im Besitz der Bahn, den Betrieb des Zuges einzustellen. Zur Freude der Beteiligten fand sich der Verein Freunde der Stainzer Bahn mit Franz Zettl und Helmut Poglitsch, den Betrieb auf Pachtbasis weiterzuführen.
Regelbetrieb bis Ende Oktober
Der Start in die neue Zeitrechnung erfolgte am 2. Mai 2026. Nach knapp vier Monaten lohnt es sich, auf dem Bahnhof vorbeizuschauen. „Wir haben einen Businessplan aufgestellt“, sehen sich die beiden Protagonisten auf einem guten Weg. Die Frequenz der Fahrten wurde reduziert, bis zum 7. September verkehren die fahrplanmäßigen Züge Samstag und Sonntag um 15 Uhr. Danach bis zum 24. Oktober kommen Fahrten am Donnerstag und Sonntag (jeweils 10 Uhr) dazu.
Bis zum Saisonschluss am 31. Oktober fährt der Zug am Samstag und Sonntag jeweils um 14 Uhr. Zwei weitere Termine stehen fest: am Nikolaustag (14 Uhr) und am Heiligen Abend (13 Uhr). Die Regel ist, dass sonntags die Dampflok, zu den übrigen Terminen die Diesellok vorgespannt ist. Beim Besuch am vergangenen Samstag zog die Diesellok L45H – 070 (Besatzung Helmut Poglitsch, Andreas Cernoga) mit dem Sechs-Zylinder-Motor von Maybach mit 350 PS die Garnitur. Das „Kräuterwagerl“ (Blattfederbruch) konnte nicht mitmachen, dafür waren zwei Vierachser-Waggons angehängt.
Kesselprüfung im nächsten Jahr
„Im Frühjahr steht die Kesselhauptuntersuchung an“, sind Franz Zettl und Helmut Poglitsch mit ihren Gedanken bereits im kommenden Jahr. Sie sind überzeugt, dass sie diese pekuniäre Hürde mit dem guten Willen verantwortlicher Stellen meistern können. „Die ganze Mannschaft steht voll hinter dem Projekt“, sieht sich das engagierte Duo sehr gut unterstützt. Mit Enkel Aurelio (4) hat Franz Zettl ein zusätzliches Ass im Ärmel.
Musikalisch und schmähtechnisch wurde die Fahrt von Herbert Eberhart begleitet. „Wir sind vom Karateverein Schärding“, war eine 15-Personen-Sportgruppe aus Oberösterreich mit von der Partie. Nicht zum ersten Mal, wie Obmann Philipp Reitinger wissen ließ, der Trainer studiert in Graz und organisiert alljährlich eine Fahrt mit dem Flascherlzug. Noch am Überlegen war Papa Erik mit Sohn Milan, der von einer Bahnhofbank aus das Treiben beobachtete: „Das nächste Mal werden wir dann echt fahren.“
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