„Schöner Hof“
Alter Schweinestall in Marhof wird zur modernen Bio-Pilzfarm
In der Ortschaft Marhof in der Marktgemeinde Stainz sprießen bunte Pilze in einem alten Schweinestall. Johanna Schriebl will Menschen in der Region mit ihrer Pilzzucht am „Schöner Hof“ auf den Geschmack ihrer geliebten Seitlinge bringen.
MARHOF. Seit drei Jahren betreibt die 33-jährige Johanna Schriebl die kleine Landwirtschaft am „Schöner Hof“ in Marhof. Damit setzt sie die Familientradition bereits in fünfter Generation fort. Dieser Weg war nicht immer sicher für die Grazerin, die unter der Woche täglich zum Hof und Wohnort ihrer Eltern pendelt. Im Studium und bisherigen Karriereweg war das Leben als Bäuerin noch undenkbar.
„Der Hof ist sehr klein. Wir haben sieben Hektar, vier davon sind Wald. Die restlichen Flächen sind auf Parzellen aufgeteilt. Mein Papa ist seit 15 Jahren in Pension, die meisten Ackerflächen sind seitdem verpachtet“, erzählt Schriebl. Sie beschreibt ihren spontanen Entschluss, den Hof und die Ressourcen nutzen zu wollen: „In dieser Größe braucht man einfach eine Spezialisierung. Pilze haben mich schon immer interessiert.“ Für ihre Bachelorarbeit im Jahr 2018 führte sie sogar eine Marktanalyse für Pilze am Standort durch.
Vom Schweinestall zur Pilzfarm
Am Hof gab es einen über 200 Jahre alten, leeren Schweinestall mit dicken Wänden. Ein Schweinestall ist ohnehin ein Feuchtraum – daher bot sich dieser perfekt an, um das passende Klima für Pilze zu erschaffen. „Ich habe den Stall umgebaut und dort meine Pilzzucht installiert“, berichtet Schriebl stolz. Sie bietet den Pilzen permanent einen „schönen Herbsttag“ mit ca. 20 Grad Celsius, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und Luftaustausch.
- Pilze bilden ihre Fruchtkörper aus, um ihre Sporen fallen zu lassen und sich zu vermehren.
- Foto: Johanna Schriebl
- hochgeladen von Katrin Löschnig
Im Stall wachsen seither drei Arten von Bio-Seitlingen: Austern-, Limonen- und Rosenseitlinge. Besonders angetan hat es Schriebl die kräftige grau-gelb-pinke Farbkombination: „In der Kombination schaut es einfach wahnsinnig schön aus. Natürlich gibt es auch Unterschiede im Geschmack und in der Konsistenz.“ Gezüchtet werden die Pilze auf biozertifiziertem, regional produziertem Strohsubstrat, welches in Säckchen ihren auf speziell dafür designten Regalen findet. Dieses Substrat bezieht Schriebl von der „Pilzfactory“ in St. Andrä-Höch.
„Ich ernte normalerweise jeden Tag. Sobald man einen Pilz sehen kann, braucht es ungefähr vier Tage, bis er ausgereift ist.“
Johanna Schriebl
- Kreislaufwirtschaft: Das Pilzsubstrat wird kompostiert und dann als Dünger verwendet. Einzig die Plastiksackerl bleiben als Müll übrig – hierfür hat man bisher kein anderes passendes Material gefunden.
- Foto: MeinBezirk/Katrin Löschnig
- hochgeladen von Katrin Löschnig
Erworben werden können die frischen Pilze direkt beim 24-Stunden-Kühlschrank beim Stall in Marhof oder samstags am Bauernmarkt am Grazer Lendplatz. Auch ein kleines Sortiment an verarbeiteten Pilzprodukten findet man vor Ort. Dieses gibt es außerdem bei der Keuschlerei im Marhofmüller zu finden, die sich nur rund 200 Meter vom Hof entfernt befindet. Dort verkauft Schriebl auch ihr restliches Sortiment – denn Pilze sind nicht ihr einziges Produkt.
Streuobstwiesen, Mietgärten und Co.
„Ich nutze einfach die Ressourcen, die wir hier am Hof haben“, berichtet Schriebl zum Beispiel von den Streuobstwiesen mit alten Apfelsorten. Verarbeitet werden auch die eigenen Trauben, Kräuter dienen der Herstellung verschiedenster Sirupsorten. Nicht zu vergessen sind die Mietgärten und das Sonnenblumenfeld zum Selbsternten.
- Die Mietgärten mit dem Sonnenblumenfeld im Hintergrund
- Foto: MeinBezirk/Katrin Löschnig
- hochgeladen von Katrin Löschnig
Übrigens: Schriebls Partner gehört das Anwesen „Marhofmüller“. Gemeinsam mit dem „Schöner Hof“ wurde nun ein buntes Sommerprogramm auf die Beine gestellt. Am 5. und 6. September wird es beim Marhofmüller wieder einen Imbissstand geben sowie das Event „trink & mal“. Am 6. September darf man sich auch auf einen Sonntagsbrunch in Marhof freuen. „Im Herbst wird es wieder neue Termine für meine Pilz-Kochkurse geben“, macht Schriebl neugierig.
Trotz des großen Engagements geht es sich für die junge Bäuerin finanziell noch nicht aus, vollständig vom Hof zu leben: Sie ist auch als Lehrerin tätig.
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