25.10.2016, 16:37 Uhr

Bildungschancen sichern den Wirtschaftsstandort

Kilian Hesse, Schulleiterin Gerda Lichtberger, Zahra und Salsane aus Afghanistan sowie Juliana Pauritsch. (Foto: Franz Krainer)

BORG-Neo-Chefin Dr. Gerda Lichtberger über den Ruf nach einem Unterstufengymnasium und die jüngst installierte internationale Klasse.

DEUTSCHLANDSBERG. Eine verordnete Bildungspolitik nimmt kaum Rücksicht auf regionale Probleme und erfordert Eigeninitiative der Verantwortlichen.
Bildung und regionale Politik suchen den Schulterschluss: Bürgermeister Josef Wallner und BORG-Neo-Chefin Gerda Lichtberger sind sich einig: „Wenn wir nicht in der Lage sind, das Auspendeln unserer Schüler in die Ballungsräume zu verhindern, wird sich das mittelfristig auch auf Arbeitsplätze, Wirtschaftsstrukturen und Lebensqualität auswirken!“ Lichtberger ist zwar erst seit wenigen Wochen Direktorin des Oberstufengymnasiums Deutschlandsberg, hat aber weitreichende Pläne. „Es ist der Wunsch vieler Eltern, deshalb soll in engster Zusammenarbeit mit den Direktoren der Neuen Mittelschulen des Bezirkes die Basis für die Installation einer Unterstufe in Deutschlandsberg entwickelt werden.“


Weiter Weg zum Unterstufengymnasium

Dass dies noch ein weiter Weg ist, weiß die erfahrene Pädagogin, sieht aber auf längere Sicht keine Alternative zum Langformgymnasium. „Die Abwägung aller Fakten nach einer objektiven und weitreichenden Diskussion mit Direktoren, Lehrern, Eltern und der Politik“ soll dieser Entscheidungsfindung dienen. Dabei legt die BORG-Direktorin eine interessante Statistik vor: „Von 118 Bezirken in Österreich haben nur neun keine Unterstufe, drei davon in der Steiermark!“

Langform des Gymnasiums überzeugt bei der Zentralmatura

Dem gegenüber zeigt die Ergebnis-Statistik der Zentralmatura, dass die Ergebnisse bei den Langformen besser sind als in Oberstufengymnasien, wobei allerdings die Steiermark auch bei den BORG-Absolventen überdurchschnittlich gut abgeschnitten hat, ein Ergebnis „ hervorragender Arbeit in den NMS in der Steiermark, besonders auch im Bezirk Deutschlandsberg.“ Lichtberger will „Fehlentwicklungen offensiv begegnen“, und sieht Handlungsbedarf, weil Mädchen in Mathe und Englisch bei der Matura schlechter abschneiden: „Das ist eine pädagogische Herausforderung. Wir werden mit individuellem Lerncoaching, verkleinerten Gruppen und fallweise einem 2. Lehrer in der Klasse problemorientiert reagieren!“

"Internationale Klasse" entwickelt sich gut

Eine erfreuliche Entwicklung gibt es in der neu initiierten „internationalen Klasse“, wo 15 unbegleitete Jugendliche (Flüchtlinge) in einem von fünf Projekten in der Steiermark betreut werden: „Deutsch, Mathematik und Englisch steht auf dem Lehrplan, wobei die Schwerpunkte auf Hören, Schreiben, Lesen und Sprechen liegen. Zahra und Salzane aus Afghanistan waren beim WOCHE-Gespräch dabei, beeindruckten mit ihren Deutschkenntnissen nach nur elf Monaten. Eine Herausforderung sehen auch die Schulsprecher Kilian Hesse und Juliana Paulitsch: Kilian thematisiert neben Sprachproblemen vor allem die gravierenden kulturellen Unterschiede als Integrationshürde, „besonders das Frauenbild ist bei vielen Flüchtlingen inakzeptabel!“ Juliana setzt auf den Dialog mit den Flüchtlingen, erkennt die „Gefahr nationaler Gruppenbildung, die eine Integration erschwert“, hat aber auch Ideen, wie man junge, unbegleitete Flüchtlinge z. B. stärker ins weststeirische Vereinsleben einbinden könnte. Denkansätze von jungen Menschen, die gehaltvoller sind, als das oft gehörte politische BlaBla…

von Franz Krainer
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.