Pilze: Mykologie unter dem Mikroskop
- Heinz Detlef Prelicz bei der Pilzkunde in seinem Dachstüberl in Unterpurkla.
- Foto: Fotos: KK (2), WOCHE
- hochgeladen von Daniela Gether
Schwammerl-Experte aus Unterpurkla räumt mit geläufigen Pilz-Binsen auf.
Nach 34 Lehrjahren als Biologie-Professor am Borg Radkersburg ging es für Heinz Detlef Prelicz aus Unterpurkla bei Halbenrain mit der Pilz-Forschung erst richtig los. Seit seiner Pensionierung tobt er sich auf dem wissenschaftlichen Nährboden des Wald- und Wiesenschutzgebietes des Blaurackenvereines aus und gibt seine Erfahrung ambitioniert weiter.
„Essbare Pilze wachsen das ganze Jahr über, man muss sie nur kennen“, so Prelicz und räumt damit mit einem weit verbreiteten Mythos auf, es gäbe eine „Schwammerlzeit“. „Der bekannteste essbare Winterpilz ist der Samtfußrübling, der wächst auch bei Frost. Diverse Zucker und Salze wirken wie Frostschutzmittel und setzen den Gefrierpunkt herab.“
7.383 mitteleuropäische Pilze, inklusive Unterarten, hat der 70-Jährige bestimmt – alle für die Wissenschaft katalogisiert und konserviert in kleine Sackerl gepackt und zu Hause in großen Kisten gelagert.
Von vielen Irrtümern
„Circa 200 habe ich gegessen, ohne dass ich Bauchweh bekommen habe.“ Dabei sei aber große Vorsicht geboten, ein fälschlicher Griff ist und bleibt ein Spiel mit dem Leben. Man denke nur an den Knollenblätterpilz, der momentan sehr häufig vorkommt. „Der ist zellwandzersetzend. Die Inkubationszeit, bis man die Vergiftung merkt, kann bis zu 36 Stunden dauern, dann ist es oft schon zu spät.“
Ein anderer Irrglaube, mit dem Prelicz konfrontiert wurde: Das unvorsichtige Abernten führe zum Ausbleiben der Pilze. „Aus Pilzsicht ist es egal, ob man das Schwammerl mit dem Messer abschneidet oder es herausdreht. Das was wir herausnehmen ist die Blüte. Verglichen mit einem Baum ist es die Frucht.“ Der Grund, warum Schwammerl nicht mehr wachsen, liege an ökologischen Veränderungen. „Etwa wenn Maschinen Furchen in den Boden hauen und die Mycelfäden unter der Erde zerstören. Drum ist es auch ein Blödsinn, wenn Waldbesitzer wollen, dass man pro Tag nur zwei Kilo sammelt, um den Bestand nicht zu gefährden.“
Die Gelegenheit, um mit Professor Prelicz einen Pilzbestimmungskurs zu machen, gibt es am 21. September beim Bienenhof Rauch in Oedt bei Feldbach.
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.