12.10.2016, 08:30 Uhr

Echte Steirer aus der Mühle

Das Traditionsunternehmen ist seit sechs Generationen fest im Griff der Familie Birnstingl – heute trägt Andrea Zoller-Birnstingl (l.) die Verantwortung. (Foto: Privat)

Seit 1854 garantiert die Familie Birnstingl, dass Kürbiskernöl für Tradition steht. Ein Blick hinter die Kulissen.

Kein anderes Lebensmittel steht so sehr für die Steiermark wie das Kürbiskernöl. Wer ein echter Steirer ist, genießt seinen Salat ausschließlich mit dem grünen Gold, manch einer träufelt es über die Eierspeise oder kombiniert es im Sommer mit Vanilleeis. Das steirische Kürbiskernöl steht für Tradition und ist längst über die rot-weiß-roten Grenzen hinaus ein Muss für Feinschmecker.

500.000 Liter Kernöl jährlich

Bereits vor der Einfahrt zur Ölmühle der Familie Birnstingl erfreut ein delikates, nussiges Aroma die Sinne. Seit 162 Jahren hat sich das Familienunternehmen in St. Bartholomä darauf spezialisiert, aus wertvollen Kürbiskernen wohlschmeckendes Öl zu pressen. In sechster Generation trägt nun Andrea Zoller-Birnstingl die Verantwortung. Für sie ist es ein Traumjob, in den sie hineingeboren wurde. Die gesamte Familie packt mit an.
Rund 500.000 Liter Kernöl werden hier jährlich produziert. Hauptabnehmer ist seit 23 Jahren die österreichische Warenhandels-AG Spar. Mit der heute bestehenden Anlage ist die Pressung von bis zu 30 Tonnen Kürbiskernen pro Tag möglich – damit handelt es sich um die größte Kürbiskern-Ölmühle weltweit. Da das Kürbiskernöl nicht nur in der Steiermark, sondern vor allem bei unseren Nachbarn in Deutschland immer gefragter wird, wurde vor knapp zwei Jahren der Platz für die Produktion zu knapp.
"Wir Steirer sind mit dem Geschmack des Kürbiskernöls aufgewachsen und wissen es daher zu schätzen. Es hat seine Zeit gedauert, bis es aber zum Beispiel in Wien wirklich präsent war", sagt Zoller-Birnstingl, "und dann haben wir uns auch ins Ausland getraut". Auf die stetig steigende Nachfrage nach dem Kernöl der Familie Birnstingl folgte der Zubau, dessen Eröffnung vor zwei Wochen u. a. mit Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer offiziell gefeiert wurde. "Wenn man bedenkt, was sich im Zeitraum seit 1854 in der Steiermark, in Europa verändert hat – diese Mühle aber hat Bestand", sagte Schützenhöfer. Das Unternehmen ist mit dem 'International Food Standard' auf höchstem Niveau zertifiziert. Außerdem ist es Mitglied der 'Austria Bio Garantie'.

Lager mit neuen Möglichkeiten

Der 2.800 Quadratmeter große Zubau ermöglicht ein noch effektiveres Arbeiten in der bestmöglichen Qualitätsstufe. Der gesamte Produktionsfluss kann ab sofort konzentrierter, in einer durchgängigen Halle, vonstattengehen. Auf das Kühllager, in dem die Kürbiskerne bis zu drei Jahre ruhen können, folgt eine 1.000 Quadratmeter große Vollbetonhalle, worin sich sowohl die Röstanlagen als auch die Pressen befinden. Die Abfüll- und Lagerhalle bildet den Abschluss der neuen L-förmigen Halle, deren Bau rund zwei Jahre gedauert hat. Der ursprüngliche Betrieb, der von Peter Birnstingl geleitet wird, steht den steirischen Landwirten zur Lohnpressung ihrer Kürbiskerne zur Verfügung. Das Öl wird anschließend von den Bauern "ab Hof" verkauft. "Nicht alle Bauern haben die Mittel, sich entsprechende Maschinen zu leisten. Sie können also hierher kommen und direkt zusehen, wie ihre Kerne verarbeitet werden", meint Zoller-Birnstingl.

Der Garant für die Herkunft

Und wie kommen die Kerne nun in die Flasche? "Die Kerne werden fertig aufbereitet zugekauft und dann gemahlen. Der dickflüssige Brei wird schließlich geröstet, bis das Wasser verdampft. Die wahre Kunst ist die Röstzeit. Das ist wie mit gutem Kaffee", verrät die Unternehmerin.
Rein steirisch ist das Kernöl mit der Beschriftung 'g.g.A.' (geschützte geografische Angabe). Früher war das steirische Kernherkunftsgebiet noch kleiner, sodass einige wenige Bezirke Niederösterreichs dazugekommen sind. Die typische dunkelgrüne Farbe mit dem leichten Rotstich entsteht durch die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe wie Flavonoide und Chlorophyll. Diese sind direkt im Kürbiskernhäutchen eingelagert.
Und wohin geht's in Zukunft? "Das Ziel ist nicht die Expansion, aber das Rad unseres Familienunternehmens muss sich weiterdrehen", verspricht Zoller-Birnstingl.
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