Gefragte Frauen mit Azra Akšamija: Preise statt Plastilin

Wurde kürzlich mit dem Kunstpreis der Stadt Graz ausgezeichnet: die Architektin und Künstlerin Azra Akšamija
  • Wurde kürzlich mit dem Kunstpreis der Stadt Graz ausgezeichnet: die Architektin und Künstlerin Azra Akšamija
  • Foto: Herman Seidl
  • hochgeladen von Stefan Haller

Azra Akšamija studierte in Graz, unterrichtet jetzt am MIT in den USA und will Menschen mit ihrer Kunst verbinden.

Geboren 1976 in Sarajevo, kam Azra Akšamija im Alter von 16 Jahren nach Österreich. Sie absolvierte ein Studium der Architektur in Graz und zog nach Amerika, wo sie mittlerweile eine Professur am weltbekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT) innehat. Kürzlich wurde sie als erst zweite Frau mit dem Kunstpreis der Stadt Graz ausgezeichnet. Mit der WOCHE spricht sie über die Bedeutung der Kunst, die Schnittstellen zwischen den Disziplinen Architektur und Kunst und ihre Heimat an der Mur.

WOCHE: In Fachkreisen wird Ihre Kunst als sozialkritisch und partizipativ im Umgang mit Konstruktionen von Identität bezeichnet. Wie würden Sie Ihre Arbeit selbst beschreiben?
Azra Akšamija: Ich mache Kunst, die Menschen zum Mitmachen inspirieren soll, zum Nachdenken anregt und Entfremdung entgegenwirken soll. Ich verwende Installationen, Skulpturen oder Events, um das zu schaffen.

Wollten Sie schon immer Künstlerin werden?
Nein, diese Karriere hat sich eher zufällig ergeben, ich habe ja Architektur studiert. Aber ich war auch als Kind schon obsessiv der Kunst zugetan. Es gibt unzählige Blöcke voller Zeichnungen oder Skulpturen aus Plastilin aus meiner Kindheit. Den Drang zur Kunst hatte ich also schon solange ich mich erinnern kann. Aber ich bin froh, dass ich den Weg über die Anstellung an der Universität gefunden habe, ich verkaufe meine Kunst ja auch nicht.

Sie haben Ihren Master of Architecture an der Princeton University absolviert und dann Ihr Doktorat am MIT erlangt, wo Sie jetzt auch unterrichten. Wie ist es zu dieser Karriere in den USA gekommen?
Nach meinem Studienabschluss in Graz wusste ich, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Mein ehemaliger Professor an der Uni hat zu mir gesagt: "Du musst in die Welt hinaus. Such dir einen Superstar und hänge dich dort an!" (lacht) Dann habe ich mich in Princeton beworben und es hat unerwartet geklappt. Der PhD (Doktorat) am MIT war danach wirklich toll, noch während der letzten Monate meines Studiums wurde mir dann die Professur angeboten.

Wie lassen sich die Disziplinen Kunst und Architektur verbinden?
Sehr gut. Architektur ist sehr ästhetisch und Kunst kann auch praktischen Nutzen haben. In meinen Vorlesung sitzen beispielsweise Mathematiker, Physiker, Architekten und Künstler gemeinsam in einer Klasse und wir schauen uns zusammen verschiedenste gesellschaftliche Themen durch die Linse der Kunst an. Durch die unterschiedlichen Disziplinen entstehen sensationelle Diskussionen.

Ihnen wurde kürzlich der mit 15.000 Euro dotierte Kunstpreis der Stadt Graz verliehen. Wie wichtig sind Preise in der Kunst beziehungsweise Ihnen persönlich?
Grundsätzlich sind sie schon eine schöne Anerkennung und gut, weil sie vielen Künstlern ermöglichen, professionell weiterzuarbeiten. Mir persönlich sind sie nicht sehr wichtig, aber ich sehe Preise auch als Anerkennung für meine ehemaligen Professoren und Wegbegleiter, ohne die ich nicht dort wäre, wo ich jetzt bin. Ich werde das Geld auch nicht selbst verwenden. Ich betätige mich bereits seit zwei Jahren in einem Flüchtlingsheim in Jordanien, dort wollen wir Sozialräume installieren, damit die 50.000 Menschen dort mehr sehen, als nur die Metallwände.

Sie sind erst die zweite Frau, die den Kunstpreis der Stadt Graz bekommt. Haben es Frauen in der Kunst schwerer als Männer?
An Frauenpräsenz hakt es in allen Sparten, aber natürlich reflektiert die Kunst dieses Problem sehr gut. Ich selbst hatte es in meiner Karriere aber eigentlich nicht schwerer, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich immer besonders jung war. Dabei hat mir der Schritt in die USA geholfen, dort sind die Strukturen einfach besser.

Wie kann Graz vom Kulturjahr 2020 profitieren?
Ganz einfach dann, wenn auch genug Budget vorhanden ist. Auf jeden Fall kann es dabei helfen, das Scheinwerferlicht auf Kultur und Kunst in Graz zu werfen. Graz hat ja einiges vom Jahr 2003 gelernt, das kann auch jetzt passieren. Nachhaltigkeit muss das Ziel sein.

Steckbrief Azra Akšamija:

Geboren 1976 in Sarajevo.
Erhielt 1997 die österreichische Staatsbürgerschaft.
In ihrer Arbeit untersucht sie die Bedingungen, Ursachen und Folgen sozialer Entfremdung im Kontext von Konflikten, Migration und Vertreibung.

WOCHE Wordrap:

Zu Hause bin ich ... in Graz, Sarajevo und Boston.
Graz ist ... meine Heimat.
Kunst ist ... Leben.
Mich inspirieren ... Liebe und Konflikte.

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