Graz Gösting
Luxuswohnung auf Mülldeponie

Auf diesem Grundstück wird nun ein dreistöckiges Wohnhaus mit zehn Wohneinheiten gebaut, die Fertigstellung ist für 2021 geplant.
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  • Auf diesem Grundstück wird nun ein dreistöckiges Wohnhaus mit zehn Wohneinheiten gebaut, die Fertigstellung ist für 2021 geplant.
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In Gösting entstehen teure Wohnungen – als Bauland dient allerdings ein Altlastengrundstück.

Seit Bekanntwerden des Bauvorhabens in der Göstinger Steinstraße 20 haben die Anrainer massive Einwände gegen das Projekt. "Dass hier einmal gebaut wird, ist nicht überraschend, aber die Umstände machen uns Sorgen", zweifelt Gertrude Magdalenz an manchen Vorgehensweisen und führt aus: "Ursprünglich war von zwei Einfamilienhäusern die Rede, die auch im Internet angeboten wurden." Mittlerweile bietet der Bauträger die "reihenhausartigen, dreistöckigen Wohnungen mit Rundumgarten" (wieder) zum Verkauf an, rund 500.000 Euro kosten sie, die Fertigstellung ist laut Homepage bereits für Frühling 2021 geplant.

Altlast wird Bauland

Die Anrainer fühlen sich seitens der Stadt Graz, allen voran vom Bauamt, hintergangen. "Es handelt sich hierbei um ein Altlastengrundstück, das nun in Bauland umgewidmet wurde", kritisiert Magdalenz und sagt: "Wir machen uns Sorgen, da das Aushubmaterial hochgiftig ist und Zwischenlagerungen am Grundstück wegen der Regenfälle nicht zumutbar sind." Zudem liegt der WOCHE ein naturschutzfachliches Kurzgutachten vor, aus dem ergeht, dass "das Bauvorhaben zu einem Verlust an wertvollen Lebensräumen sowie artenreichen, gefährdeten und geschützten Teiltierpopulationen im Grazer Stadtgebiet" führt und dass "die negativen Auswirkungen der Bau- und Betriebsphase auf das unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet "Vogelschutzgebiet Weinzödl'" als schwerwiegend beurteilt werden.

Nadelöhr als Zufahrt

"Die Zufahrt zu besagtem Grundstück ist nach einer 90-Grad-Kurve teilweise nur drei Meter breit. Wie soll hier einerseits die Altlastenentsorgung stattfinden und wie soll neben den Betonmischwägen auch im Notfall einmal eine Feuerwehr zufahren?", macht sich Madgalenz Sorgen und führt weitere Zweifel an: "Es sind keine Besucherparkplätze geplant. Weder am Grundstück noch in der näheren Umgebung gibt es Parkmöglichkeiten für die Besucher", betont Magdalenz und ergänzt, dass die nächste Öffi-Haltestelle mindestens 500 Meter entfernt sei. "Für uns Anrainer entsteht der Eindruck, Geld regiert die Welt und unsere Einwände werden der Bodenvernichtung geopfert. Und Recht wird mit den Füßen getreten, für Anrainer gilt der Maulkorberlass", bedauert sie abschließend.

Dieses zweistöckige Wohnhaus entsteht in der Steingasse 20.
  • Dieses zweistöckige Wohnhaus entsteht in der Steingasse 20.
  • Foto: Kesinovic
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"Viel Unwahres wird behauptet"

Auch der der Bauträger, Mario Kesinovic, meldet sich nun zu Wort, um seine Sicht der Dinge zu schildern: "Es wurden seitens der Anrainer leider Sachen behauptet, die so nicht wahr sind. So ist der Aushub beispielsweise keinesfalls hochgiftig. Der Boden wurde mehrfach geprüft, sowohl vom Land Steiermark und als auch von unseren Gutachtern. Da es früher eine Schotter-Deponie war, in der die Menschen nach dem Krieg auch ihren Restmüll teilweise entsorgten, gibt es teilweise bis zu 30 Prozent bodenfremdes Material. Sollte es zu einem giftigen Aushub kommen, müssen wir strenge Vorkehrungen treffen. Weder für die Anrainer noch für die die zukünftigen Bewohner wird es hier Probleme geben", betont Mario Kesinovic von Immobil Kesinovic.

Fehlende Kompromissbereitschaft

Auch in puncto möglicher Lärmbelästigung haben sich die Anrainer beschwert, diesbezüglich gab es aber öfters Gespräche, in denen Kesinovic beispielsweise betreffend einer gewünschten Lärmschutzmauer einen Konsens finden wollten. Auch sei das Grundstück seit mindestens 20 Jahren bereits Bauland, die Zufahrten für die Zubringer, Baufahrzeuge und Feuerwehren sei geprüft und es sind zwei Besucherparkplätze in der Garage geplant. "Wir haben nicht gemogelt, das wäre gar nicht möglich", sagt Kesinovic, der auch hinzufügt: "Anfangs dachten wir, das Bauamt sei sogar gegen uns, da jede Kleinigkeit sehr genau geprüft wurde. Der Beamte hat äußert detailliert gearbeitet und alles korrekt abgewickelt."

Autor:

Anna-Maria Riemer aus Graz

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