"Gute Chancen"
Neue Angebote für armutsgefährdete Familien in Graz
- Unsichtbare Armut: In Österreich wächst jedes fünfte Kind mit stark eingeschränkten Zukunftsperspektiven auf.
- Foto: Yukon Haughton/Unsplash
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Mit dem Projekt "Gute Chancen" von LebensGroß wurden in Graz neue Angebote für armutsgefährdete Familien mit Kindern von 3 bis 7 Jahren gestartet.
GRAZ. "Ich will mit meiner Arbeit dort unterstützen, wo wirklich etwas gebraucht wird“, sagt Verena Prodinger, die seit September 2025 gemeinsam mit ihrer Kollegin Flora Müller das Projekt "Gute Chancen" der gemeinnützigen Organisation LebensGroß in Graz leitet. Dieses richtet sich speziell an Familien mit armutsbetroffenen Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Kinder gerade in dieser Altersgruppe oft unterversorgt sind", erklärt Müller. Denn für Kinder im Alter bis drei Jahre gibt es mit den "Frühen Hilfen" ein unterstützendes Angebot und danach sei die Schule ein gutes Netz, so die ausgebildete Sozialarbeiterin, die sich um niederschwellige Hilfe für den entscheidenden Zeitraum dazwischen verantwortlich zeichnet.
- Verena Prodinger und Flora Müller sorgen für "Gute Chancen".
- Foto: LebensGroß
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Trauriger Hintergrund: In Österreich gilt jedes fünfte Kind als armutsgefährdet, die Folgen für den weiteren Lebensweg beträchtlich. So erleben armutsgefährdete Kinder nicht nur Ausgrenzungserfahrungen und Benachteiligung am Bildungsweg. Ihnen fehlt oft auch der Zugang zu Freizeitangeboten oder zu Präventionsangeboten in der Gesundheitsversorgung.
Zahlen und Fakten
Als armutsgefährdet gelten in Österreich Menschen, die in Haushalten leben, deren maximales Nettoeinkommen pro Monat folgende Werte nicht überschreitet (Quelle: Statistik Austria 2025).
- Erwachsener: € 1.661
- Erw. und Kind: € 2.159
- Erw. und 2 Kinder: € 2.658
- Erw. und 3 Kinder: € 3.156
- 2 Erw. und Kind: € 2.990
- 2 Erw. und 2 Kinder: € 3.488
- 2 Erw. und 3 Kinder: € 3.986
Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt in der Steiermark bei 2.744 Euro netto. Laut Armutsbericht der Landesstatistik waren 2024 rund 154.000 Steirer armutsgefährdet. Damit liegt die Armutsgefährdungsquote bei 12,5 Prozent (Österreich gesamt: 14,3 Prozent).
Anlaufstellen für Familien
Konkret bietet "Gute Chancen" seit Anfang Oktober ein Eltern-Kind-Frühstück im Stadtteilbüro Reininghaus an. An jedem Dienstagvormittag können Eltern mit ihren Kindern zum informellen Austausch in die Tennenmälzerei kommen. "Und wir werden von Woche zu Woche mehr", erzählt Prodinger, weshalb man auch in der Pfarre St. Andrä demnächst eine Spielegruppe schaffen will.
- In der Reininghauser Tennenmälzerei (Foto während Sanierung entstanden) findet ein wöchentliches Eltern-Kind-Frühstück samt Beratung statt.
- Foto: Stadt Graz/Fischer
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Zudem gibt es bereits die Möglichkeit, sogenannte Einzelbegleitungen in Anspruch zu nehmen. "Wir kommen zu den Familien nach Hause, sprechen über die Herausforderungen und versuchen, Lösungen zu finden", erklärt Müller. Direkte Finanzhilfen kann "Gute Chancen" dabei aber nicht leisten: "Wir sehen unseren Auftrag in der Selbstwirksamkeit. Das bedeutet, es ist unser Ziel, dass Betroffene darin gestärkt werden, vorhandene Unterstützungsangebote zu erkennen und anzunehmen."
- Im Rahmen von "Gute Chancen" ist auch in der St.-Andrä-Pfarre eine Spielgruppe angedacht.
- Foto: Oliver Wolf
- hochgeladen von Stefan Haller
So gehe es nicht darum, Doppelstrukturen zu schaffen, sondern vielmehr Angebotslücken zu schließen und Bewusstsein zu bilden. Denn: "Armut ist nach wie vor unsichtbar, obwohl immer mehr Menschen davon betroffen sind", so Müller. "Mit 'Gute Chancen' greifen wir das Thema auf, ohne Betroffene zu stigmatisieren."
"Gute Chancen" in Graz
Das Projekt startete im November 2023 in der Süd-Weststeiermark. Mit Anfang 2025 wurde es auf den Bezirk Graz-Umgebung ausgeweitet. Mittlerweile ist das Team auch in Graz aktiv. Finanziert wird "Gute Chancen" vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Pflege, Gesundheit und Kosumentenschutz.Weitere Infos: www.lebensgross.at/gute-chancen
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