13.12.2017, 11:00 Uhr

Wiener Schmäh in der Murmetropole: Graz persönlich mit Herbert Granditz

Der Schmähführer vom Dienst denkt nicht an den Ruhestand: Vollblut-Kabarettist Herbert Granditz steht im Jänner wieder mit "Zwergerl-Aufstand" auf der "Kleinen Bühne im Gösser Bräu". (Foto: Prontolux)

Hippo-Freund, Maler, Musiker, Kabarettist und Herzens-Grazer: Ein pointenreicher Talk mit Herbert Granditz.

Zwergerl-Aufstand in Graz? Keine Panik, große Menschen müssen sich jetzt nicht fürchten, hierbei handelt es sich nur um den Titel des neuen Kabarettprogrammes von Herbert Granditz. Seit Ende November und noch bis April ist der umtriebige Schmähführer wieder auf der "Kleinen Bühne im Gösser Bräu" zu erleben und feuert dabei in bewährter Manier Pointen ohne Ende ab.
Von Müdigkeit keine Spur beim 79-Jährigen, der im nächsten Jahr gleich zwei runde Geburtstage zu feiern hat. "Ist ja keine große Sache, aber ich bin dann 60 Jahre als Künstler aktiv", sagt der Tausendsassa bei einem gemütlichen Mittagessen im Gösser Bräu.

Wenn die Kuh stört

Dabei war die Karriere als Kabarettist beim gebürtigen Wiener alles andere als vorgezeichnet. "Schon während der Schulzeit bin ich als Schlagzeuger aufgetreten, habe in Jazz-Clubs gespielt und bin mit 19 Jahren mit dem Wiener Börsen-Kabarett ,Das kleine Brettl‘ volley auf Tournee gegangen." Ein breites Grinsen macht sich auf seinem Gesicht breit, wenn er an seinen ersten Musik-Auftritt zurückdenkt.
"Wir hatten einen Auftritt auf der Kärntner Holzmesse. Gespielt haben wir dann zwischen Fleckvieh- und Heimgarten-Ausstellung, stets begleitet durch Muh-Geräusche. Nach fünf statt 14 Tagen war das Engagement beendet."

Drei Lauser auf Tournee

So wie Granditz heute über diese Geschichte lachen kann, so herzhaft prusten seine Anhänger seit Jahrzehnten, wenn der bekennende Grimassen-Schneider die Bühne betritt. Mittlerweile tritt "Granderl", wie ihn die Fans nennen, meist allein auf, am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn war das noch anders. "Ich war Mitbegründer der Heurigen-Kabarett-Gruppe ,Die drei Lauser‘, wir waren überall unterwegs, von München, Berlin bis nach Stuttgart."

Nach Graz der Liebe wegen

Nach Graz hat es den Tausendsassa, der zwischendurch sogar eine eigene TV-Sendung hatte, dann Anfang der 70er-Jahre gespült, weggegangen ist er nie mehr. Der Grund? "Wir hatten als Lauser einen Zweijahresvertrag unterzeichnet. Zehn Tage, bevor ich die Stadt für immer verlassen wollte, habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Da war mir klar, auf sie will ich nie mehr verzichten."
Seine Liebe zur Stadt, zu Land und Leuten ist auch heute noch groß. "Ich bin sozusagen ‚styrianisiert‘ worden. Die Mentalität der Grazer und Wiener ist schon sehr verschieden, das fängt ja schon beim Autofahren an."
Gut gefahren ist Granditz auch mit seinen zahlreichen Engagements in der Murmetropole, ganz egal, ob zu Beginn im "Futtertrögl" in der Keesgasse, satte 25 Jahre im Landhauskeller oder seit drei Jahren im Gösser Bräu. "Ich bin meiner Linie immer treu geblieben."

Gegen die Tomaten-Kultur

Wenn es um die Zukunft seiner Zunft geht, wird der um keine Wuchtel verlegene Träger des Großen Ehrenzeichens des Landes ernst. "Ich bin einer der letzten, der noch klassisches Kabarett spielt. Heute nennen sich ja alle Comedians, die können aber mit der Sprache nicht umgehen."
Als Österreicher mit Leib und Seele will Granditz für die Rettung der Sprache eintreten. "Ich bin so etwas wie Don Quijote: Eine Tomate gibt’s bei mir nicht, das heißt Paradeiser." Mit der Sprache in den Programmen zu spielen, gehöre zur hohen Kunst des Kabaretts.

Hippos als Haustiere

Wortspiele und lustige Sprüche gibt es bei Granditz aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Buchform. "In Kürze kommt mein 14. Buch heraus. Ideen für weitere Werke habe ich noch genug."
Daneben betätigt sich der Autodidakt auch als Leinwandkünstler. "Seit 1976 bin ich auf Hinterglasmalerei spezialisiert, meine Bilder hängen überall, von Kanada bis nach Japan." Stellt sich eigentlich nur mehr die Frage nach einem Weihnachtswunsch: "Ich sammle Nilpferde in allen Varianten und Größen, mittlerweile habe ich schon über 500."

Steckbrief

Geboren 1938 in Wien.
War in seiner Jugend als Schlagzeuger aktiv.
Wurde 1972 zum Wahl-Grazer.
Ist als Kabarettist, Maler und Buchautor aktiv.
Aktuelles Programm: Zwergerl-Aufstand (Info auf www.goesserbraeugraz.at)

WOCHE-Wordrap

Auf der Bühne ... stehe ich, solange ich mich artikulieren kann.
Österreicher ... haben einen einmaligen Schmäh.
Ich schreibe ... fast alle Texte selbst.
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