03.10.2017, 16:12 Uhr

Branchentalk Bildung: Schule der Zukunft

Gesprächsrunde: WOCHE-Medienberaterin Katrine Volkmer, Margareta Petermandl (HLW Schrödinger), Sven Engelsmann (Medienhak), Susanne Herker (KPH Graz) u. WOCHE-Redakteurin Verena Schaupp (v.l.) Konstantinov (4) (Foto: Jorj Konstantinov)

Kreativität und Neugier fördern, lernen durch Projekte, weg mit den Noten – so muss sich der Schulalltag ändern. Die WOCHE hat drei Bildungsexperten zum Gespräch geladen.

Die Bildungsreform ist ein heiß diskutiertes Thema, doch wo bleibt die Umsetzung? Die WOCHE hat drei Experten an den Diskussionstisch gebeten: Susanne Herker, Leiterin des Instituts für innovative Pädagogik und Inklusion an der KPH Graz, Margareta Petermandl, Direktorin der HLW Schrödinger, und Sven Engelsmann, Direktor der Medienhak, sind sich einig: Die Schule der Zukunft sieht anders aus.

Wirtschaft braucht Neugier

„Wie die Wirtschaft in zehn Jahren ausschaut, weiß keiner. Aber was sie braucht, sind flexible und lernbegierige Menschen, die vielseitig sind und einen offenen Horizont haben“, sagt Petermandl. „Ich will, dass die Schüler neugierig sind und Lust haben, zu lernen. Dazu gehört vor allem Querdenken. Vernetzung von Theorie und Praxis ist auch wichtig.“ Susanne Herker stimmt der Direktorin zu und meint, dass zunächst ein Fokus entstehen müsse, wie Kinder überhaupt lernen: „Das ist immer eine subjektive Sache. Fest steht, Reproduktion und Auftragsarbeit sind nicht mehr zeitgemäß.“


Schule des Fragens

So ist allen drei Pädagogen wichtig, die Eigenaktivität der Kinder zu erhalten: „Ohne diese lernt ein Kind ja auch nicht gehen. Man muss ihre Kreativität fördern und sie dazu anregen, Fragen zu stellen“, meinen die Experten. Die „Schule des Fragens“, in der Kinder durch Gruppen- und Projektarbeiten selbstständig Fragen ausarbeiten, die sie interessieren würden, so sehen die drei die Zukunft der Bildung.
„Arbeitsteilung braucht man auch später einmal im Beruf und Projektarbeiten fördern dieses selbstständige und aufgabenorientierte Denken“, ergänzt Herker.


Flexiblerer Unterricht

Dazu zählen auch längere Unterrichtseinheiten. „Wenn man fächerübergreifend arbeitet oder Projekte angeht, wären längere Unterrichtseinheiten von 90 Minuten sinnvoller, um sich auf die Projekte einlassen zu können“, so Petermandl.
Eine Flexibilität wünsche sie sich auch für die Verteilung der Stunden an die Professorinnen und Professoren. „Manche ältere machen lieber mehr Organisatorisches, manche andere können noch länger in Klassen stehen – ich müsste als Direktorin so und so viele Stunden vergeben können, flexibel nach Projekten. Unser System geht vom vorigen Jahrhundert aus.“

Schule 2.0

Dass das Zentrale nicht mehr das „in der Klasse stehen“ ist, sondern die Interaktion, meint auch Sven Engelsmann. In seiner Schule werden zudem digitale Medien verstärkt als unterstützende Unterrichtsmittel herangezogen.
„Vokabel lernen können Kinder mit einem Gamingspiel oder einer Lernsoftware. Dann haben sie die Grundlagen, und man kann mit komplexeren Lerninhalten weitermachen.“ Wobei ihm wichtig ist, zu betonen: „Das Menschliche in dem Rausch des Digitalen muss bleiben. Face-to-Face-Kommunikation in der Schule ist wichtig.“
Mit den Informationen, die über neue Medien gespielt werden, richtig umgehen zu lernen, diesen Bildungsauftrag müssen Schulen allerdings erfüllen, meint Petermandl: „Manche Kids verwachsen mit ihrem Handy. Konzentration müssen wir heute anders lernen als vor zehn Jahren.“


Arbeitsräume fehlen

Ein weiterer Punkt, der die drei Experten beschäftigt, ist der mangelnde Raum in Schulen. „Der Raum ist der dritte Pädagoge“, so Herker. „Wir brauchen mehr Räume und mehr Platz für Besprechungen, damit diese nicht nur zwischen Tür und Angel passieren“, so Petermandl.

Zwei Lehrer und Ganztagsschule

Nicht neu ist das Thema des Zwei-Lehrer-Systems, das ebenso zur Sprache kommt. „Dies wäre viel effizienter, um sich besser auf die einzelnen Schüler einzustellen“, so Engelsmann.
Auch die Ganztagsschule thematisieren die Experten: „Eine Ganztagsschule ja, aber danach muss Schluss sein für die Kinder und auch die Lehrenden“, sagt Engelsmann. Herker fügt hinzu: „Es ist nicht der Sinn, dass die Kinder in der Schule erfahren, welche Aufgaben sie nach der Schule zuhause lernen sollen. Dies sollte alles in der Schule abgewickelt werden.“


Schule als notenfreier Raum

Auch das notenfreie System von Ländern wie Finnland befürworten Engelsmann, Petermandl und Herker: „Schule muss beurteilungsfreier Raum sein. Niemand steht gern die ganze Zeit unter Bewertung.“ Die Conclusio: „Die zukünftige Schule muss anders und positiver wahrgenommen werden.“
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