14.11.2016, 11:01 Uhr

Wann ist ein Mann ein Mann?

Robert Gamel sprach mit der WOCHE über Rollenbilder, und wie diese auch für Männer zur Herausforderung werden können.

Anlässlich des Internationalen Männertages am 19. November hat die WOCHE nachgefragt. Vor welchen Herausforderungen stehen Männer in der heutigen Zeit?

Stark, ausdauernd, erfolgreich, tapfer - Attribute, die für Männlichkeit stehen? Doch treffen diese Rollenbilder in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch zu? Wenn Machos out sind, Softies aber nicht in - was sind dann die Anforderungen an einen Mann? Und vor welchen Herausforderungen und Problemen steht er?
Zum Internationalen Männertag am 19. November, hat sich die WOCHE mit Robert Gamel, Standortleiter der Männerberatung Hartberg-Fürstenfeld zum Gespräch getroffen.

Mann ist kein Kollektiv

Die Sichtweise vom "typischen Mann" hätte sich schon deutlich geändert. Denn so wie es auch unterschiedliche Männer gibt, gibt es natürlich auch unterschiedliche Männlichkeiten, die gelebt werden, betont Robert Gamel. "Das ist etwas ganz individuelles und es geht auch immer darum, wie sehe ich mich selbst und wo finde ich mich in der Gesellschaft wieder."
Das heutige Männerbild sei auch in einzelnen Beratungen immer wieder Thema mit dem Männer hadern. Denn neben dem traditionellen Bild, vom Geldverdiener und Familienerhalter möchten viele Männer auch die Anforderungen eines guten, liebenden Vaters und Ehemannes auf Augenhöhe mit seiner Frau erfüllen. Dieser Spagat scheint nicht immer einfach. "Doch diese Herausforderungen betreffen ja nicht nur Männer. Auch Frauen wollen sich sowohl im Berufsleben, als auch als Mutter beweisen."
Was jedoch auffällt ist das Tabu, mit dem die Hilfesuche eines Mannes noch immer behandelt wird. "Das hängt auch stark von dem Themen ab. Umso sozialer akzeptierter das Thema ist, desto leichter redet man(n) darüber." Dabei spricht Gamel vor allem das Thema Gewalt an. Neben Beziehungskonflikten, Scheidung und sexuelle Orientierung, ist auch die selbst ausgeübte oder erfahrene Gewalt ein häufiges Thema der Beratungsgespräche.
Dass Männer selbst Opfer von Gewalt sind, wird bei Beratungsgesprächen meist nur am Rand erwähnt. "Die Scham darüber scheint zu groß. Doch Gewalt muss nicht Privatsache sein", so Gamel.


Vernetzung ist wichtig

Neben Information und Beratung bietet die Männerberatung auch Psychotherapie. "Steiermarkweit haben sich 2015 rund 1.000 Personen an uns gewandt." - Die Tendenz ist steigend. Der jährliche Zuwachs beträgt rund 5 Prozent.
Den Grund dafür sieht Gamel darin, dass Männer in Krisen männliche Experten suchen. Auch in ländlichen Regionen. In Hartberg fanden 2016 bisher 150 persönliche Beratungen statt. "Das mag auf den ersten Blick nicht sonderlich viel erscheinen. Allerdings muss man bedenken, dass wir auch keine Vollzeitstelle sind."
Drei Mitarbeiter stellen das Team der Männerberatung Hartberg-Fürstenfeld. Neben Roberat Gamel (Sozialarbeiter) sind das Jurist Christian Neuhold und Psychotherapeut Bernd Eilbauer. Eine Vernetzung und intensive Kooperation mit Behörden, Polizei, Gewaltschutzzentrum und anderen Einrichtungen sei äußerst wichtig.
Den internationalen Männertag sieht Robert Gamel als wichtigen Tag, um über Rollen und das Mann- bzw. Frausein zu reflektieren und sich seinen eigenen Wünschen diesbezüglich bewusst zu werden. Konstruktive Lösungen statt Geschlechterkampf sind das Ziel.

Details:

Männerberatung Hartberg, Rotkreuzplatz 2/1. Stock, Eingang Finanzamt.
Telefonische Kontaktaufnahme: Mo/Mi 10 bis 12 Uhr, Di/Do 16 bis 18 Uhr.
persönliche Termine nach Vereinbarung, Tel: 0316 831414 oder beratung@maennerberatung.at
Infos auf www.vmg-steiermark.at
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