Sexualisierte Gewalt
Internationale Netzwerktagung Gewaltprävention und Opferschutz

Schulterschluss gegen sexualisierte Gewalt: Hans-Peter Seewald (Landeskriminalamt), Eva Pawlata (Gewaltschutzzentrum Tirol), Frauenlandesrätin Gabriele Fischer und Doris Stauder (Frauen gegen Vergewaltigung).
  • Schulterschluss gegen sexualisierte Gewalt: Hans-Peter Seewald (Landeskriminalamt), Eva Pawlata (Gewaltschutzzentrum Tirol), Frauenlandesrätin Gabriele Fischer und Doris Stauder (Frauen gegen Vergewaltigung).
  • Foto: Land Tirol/Sidon
  • hochgeladen von Laura Sternagel

INNSBRUCK. Die 23. Internationale Netzwerktagung Gewaltprävention und Opferschutz findet vom 8. bis 10. Mai im Großen Saal des Landhauses in Innsbruck statt.

„Sexualisierte Gewalt ist Machtausübung und Grenzüberschreitung“, stellt Frauenlandesrätin Gabriele Fischer klar. Diese beginnt bei alltäglichen Belästigungen wie Anstarren, Hinterher-Pfeifen, sexistischen Witzen und Sprüchen, Homophobie, pornographischen Darstellungen, anzüglichen Bemerkungen, unerwünschten Körperkontakt, Annäherungsversuchen, sexuell herabwürdigenden Gesten und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts – schwere Formen sexualisierter Gewalt sind Vergewaltigungen, sexueller Missbrauch, Frauenhandel, Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung. „Tatsache ist: Sexualisierte Gewalt basiert immer auf gesellschaftlichen Strukturen, die Machtunterschiede zulassen. Aus diesem Grund braucht es zur Prävention von sexualisierter Gewalt auch einen institutionellen Gewaltschutzplan“.

Gewaltprävention in Tirol

Für den Tiroler Gewaltschutzplan „Sozialer Nahraum“ wird derzeit die IST-Situation in Tirol hinsichtlich Gewaltprävention und Gewaltschutz erhoben. Darauf basierend werden Handlungsempfehlungen und weitere Maßnahmen entwickelt. In den vergangenen zwei Jahren wurde das Budget für Gewaltprävention um über 75.000 Euro erhöht, so LRin Fischer. Darüber hinaus werden Frauen- und Mädchenberatungsstellen mit jährlich insgesamt über 205.000 Euro gefördert.

Enge Vernetzung der befassten Einrichtungen

Gemeinsam mit dem Land Tirol veranstaltet das Gewaltschutzzentrum Tirol die 23. Internationale Netzwerktagung Gewaltprävention und Opferschutz. „VertreterInnen aus den Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Liechtenstein können sich dort auf professioneller Ebene über rechtliche Entwicklungen, Neuerungen und Projekte auszutauschen“, erläutert Eva Pawlata, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Tirol. Als Hauptthema der diesjährigen Tagung wurde die sexualisierte Gewalt, mit besonderem Augenmerk auf Hass im Netz, gewählt. „Gewalt und Gewaltprävention betreffen Justiz, Exekutive, Opferschutzeinrichtungen, Einrichtungen der Täterarbeit und auch die Wissenschaft gleichermaßen. Für eine effektive Gewaltpräventions- und Gewaltschutzarbeit braucht es den Schulterschluss aller Beteiligten“, betont Pawlata.

Alarmierende Fakten

Im Jahr 2018 wandten sich 1.201 von Gewalt betroffene Menschen an das Gewaltschutzzentrum Tirol , in 675 Fällen (56 Prozent) handelte es sich um Gewalt in der Partnerschaft – dabei kommt es auch häufig zu einer Form der sexualisierten Gewalt. „Diese Fakten sind mehr als alarmierend. Die Gesellschaft, die durch ihr patriarchales System ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen begünstigt und damit Gewalt an Frauen unterstützt, ist gefordert, professionelle Maßnahmen zu setzen, die geeignet sind, sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen zu minimieren und den Opfern jene Unterstützung zu geben, die sie brauchen“, betont Doris Stauder, Geschäftsführerin des Vereins Frauen gegen Vergewaltigung. Das Internationale Netzwerktreffen sei daher eine wertvolle Gelegenheit, sich auf professioneller Ebene auszutauschen, voneinander zu lernen und von Ideen und deren Umsetzung in anderen Ländern zu profitieren.

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