13.12.2017, 14:24 Uhr

Eine musikalische Weihnachtsbrücke

(Foto: Militärkommando Tirol)

Wie Soldaten der Militärmusik Tirol Gefangene beschenkten
Von Martin Frank Riederer OPraem

Unsere Gefängnisse sind voll mit Menschen, auch vielen jungen, die Mist gebaut haben in ihrem Leben. Wer vereinbarte Bedingungen des Miteinanders nicht einhält, wer das Gesetz bricht, wer Böses tut und Schaden zufügt wird bestraft. Die Freiheit kostet es und damit auch die gewohnten Verbindungen. Verbrecher, Diebe und Vergewaltiger, Schläger, Erpresser und Mörder sperren wir ein. Nicht um sie endgültig zu vernichten. Wir tun es mit der Hoffnung und dem Respekt vor ihrer Würde, die ihnen die Chance geben will nachzudenken, zu bereuen und neu zu beginnen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Auch derjenige, der die Würde eines anderen Menschen zutiefst verletzt oder diesen sogar umgebracht hat, behält vor dem Gesetz die Würde als Mensch. Nicht immer gelingt das. Leicht fällt es uns und den Gefangenen auch nicht immer. Gefühlsmäßig ticken wir oft anders. Gerade wenn uns - oder einem geliebten Menschen - Unrecht, ja niederträchtige Gewalt zugefügt wurde, dann denken wir schon mal massive Hass-Gedanken. Vernünftigerweise prägten das Gesetz andere Werte als Hass oder Rache – nämlich Werte, die mittelbar mit Weihnachten und unserer christlichen Tradition verknüpft sind.

Weihnachten war am Rand der Gesellschaft

Das christliche Weihnachten erzählt von der Geburt eines Kindes am Rand der Gesellschaft. Geburtsort Stall, weil in der Herberge kein Platz war. Ochs und Esel als einzige Heizkörper. Die Hirten – halbkriminelle Außenseiter - als Pflege- und Hilfspersonal der ersten Nacht. Und doch sollte diese Randerscheinung die Geschichte der Menschheit verändern. Wir zählen die Jahre nach dieser Geburt – vor und nach Christus. Ein Viertel der Menschheit erkennt Gott in diesem Kind. Der Wert jeder einzelnen Person und die Sorge um die Gefallenen, Verirrten und an den Rand gedrängten ist anders seit diesem Kind, seit Jesus von Nazareth.

Niemand kommt ganz an diesem Fest Weihnachten vorbei. Und von der ersten Stunde an war es die Musik, die die Botschaft der Heiligen Nacht am eindrucksvollsten und unvergesslich bekannt gemacht hat. Das Gloria der Engel, der Friedenszuruf an alle Menschen guten Willens, das unbeschreibliche Strahlen mitten in der Nacht – sie werden erst durch die musikalische Unterstützung und Begleitung unvergesslich, berührend schön und zu Herzen gehend.

Weihnachten übersetzt ins Heute

In einer erstmaligen Zusammenarbeit von Militärmusik Tirol und Gefangenenseelsorge der christlichen Kirchen spielten junge Militärmusiker den Gefangenen im Ziegelstadel weihnachtliche Lieder. Dies ist nicht nur ein bedeutender Beitrag des Militärs zu einem schöneren Weihnachtsfest für Gefängnisinsassen. Es ist ein Zeichen von Mensch zu Mensch, eine Geste, die zu Herzen gehen will. Damit sagen die Verteidiger des Landes denjenigen, die Land und Leute von innen geschädigt hatten und ihre Strafe absitzen: Wir haben euch nicht vergessen! Die Aussagekraft der Musik findet ihren Weg über Sinne und Gemüt. Denen hinter den Gefängnismauern wurde zeichenhaft verkündet: Euer Platz in der Gesellschaft steht offen, wenn die Nacht eurer Strafe vorbei ist. Es gibt einen neuen Tag in Achtsamkeit und die Chance zur Versöhnung. Es gibt Frieden und Neu-Anfang. Diese weihnachtliche Botschaft, die gegen den Hass der Straße und die angetrunkene Dummheit an manchem Stammtisch anläutet, haben junge Militärmusiker mit ihrer famosen Begabung verkündet. Dabei hat ihr ergreifendes Musizieren die Mauern des Gefängnisses und die Mauern der Herzen überwunden und die Botschaft der Menschwerdung für Gefangene und Musiker gleichermaßen erfahrbar gemacht. Diese Aktion vom Militärmusik und Gefangenen-Seelsorge hat das Potential auch in den kommenden Jahren zu einer guten und starken Geste der Menschlichkeit und christlicher Tradition zu werden.
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