10.11.2016, 10:31 Uhr

Bei Bögenwirten ist "die Geduld am Ende"

Der Ruf der einstmals beliebten Ausgehmeile "Bögen" hat in den vergangenen Jahren stark unter der Drogenszene gelitten.

Die kriminelle Dealerszene terrorisiert Wirte, Bedienstete und Gäste. Viele Versprechen der Politik wurden bisher "nicht eingelöst".

Seit über zehn Jahren terrorisiert eine zahlenmäßig überschaubare Dealerszene die Stadt. Laut Polizei besteht diese "nordafrikanische Suchtgiftszene" in Innsbruck konstant aus etwa 100 (wechselnden) Personen – in Deutschland werden Mitglieder dieser Szene "Nafris" (nordafrikanische Intensivstraftäter) genannt.

Bögen als "Revier"

Seit sich diese Szene in Innsbruck festgesetzt hat, ist die Bogenmeile an Wochenenden ihr bevorzugtes Aufenthaltsgebiet. Dort lassen sich gut Drogengeschäfte anbahnen und unachtsame Partygänger bestehlen. "Diese Szene macht alles kaputt. Dabei geht es nicht um Herkunft oder Hautfarbe – es geht darum, dass es Kriminelle sind", schildert Daniel Rottensteiner, seit 15 Jahren Lokalbetreiber in den Bögen.

Bespuckt werden ist "normal"

Besonders die hohe kriminelle Energie und das extreme Aggressionspotential der "Nafris" machen ihm, seinen Wirte-Kollegen und deren Personal zu schaffen. Fast überall in den Bögen hätten die Mitglieder dieser Szene Lokalverbot. "Das geht gar nicht anders. Würden wir sie reinlassen, würden sie unsere Gäste bestehlen, Drogen verkaufen oder Streit anzetteln – wir haben genug negative Erfahrungen gemacht", betont der Bogenwirt. Doch diese Klientel des Lokals zu verweisen, ist häufig eine echte Herausforderung. "Beschimpft oder bespuckt zu werden, ist schon fast normal", erzählt Rottensteiner.

Viele offene Versprechen

Dabei sind diese Missstände nicht neu. Bereits vor der letzten Gemeinderatswahl gab es einen "Runden Tisch" zu den Problemen in der Bogenmeile. Dort wurde den Wirten ein Beleuchtungs- und ein Sicherheitskonzept versprochen sowie erhöhte Polizeipräsenz in Aussicht gestellt. "Passiert ist von alledem aber nichts", betonen die Wirte.


Politik zeigt Verständnis

Auf STADTBLATT-Rückfrage zeigen die Sicherheitssprecher der Innsbrucker Parteien durchwegs Verständnis für die Anliegen der Wirte. "Da hat sich eine Lage entwickelt, die man so nicht tolerieren darf. Vor allem das Beleuchtungskonzept muss umgesetzt werden", betont Franz Hitzl (ÖVP). Auch FI-GR Kurt Wallasch hält ein Beleuchtungskonzept für eine "vernünftige Idee". Gleichzeitig plädiert er aber auch an die Wirte, alle Verbesserungsvorschläge der Stadt zu melden: "Wir sind um jeden Hinweis dankbar!" Auch die Grünen fordern Maßnahmen: "Anhand der Meldungen sind wir für eine Neuauflage des Runden Tisches zur Bogenmeile. Bessere Beleuchtung und mehr Personaleinsatz der Polizei sollten dabei nicht die einzigen Maßnahmen bleiben", so GRin Marcela Duftner. Auch GR Helmut Buchacher (SPÖ) will "50 zusätzliche Polizisten und regelmäßige Fußstreifen". Zudem fordert er strengere Abschieberegelungen. "Diese Vorschläge sind heuchlerisch. Das hätte man schon lange machen können. Jahrelang hat diese Regierung die Wirte mit dem Problem allein gelassen", poltert FPÖ-Chef Rudi Federspiel.
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