18.09.2016, 20:48 Uhr

Förderung anstatt Selektion

(Foto: Regionalsport.at)
Innsbruck: Tiroler Tag der Sportpsychologie |

Top Athleten sind in Österreich vorhanden, aber..... . Sie könnten wenn sie dürften!

TIROL/IGLS eh Am Freitag, 16.09.2016, fand der 12. Tiroler Tag der Sportpsychologie im Bildungsinstitut Grillhof in Igls statt. Was einst mit sechs Teilnehmern begonnen hat, ist heute ein angesehenes Symposium, zu dem sich Sportler, Trainer, Psychologen, Therapeuten aber auch Eltern und Vereinsfunktionäre aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien versammeln. Veranstalter und Moderator Dr. Christopher Willis (Mental Excellence) konnte zum Thema „Olympische Spiele und dann?… Schlussfolgerungen für die Arbeit mit Nachwuchssportlern!“ hochkarätige Referenten gewinnen.

Im Zuge dieser Veranstaltung wurde der sportpsychologische Nachwuchspreis BÖP/tisport 2016 verliehen. Er ging an Elisabeth Weinschenk, für ihre außerordentliche Arbeit als Sportpsychologin. Außergewöhnliche Menschen würde es mehr in höheren Ebenen brauchen, damit nicht bis zu acht Generationen Nachwuchssportler innerhalb einer Amtsperiode verheizt würden.

Sehr emotional berichtete Kate Allen über ihren Weg von Australien nach Österreich und zu ihrer Olympia Medaille. Manch Teilnehmer konnte sich nur schwer eine Träne verdrücken. In ihrer Erzählung wurde schnell klar, dass das Wichtigste um großes zu Erreichen, die absolute Liebe zu dem was jemand gerne tut ist. Kate Allen machte Sport um zu gewinnen, sie machte überhaupt alles um zu gewinnen. In Österreich wurde sie dafür kritisiert, sie ließ sich aber nie von ihrem Weg abbringen. Kate Allen holte sich ihre Motivation und ihr Selbstvertrauen aus der Liebe zur Bewegung und dem Wissen, dass sie darin gut war. Rückblickend und mit dem Wissen von heute, wäre sie froh um einen Sportpsychologen nach ihrem Sturz kurz vor Olympia gewesen. Das alles ohne professionelle Hilfe zu schaffen, nicht aufzugeben und weiter zu kämpfen, das muss einem Menschen in die Wiege gelegt sein. Das schaffen nicht viele, da waren sich alle Experten einig.

Eine Kernaussage des Tages war, es ginge nicht darum Sportler, Kinder oder Jugendliche zu selektieren, sondern Talente zu fördern und Persönlichkeiten zu entwickeln. Wichtig sei zu dem die finanzielle Absicherung der Athleten. Was nützen die innovativsten Trainingsgeräte, wenn ein Sportler nicht weiß, wie er das nächste Monat seine Miete bezahlen soll. In Australien ist das gesamte Schulsystem auf Sport und Förderung ausgelegt. Jedes Kind hat die Chance, in jeder beliebigen Sportart Profi zu werden. Es muss jedoch jedem Beteiligten klar sein, dass dann eine traditionelle Kindheit, wie wir sie kennen, nicht mehr möglich ist. Generell jedoch, sollte an den Österreichischen Schulen mindestens eine Stunde Sport täglich ausgeübt werden. Zum einen, weil Bewegung gesund ist, zum anderen weil Kate selber erfahren hat, wie leicht Integration durch Sport passiert.

Die aktuelle Situation nach den Olympischen Spielen ist nicht wertschätzend den Sportlern gegenüber, zeigt sich Violetta Oblinger-Peters (Wildwasser-Kanuslalom-Athletin aus Schärding) traurig. Denn das sind Athleten, die seit Jahren nichts anderes tun, als zu trainieren um die Qualifikation zu erreichen. Das alleine stellt schon eine herausragende Leistung dar.
Die Art und Weise wie nach einer „vermeintlichen Niederlage“ mit ihnen umgegangen wird, zeichnet den künftigen Athleten ein trauriges Bild und keiner mag beurteilen, wie sich das auf die Psyche niederschlägt. Dr. Willis stellte die Frage, warum Handyspiele so gut ankommen? „Weil die Hersteller auf die Kinder eingehen!“

Leider sind immer noch viele Entscheidungsträger im Sport der Meinung, dass Sportpsychologie unwichtig ist. Eva Dollinger (Triathletin aus Angath) sagte dazu, es müsse öffentlich gemacht werden, wie wichtig die Psychologie ist und je früher Athleten mit der sportpsychologischen Betreuung beginnen, umso effektiver können sie zum Beispiel bei Olympia aus einem vollen Werkzeugkoffer an Instrumenten schöpfen.

Vom ersten Tag seiner Skispringerkarriere an kam Toni Innauer (Thaur) in den Genuss von Menschen, denen nicht nur die Resultate wichtig waren. Damals wusste niemand, dass gewisse Strategien der Psychologie entstammen. Sportpsychologie hat seiner Meinung nach viel mit Kultur zu tun. Wenn der Trainer, Direktor oder Funktionär voll und ganz hinter der Sache steht, dann kann Großes gelingen.

Ganz gut beschrieb Roswitha Stadlober (Skirennläuferin aus Radstadt) was gegeben sein muss: „So wie das Olympische Feuer brennt, so muss das Feuer im Sportler und allen Beteiligten brennen. Und meine abschließende Frage, ist Hochleistungssport überhaupt wichtig?“ Toni Innauer zum Abschluss: „Solange gewisse Rahmenbedingungen nicht gewährleistet werden können, brauchen bestimmte Sportarten keinen Hochleistungssport.“
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.