24-Stunden-Betreuung
"Es braucht einen gesellschaftlichen Diskurs"

Bgm. Stefan Jöchl, Birgit Bätz, Obmann Sebastian Eder, Bernhard Weicht und Melanie Hutter.
  • Bgm. Stefan Jöchl, Birgit Bätz, Obmann Sebastian Eder, Bernhard Weicht und Melanie Hutter.
  • Foto: Brigitte Eberharter
  • hochgeladen von Johanna Schweinester

BEZIRK KITZBÜHEL (be). Die Betreuung und die Pflege von älteren Menschen sind zwei Paar Schuhe. Den Angehörigen, die eine Unterstützung brauchen, ist das oftmals nicht ganz klar. Deshalb hat das Regionalmanagement Regio3 eine Studie in Auftrag gegeben, die die 24-Stunden Personenbetreuung unter die Lupe genommen hat.

Grenzen nicht klar

Den Betreuungsbedarf festzustellen ist keine einfache Sache, weil sich die Nachfrage am freien Markt bedient. In der Wirtschaftskammer sind im Bezirk Kufstein 450 Personen registriert, die Betreuungsarbeit leisten, aktiv gemeldet sind davon 300. Mit 20,6 Prozent über 65-Jährigen ist der Bezirk Kitzbühel ein relativ alter Bezirk und entsprechend höher liegt auch der Betreuungsbedarf.
Bernhard Weicht von der Uni Innsbruck hat zusammen mit Birgit Bätz und einem Studententeam zehn Experten und zehn Angehörige interviewt und sie sind zum Urteil gekommen, dass die Grenzziehung zwischen Pflege und Betreuung derzeit nicht so klar ist. Bei der Betreuung haben die Angehörigen oftmals das Gefühl, dass sie ungerechtfertigterweise noch pflegerische Leistungen extra zu zahlen sind. Weicht erklärte auch, warum derzeit dieses System mit den ausländischen Kräften in der Betreuung existiert. Es hat im Osten von Österreich angefangen, wo Kräfte aus Ungarn und der Tschechei illegal tätig wurden. Jahre später wurde das dann gesetzlich legalisiert, weil man erkannt hat, dass man auf diese Kräfte angewiesen ist. Mittlerweile hat sich jedoch das Lohnniveau in den Nachbarländern gebessert, sodass nun die Betreuungskräfte vorwiegend aus Rumänien nach Österreich gebracht werden. „Dieses System funktioniert nur, wenn die Betreuer aus einem Land mit niedrigem Lohnniveau kommen“, sind sich Weicht und Regio3-Obmann Sebastian Eder bewusst.

Unterbringung Pflegepersonal rasch möglich

Im Alltag sieht es so aus, wie der Reither Bgm. Stefan Jöchl weiß, dass die Angehörigen so lange wie möglich die Betreuung selbst durchführen, doch dann kommt eine Akutsituation, mit der die Menschen überfordert sind. Die Altersheime bieten für solche Fälle keine Alternativen, denn dort gibt es oft lange Wartezeiten. Die Agenturen können relativ rasch eine Betreuung organisieren und mangels Alternativen und der Aussicht auf keine allzu großen Veränderungen, gibt man sich damit zufrieden. Auch wenn es etliche Dinge gibt, die eine starke Belastung darstellen. Zudem gibt es in der Region viele Eigenheimbesitzer, in denen eine Pflegeperson rasch untergebracht werden kann.

Wohnheim für betreubares Wohnen

Da sich die Zahl der älteren Menschen in den nächsten Jahren massiv erhöhen wird, stellt sich die Frage, welche alternativen Formen der Betreuung es geben kann. „Nicht der Pflegeaufwand ist das Problem, sondern die Betreuung. Dass der alte Mensch nicht allein ist“, sagt Eder. Eine Idee dazu wäre ein Wohnheim ähnlich der Lebenshilfe, wo eine Betreuungsperson für mehrere Menschen zuständig ist. Bgm. Jöchl erklärte, dass es in Reith bereits vier kleine Wohneinheiten für betreubares Wohnen gibt und man damit gute Erfahrungen macht. Allerdings stellt sich auch dabei immer wieder die Frage: Was ist noch Betreuung und was ist schon Pflege?
Dafür braucht es klare Regelungen, sind sich Eder und Freiwilligenkoordinatorin Melanie Hutter einig. Denn für sie ist es vorstellbar, dass Freiwillige stundenweise in der Betreuung aushelfen, die dabei über das Freiwilligenzentrum entsprechend versichert sind. Was jedoch unbedingt notwendig wäre, ist den Case Manager, wie es diesen bereits im Brixental gibt. Dieser weiß alle Möglichkeiten, die sich bieten und steht den Familien in Akutsituationen mit Rat und Tat zur Seite.
„Der gesellschaftliche und politische Diskurs über künftige bedarfsgerecht Modelle auf der Basis der gegenwärtigen 24-Stunden Betreuung ist unerlässlich“, fordert Eder

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