100 Jahre Republik
Schicksalstage im Bezirk Kitzbühel: Hochwasserkatastrophen in Kössen

Hochwasser in Kössen am 14. Juni 1959: Mühlbachbrücke beim Sägewerk Raubinger und Mesner. Auf dem Traktor sitzend: Georg Dagn.
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  • Hochwasser in Kössen am 14. Juni 1959: Mühlbachbrücke beim Sägewerk Raubinger und Mesner. Auf dem Traktor sitzend: Georg Dagn.
  • Foto: Gemeinde/Archiv
  • hochgeladen von Johanna Schweinester

450 Haushalte und 1.000 Personen von Überschwemmung betroffen

KÖSSEN (jos). Der 2. Juni 2013 hat sich wohl für die meisten Kössener Bürger als schwerer Schicksalstag in die Köpfe gebrannt. Sind die Spuren heute längst beseitigt, sitzt der Schmerz des Verlustes und der Enttäuschung immer noch tief. Die Gemeinde wurde nämlich vor fünf Jahren von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Doch auch in ferneren Tagen wurde die Ortschaft immer wieder Opfer massiver Naturkatastrophen.

Folgenschwere Überschwemmung

In der Nacht auf den 2. Juni 2013 mussten viele Kössener um ihr Hab und Gut bangen: Nach tagelangen Regenfällen trat die Großache über die Ufer. Noch in den nächtlichen Stunden wurden zahlreiche Personen aus ihren Häusern evakuiert und in die Sporthalle gebracht, wo sich das Rote Kreuz um sie kümmerte. Einige entschieden sich jedoch, in den Häusern zu bleiben und die Katastrophe auszuharren. Der Katastrophenschutzalarm wurde ausgelöst und somit der Notstand in der Gemeinde ausgerufen. Das Wasser drang, teilweise kontanimiert mit Erdöl aus den Öltanks, in die Keller der Wohnhäuser im Dorfzentrum. Noch erheblicher in Mitleidenschaft wurde der große Ortsteil "Erlau" gezogen - Wasserstände bis über 1,50 Meter in den Häusern der Siedlung waren hier keine Seltenheit. Insgesamt mussten 300 Menschen evakuiert werden - teils auch mit Booten und Hubschraubern.
Ein Blick in den Ort vom 1. auf den 2. Juni ließ alle Hoffnungen der Bewohner untergehen: Das Stromnetz war ausgenommen in den Ortsteilen Mooslenz und Bichlach unterbrochen, die Telefonleitungen waren ebenfalls bis Montagnachmittag tot. Sandsäcke, aufgestapelt vor den Kellerfenstern und Haustüren, konnten die Wassermassen nicht mehr aufhalten. Der Ort wurde komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Großache erreichte am 2. Juni mittags einen Höchsstand von 3,57 Meter.


Rettung naht

In den darauffolgenden Tagen kamen verschiendene Hilfsorganisationen, Feuerwehren, das Bundesheer und auch zahlreiche Privatpersonen nach Kössen, um den Betroffenen unter die Arme zu greifen. Vielzählige Benefizveranstaltungen wurden in Tirol und über die Landesgrenzen hinaus abgehalten, um die vom Schicksal gezeichnete Gemeinde und deren Einwohner auch finanziell zu unterstützen. Monatelang wurden in den Häusern die feuchten Wände getrocknet und die zerstörten Besitztümer entfernt. Die Schäden beliefen sich in manchen Haushalten auf einen sechsstelligen Betrag.
In Folge der Hochwasserkatastrophe 2013 wurden die Verbauungsmaßnahmen der Großache zeitlich vorgezogen und bereits abgeschlossen. "Erste Fortschritte gab es bereits in den Jahren zwischen 1908 und 1910. Da wurde das Entenloch (Engstelle der Großache an der Grenze von Kössen zu Bayern, Anm. d. Red.) von drei bis vier Metern auf acht bis zehn Meter Breite gesprengt. Wie man das damals geschafft hat ist mir ein Rätsel", weiß Ortschronist und Alt-Bürgermeister Stefan Mühlberger.

Viele Schicksalstage in Kössen

Kössen wurde nicht nur 2013 Opfer von verhehrenden Umweltkatastrophen. "Auch 1899 und 1912 wurde der Ort überschwemmt. Dabei wurden viele Leute verletzt und einige starben sogar dabei", so Ortschronist Karl Stemberger. Des Weiteren wurde die Gemeinde 1959, 1985 und 2002 von Überschwemmungen heimgesucht.

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