Neustart für Skorpionsiedlung
Schönwies forciert den sozialen Wohnbau

"Skorpionsiedlung": Das umstrittene Wohnprojekt in Starkenbach wurde neu eingereicht.
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  • Foto: Visualisierung Neue Heimat Tirol
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SCHÖNWIES (otko). Die Gemeinde hat das umstrittene Projekt Skorpionsiedlung neu eingereicht. Auch am Konrad-Areal ist ein Wohnprojekt geplant.

"Die Jungen Leute ziehen weg"

Entgegen der üblichen Praxis fand die letzte Sitzung des Schönwieser Gemeinderates nicht im Sitzungszimmer sondern im Gemeindesaal statt. Der Tagesordnungspunkt zur weiteren Vorgehensweise im gemeinnützigen Wohnbau lockte zahlreiche Zuhörer und zeigte zugleich die Brisanz an. "Der soziale Wohnbau ist das Hauptanliegen des heutigen Abends. Wir ein alterndes Dorf und uns hauen die Jungen ab. Es gibt einen große Nachfrage und es muss im sozialen Wohnbau etwas passieren. Wir müssen nun Nägel mit Köpfen machen damit die jungen Leute da bleiben können", eröffnete Bgm. Willi Fink (SPÖ) dies Diskussion.

Scheitert am Naturschutz

In Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Wohnbauträger Neue Heimat Tirol (NHT) möchte die Gemeinde ein Projekt in den Bichlifeldern im Ortsteil Starkenbach umsetzen. Geplant sind dort 17 Wohneinheiten. Allerdings machte der geschützte Euscorpius germanus, besser bekannt als Alpenskorpion, den Intentionen ein Strich durch die Rechnung. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz des naturschutzrechtlichen Verfahrens verlor die Gemeinde.  Die Behörde sah trotz Ausgleichsmaßnahmen den Lebensraum des Alpenskorpions gefährdet. Ein negativer Naturschutz-Bescheid war die Folge. Bei der Verhandlung hatte das Landesverwaltungsgericht dem Vorhaben zudem das öffentliche Interesse abgesprochen.

Strategische Umweltprüfung

Nun gibt es aber einen erneuten Anlauf. "Wir haben das Projekt Skorpionsiedlung komplett neu eingereicht und es liegt derzeit in Innsbruck", ließ der Dorfchef aufhorchen. Auch die anwesenden Vertreter der Neuen Heimat Tirol zeigen sich nach wie vor engagiert. "Wir sind mit Herzblut dabei und haben bereits 20.000 Euro investiert. Die Thematik mit der Lawinengefahr und der Naturschutz haben in Starkenbach detaillierte Planungen erfordert. Leider hat es bisher nicht gefruchtet", betonte NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner.
In Klaus Spielmann, Raumplaner der Gemeinde, informiert über die weitere Vorgehensweise: "Bei der angedachten Siedlungserweiterung in Starkenbach ist im Rahmen des erforderlichen Raumordnungsverfahrens zur Änderung des Örtlichen Raumordnungskonzeptes eine „Strategische Umweltprüfung“ (SUP) nach dem Tiroler Umweltprüfungsgesetz durchzuführen." Dabei handele es sich nicht um eine projektspezifische Prüfung, sondern um ein Verfahren, das die zu erwartenden Umweltauswirkungen beleuchtet. Eine SUP sei jedenfalls bei einer Gesamtbearbeitung des Örtlichen Raumordnungskonzeptes oder des Flächenwidmungsplanes durchzuführen. "Im gegenständlichen Fall vertritt die Abteilung Bau- und Raumordnungsrecht im Amt der Tiroler Landesregierung (Aufsichtsbehörde im Raumordnungsverfahren) die Ansicht, dass eine SUP auch bei der Änderung des ÖRK durchzuführen ist. Einen zentralen Teil der SUP bildet dabei der Umweltbericht, der von der Gemeinde für sechs Wochen öffentlich aufzulegen ist und zu dem Stellungnahmen eingebracht werden können", so Spielmann.

Grundsatzbeschluss gefasst

In der Sitzung befasste sich der Gemeinderat auch mit einer Ersatzfläche. Parallel zur Skorpionsiedlung soll am Konrad-Areal, das sich in Besitz der Gemeinde befindet, ein Wohnprojekt der Neuen Heimat Tirol gestartet werden. Dazu wurde ein mehrheitlicher Grundsatzbeschluss gefasst. Dort sollen 29 Wohneinheiten entstehen. Ob es Miet-, Miet-Kauf- oder Eigentumswohngen werden ist aber noch offen. Der Gemeinderat muss erst noch einen Beschluss fassen, ob das Grundstück an die NHT für 351.642 Euro (103 Euro pro Quadratmeter) verkauft wird oder ob es ein Baurecht für 50 Jahre gibt.

Kein Grundstücksmakler

"2016 haben wir eine große Erwartung geweckt und es ist nur Frustration übriggeblieben. Wir wissen aber immer noch nicht, was wir wollen", stellt GV Peter Raggl (Liste Für Schönwies) in der Diskussion fest.
Für Peter Bartl (Bürgerliste) wäre die Splittung des Konrad-Areals in ein Haus mit Eigentum und ein Haus mit Miete eine gangbare Lösung.
Gegen die Vergabe stimmte GR Hanspeter Hamerle (Liste Für Schönwies): "Die Gemeinde hat genau die Hälfte mehr bezahlt wie die Neue Heimat Tirol. Es gibt auch private Interessenten." Allerdings ist die NHT beim Preis des Grundkaufs an Richtlinien gebunden.
"Der Bedarf nach Wohnungen ist jedenfalls gegeben. Die Gemeinde ist kein Grundstücksmakler und wir müssen leistbares Wohnen anbieten", so Bgm. Willi Fink abschließend.

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