Beruf mit Seltenheitswert
Junger Glasmacher beendet seine Lehrzeit in Neuberg

Valentin Wölflingseder aus Breitenstein am Semmering ist Glasmacher. Gelernt hat er diesen seltenen Beruf in der Kaiserhof Glasmanufaktur in Neuberg an der Mürz.

NEUBERG. Er war der einzige seiner Art in ganz Österreich: Die Rede ist von Valentin Wölflingseder. War, denn der 22-Jährige aus Breitenstein am Semmering hat seine Lehre zum Glasmacher in der Kaiserhof Glasmanufaktur in Neuberg an der Mürz jetzt erfolgreich abgeschlossen. Er war bundesweit der Einzige, der die Lehre zum Glasmacher in den vergangenen Jahren absolviert hat.

In der Glashütte im ehemaligen Zisterzienserstift Neuberg haben Mönche schon im Jahre 1580 eine Glasbläserei betrieben.
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In der Glashütte im ehemaligen Zisterzienserstift Neuberg haben Mönche schon im Jahre 1580 eine Glasbläserei betrieben. Seit 2010 leitet der gebürtige Salzburger Andreas Hafner die Glasmanufaktur samt Schauräumen und Glasmacherkursen. Gelernt hat Valentin ebenfalls von einem Valentin – von Valentin Strete. Er stammt aus Siebenbürgen in Rumänien, wo das Glasmachen eine uralte Tradition ist.

Das Glasmachen

Für das Glasmachen nehme man eine Glasmacherpfeife, Quarzsand, Kalk, Pottasche und Natriumcarbonat und versuche mithilfe des bis zu 1.200 Grad heißen Ofens Rohglas zu Objekten und Skulpturen zu formen. Als Hilfsmittel können Zangen, Scheren, Pinzetten und andere Hilfsmitteln eingesetzt werden. Klingt alles andere als einfach. Und so ist es auch, wie Valentin Wölflingseder auch noch nach seiner Lehre weiß.

Gelernt hat Valentin Wölflingseder das Glasmachen von Valentin Strete.
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"Der Chef sagt immer: 200 Jahre wären für eine gute Lehrzeit genau richtig. Alles kann man nie. Es gibt so viele Techniken, die man in einem Leben gar nicht erlernen kann. Aber wenn man einmal die Materie und das Glas versteht, kann man schon sehr viel machen."
Valentin Wölflingseder, Glasmacher 

Auf die Idee, den Beruf des Glasmachers zu erlernen, kam Valentin Wölflingseder, durch eine Freundin. "Ich habe in veschiedene Beruf wie Automechaniker, Koch oder Kellner reingeschnuppert. Das hat mir alles keine Freude bereitet", sagt der 22-Jährige. Nach einem Besuch in der Kaiserhof Glasmanufaktur und der Netflix-Serie „Blown Away“ war es um Wölflingseder geschehen.

500 Mal Steirerspatz

Der junge Glasmacher kann sich noch ganz genau an die Anfänge seiner Lehrzeit erinnern, wo es erst einmal um viel Zusehen ging. "Das Drehen der Glasmacherpfeife ist zu Beginn eine Herausforderung. Tempo und die Regelmäßigkeit der Drehungen müssen perfekt passen. Langsam lernt man, wie sich das Glas bei unterschiedlicher Temperatur verhält", erklärt Wölflingseder.

Das erste Werkstück von Valentin war übrigens ein Steirerspatz – wie dieser hier.
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Sein erstes Werkstück war übrigens ein Steirerspatz. "Bis er so aussieht, wie er aussehen soll, hat es lange gedauert. Ich schätze, es waren 500 Stück, die ich gemacht habe, bis er gepasst hat." Besonders schwierig sei das Arbeiten mit viel Glas auf der Glasmacherpfeife und auch dünnwandige Gläser, da hier das Glas schnell abkühle und man wenig Zeit zu arbeiten habe.

Erfahrungen sammeln

Im Juli muss Valentin Wölflingseder zum Bundesheer. Danach möchte er gerne auch in anderen Glashütten dieser Welt, vielleicht in den USA, Erfahrungen sammeln, um möglicherweise eines Tages wieder nach Neuberg zurückzukehren. Und wer jetzt Lust bekommen hat, eine Lehre als Glasmacher zu absolvieren, der kann sich bei Ausbildner Andreas Hafner melden, der gerne wieder einen Lehrling aufnehmen würde.

Im Schaugarten der Kaiserhof Glasmanufaktur: Valentin Wölflingseder, Andreas Hafner und Valentin Strete.
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