"Wir müssen uns etwas trauen"

Bürgermeister Gerald Schmid ist mitten im Prozess Zukunft gestalten: "Das ist kein Wahlkampfgag." Foto: KK
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KNITTELFELD. Technisch gesehen ist Gerald Schmid Altbürgermeister und aktueller Ortschef von Knittelfeld gleichzeitig. Das hängt mit der Fusion und seiner Kommissärstätigkeit zusammen. Im Gespräch mit der Murtaler Zeitung zieht er Bilanz und blickt in die Zukunft.

MZ: Herr Bürgermeister, sind Sie zufrieden mit der Fusion?
Gerald Schmid: Wir haben das unter diesen Umständen so professionell wie möglich durchgeführt. Der Prozess hat über ein Jahr gedauert und es waren alle eingebunden. Es gibt viele positive Auswirkungen wie die ärztliche Versorgung, den Nahversorger oder Wohnbauprojekte in Apfelberg. Deshalb kann ich zufrieden sein.

MZ: Was gefällt Ihnen an Knittelfeld Neu am besten?
Schmid: Die positiven Auswirkungen dieser Synergien. Wir haben jetzt nachweislich mehr Chancen und können Wohnbauprojekte im großen Stil angehen. Das ist ein Grund dafür, warum die Stadt wieder wächst. Wir werden in kurzer Zeit über 13.000 Einwohner haben. Der Trend geht hin zu größeren Zentren - wir sind gerüstet.

MZ: Und wo gibt es in Knittelfeld Aufholbedarf?
Schmid: Bei der Kinderbetreuung. Es gibt ein Manko bei Kleinkindern ab 18 Monaten. Wir arbeiten seit einem halben Jahr an einem Projekt für ein besseres und flexibleres Angebot. Da geht es um die Sicherung der Zukunft.

MZ: Die Stadt steckt mitten in einem Bürgerbeteiligungsprozess - arbeiten viele mit?
Schmid: Wir sind hochzufrieden, es sind über 3.000 Bürger dabei. Laut Experten sind das viel mehr als erwartet. Wir werden jetzt die Möglichkeiten ausloten und dann alles zusammenfügen.

MZ: Wie stellen Sie sich die Innenstadt am Ende dieses Prozesses vor?
Schmid: Es soll eine Verknüpfung von Geschäften, Erlebnis und Kinderbetreuung werden. Wir haben das Bezirksjugendheim in Zentrumsnähe, das könnte man nützen. Es soll eine belebte Begegnungszone werden, ohne Verkehrszeichen und Gehsteige - natürlich barrierefrei. Mir schweben außerdem Eyecatcher und viele Farben vor. Alles im großen Stil. Auch der Hauptplatz wird neu gestaltet. Ich bin überzeugt davon, dass wir gut weiterarbeiten und das gemeinsam schaffen. Wir müssen uns etwas trauen.

MZ: Wann soll es die ersten sichtbaren Ergebnisse geben?
Schmid: Wir wollen heuer bis Jahresende konkrete Maßnahmen haben, dafür haben wir im Sommer durchgearbeitet. Ich lasse mir das auch nicht konterkarieren. Das ist kein Wahlkampfgag. In Wahrheit war es ohnehin schon 5 nach 12.

MZ: Themenwechsel: Knittelfeld hat zurzeit rund 70 Asylwerber. Werden es mehr?
Schmid: Wir haben seit vielen Jahren eine bestehende Einrichtung und die Menschen sind unauffällig integriert. Erst kürzlich haben wir vier Familien dazubekommen. Mich ärgert in diesem Zusammenhang nur die Art und Weise. Wir haben keine Infos bekommen und mussten alles selbst hinterfragen. Das ist genau der falsche Weg.

MZ: Können Sie sich noch mehr Unterkünfte vorstellen?
Schmid: Der Bund hat eine Quote festgelegt, das ist Fakt. Wir haben aber keine freien Bundes-immobilien. Wichtig ist eine gerechte Verteilung. Es ist eine Sauerei gegenüber den Kollegen, wenn man sich wegduckt.

MZ: Die FPÖ hat kürzlich behauptet: „Ältere Menschen trauen sich in Knittelfeld nicht mehr auf die Straße.“ Wie sehen Sie das? (siehe Bericht)
Schmid: Es steht jedem zu, etwas zu behaupten. Aber es bleibt trotzdem eine subjektive Einschätzung. Viel wichtiger ist es, konkret zu handeln. Das habe ich gemacht. Wir haben binnen zwei Monaten Deutschkurse für Kinder ins Leben gerufen. Da sind wir jetzt Vorreiter.

MZ: Für 2015 waren viele Projekte budgetiert - sind alle erledigt?
Schmid: Sie sind teilweise umgesetzt, teilweise noch am Laufen. Das hat damit zu tun, dass wir nach der Wahl erst spät ein Budget erstellen konnten.

MZ: Für Aufregung gesorgt hat die Baumfällung am Kapuzinerplatz ... (siehe Bericht)
Schmid: Das war dringend notwendig, es war Gefahr im Verzug. Es müssen auch weitere Bäume gefällt werden, dafür sind Bescheide nötig.

MZ: Wird nachgepflanzt?
Schmid: Die Stadt hat quasi eine grüne Lunge, natürlich wird das erledigt.

MZ: Zum Abschluss: Knittelfeld ist das größte Zentrum der Region, warum nicht Bezirkshauptstadt?
Schmid: Das war die Entscheidung des Landes. Das Argument der Mitte war ausschlaggebend.

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