Quarantäne trotz Abstand
Trau' keinem Babyelefanten

Der Babyelefant (hier in St. Wolfgang) ist österreichweit zum Symbol für den „lebensrettenden“ Sicherheitsabstand geworden.
  • Der Babyelefant (hier in St. Wolfgang) ist österreichweit zum Symbol für den „lebensrettenden“ Sicherheitsabstand geworden.
  • Foto: fotokerschi.at/Werner Kerschbaummayr
  • hochgeladen von Ingo Till

Trotz Einhaltung aller Corona-Regeln kann die Urlaubsreise direkt in die Quarantäne führen – auch in Österreich. Wie trügerisch die vermeintliche Sicherheit im Heimaturlaub sein kann, erlebte eine junge Familie aus St. Valentin.

ST. VALENTIN/Ö. Urlaub in Österreich: Weit weg von Touristen-Hotspots, vollgestopften Flugzeugen und Strandpartys und ohne die ständige Ungewissheit darüber, sich eventuell nach der Heimkehr in die häusliche Absonderung begeben zu müssen – das dachte sich auch eine junge Familie aus St. Valentin. 

Alles nach Vorschrift

„Gleich beim Eintreffen im Hotel wurde uns ein umfangreiches Covid-19-Präventionskonzept in Papierform übergeben“, erzählt die verheiratete Mutter zweier Kinder – sie möchte anonym bleiben. Teil des angesprochenen Konzepts war der fix zugeteilte Tisch für Frühstück und Abendessen, mit dem vorgeschriebenen Meter Platz zu allen Seiten. Fast allgegenwärtig in der Hotelanlage, der berüchtigte Babyelefant als sympathische Erinnerungsstütze: einen Meter Abstand halten, dann kann nichts passieren.

Babyelefant schützt nur bedingt

„Überall wird kommuniziert, dass ein Meter Sicherheitsabstand reicht. Das Gesundheitsministerium wirbt immer noch mit dem Babyelefanten“, so die junge Mutter. Das gilt auch – aber nicht in jedem Fall. Denn der Babyelefant schützt bei genauerem Hinsehen nur für eine Viertelstunde. Dauert ein „Kontakt“ im gleichen Abstand länger – wie etwa beim Essen in einem Hotel oder Restaurant fast unvermeidlich – so ändert sich die Sachlage. Relevant ist das vor allem für das Kontakpersonenmanagement.

Familie „hohem Infektionsrisiko“ ausgesetzt

„Am Sonntag Abend und Montag Früh saß eine Dame, die in weiterer Folge Corona-positiv getestet wurde, am Nebentisch“ – Der vorgeschriebene und auch im hauseigenen Corona-Präventionskonzept vorgesehene Ein-Meter-Abstand sei stets eingehalten worden, so die St. Valentinerin. Trotzdem wurden alle vier Familienmitglieder als Kontaktpersonen der Kategorie I eingestuft. Heißt: Sie waren per Definition des Gesundheitsministeriums einem „hohen Infektionsrisiko“ ausgesetzt, weil sie sich länger als 15 Minuten mit weniger als zwei Meter Abstand zu der infizierten Dame im selben Raum aufhielten. Ein Absonderungsbescheid von der örtlichen Bezirkshauptmannschafft folgte.

Erst Zimmerarrest, dann Heimquarantäne

Tags darauf wurden Abstriche genommen. Bis zum Erhalt der (negativen) Testergebnisse musste die ganze Familie im Hotelzimmer bleiben. Wiederum einen Tag später war zumindest die Heimreise erlaubt. Die insgesamt zehntägige Quarantäne ist in solchen Fällen aber trotzdem einzuhalten. „Unsere Urlaubsfreude war endgültig vorbei. Auch ein geplanter Wechsel des Hotels nach vier Tagen Bergluft an den Kärntner Weissensee blieb uns verwehrt“, erzählt die Frau, enttäuscht von der Vorgehensweise rund um die, wie sie sagt, „absurde“ Abstandsregelung. 

Probleme für Gaste und Betriebe

Bei der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) ist das Problem durchaus bekannt – auch wenn es bisher noch keine konkreten Beschwerden gegeben habe, wie Gerold Royda, stellvertretender Obmann der WKOÖ-Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, erklärt. Genau so ein Fall sei jetzt erstmalig aufgetaucht, aus der Gesamtsituation und den divergierenden Abstandsregeln würden sich aber Probleme für Gäste und Betriebe ergeben, so Royda: „Wir brauchen dringendst Rechtssicherheit. Seit Wochen bemühen wir uns darum gehört zu werden.“ Für die Familie aus St. Valentin – übrigens noch immer in Heimquarantäne – wäre vor allem eines wichtig: Aufklärung und offenen Kommunikation, denn nur so könnten sich andere Urlauber davor schützen, wie sie, in der „Quarantäne-Falle“ zu landen.

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