27.10.2016, 07:30 Uhr

Allerheiligen – Trauern braucht Zeit

Fast alle Gesellschaften haben Rituale entwickelt, die helfen, den Tod eines Menschen zu bewältigen. (Foto: Kzenon - Fotolia)

Die Zeit um Allerheiligen empfinden viele Menschen als belastend. Hier ein paar Tipps gegen Trauer und Co.

BEZIRK (ebd). Einerseits stimmt sie die trübe Jahreszeit traurig, andererseits erleben sie verstärkt die Auseinandersetzung mit dem Verlust von lieben Menschen. „Auch wenn dieser Verlust Jahre zurückliegt, ist die Leere, die der Tod hinterlassen hat, nun vermehrt spürbar“, weiß Thomas Ortner, Psychologe aus Schärding. Auf dem Weg zum Grab bzw. am Grab des Verstorbenen werden diese Empfindungen vermehrt präsent. „Mit diesen Gefühlen in Berührung zu kommen und bewusst zu erleben ist ein wichtiger Bestandteil des Trauerprozesses. Sich dafür Raum und Zeit zu nehmen, ist unerlässlich. Oftmals jedoch, ist eine ‚Unfähigkeit zu trauern’ weit verbreitet. Dabei ist Trauern ein natürlicher Vorgang im Umgang mit Verlusten. Dazu gehört vor allem auch, diese schweren Verluste zu akzeptieren und das eigene Weltbild der neuen Situation anzupassen“, sagt der Experte. Probleme mit Trauer entstehen meist dann, wenn Menschen entweder nicht zu trauern beginnen oder endlos in Trauer verharren.

Unterstützung annehmen

Ein wichtiger Schritt ist, nach dem Durchleben der Trauerphasen oder nach Allerheiligen, sich dem eigenen Leben in seiner veränderten Form wieder zuzuwenden. Trauern ist jedoch eine individuelle Angelegenheit: Einige können diesen Verlust allein bewältigen, andere benötigen Unterstützung. „Hält Trauer zu lange an, fühlt man sich durch die Schwere der Gefühle in seinem täglichen Leben eingeschränkt, kapselt man sich ab und zieht sich zunehmend zurück, dann ist es ratsam sich Unterstützung zu holen. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der bewusste Schritt, eine Situation zu verändern", so Ortner.

Rituale nutzen

Fast alle Gesellschaften haben Rituale entwickelt, die helfen, den Tod eines Menschen zu bewältigen. Solche Rituale geben Orientierung und vermitteln das Gefühl, in einer Gemeinschaft geborgen zu sein. Dazu gehört zum Beispiel der alljährliche Gang zum Familiengrab und Gedenkfeiern. „Selbst wenn Sie Ritualen skeptisch gegenüberstehen, sollten Sie sich im Trauerfall deren Vorteile gönnen. Scheuen Sie sich nicht, eigene Rituale zu entwickeln, etwa indem Sie im Familienkreis regelmäßig oder in einer bestimmten Form des Verstorbenen gedenken“, empfiehlt der Psychologe. Trauer weist uns auf die Vergänglichkeit unseres Lebens und der Dinge dieser Welt hin. Sie verdeutlicht uns, dass Leben immer auch Abschied nehmen und sich Trennen heißt. Damit fördert sie eine Haltung, die uns hilft, den Augenblick und das Vorhandene zu schätzen und die Relativität vieler Werte und Verhaltensweisen zu erkennen.
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