Impfung als Ass gegen den Krebs

Noch Luft nach oben: Die HPV-Durchimpfungsraten in der Steiermark liegen aktuell nur bei rund 35 Prozent.
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  • Noch Luft nach oben: Die HPV-Durchimpfungsraten in der Steiermark liegen aktuell nur bei rund 35 Prozent.
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Machtlos. Dieses Gefühl stellt sich ein, wenn man vor der Diagnose Krebs steht. In der Steiermark werden jährlich über 6.000 Menschen mit dieser Diagnose konfrontiert, davon rund 70 Frauen, denen gesagt wird, sie leiden an Gebärmutterhalskrebs. Dabei ist dies die bisher einzige Krebsart, die sich mit einem einfachen Stich, in Form der HPV-Impfung, verhindern ließe, wie Karl Tamussino, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie der Universitätsklinik Graz, im Interview mit der WOCHE schildert.

Was steckt hinter dem HP-Virus?
Karl Tamussino: Die Hälfte aller sexuell aktiven jungen Menschen kommt mit diesem Virus in Berührung, meist heilt er gefahrlos aus, bei rund zehn Prozent bleibt er allerdings erhalten und kann Krebs verursachen.

Was ist das Tückische an HPV?
Dem Gebärmutterhalskrebs an sich kann gut durch den Krebsabstrich vorgebeugt werden, aber die vielen Vorstufen können durch die Impfung verhindert werden. In der Steiermark führen wir rund 1.000 Konisationen (teilweise Entfernung des Gebärmutterhalses bei Krebsvorstufen) durch, Tendenz steigend. HPV ist langlebig. Wenn jemand mit 35 Jahren positiv auf HPV getestet wird, kann die Infektion mit 19 passiert sein. Nicht selten fragen Patientinnen auf der Klinik nach: "Mein Mann war jetzt auf Geschäftsreise und hat mir das sicher eingebrockt." Dabei hat sich die Frau meist schon Jahre davor infiziert.

Mit der Impfung macht man einen Schritt weiter nach vorne ...
Genau, es ließe sich viel psychischer Stress und Bangen rund um einen negativen Krebsabstrich ersparen, denn Vorstufen zum Krebs, die haben wir massenweise. Es gibt ja nicht nur die gynäkologischen Probleme, sondern HPV verursacht auch Karzinome an anderen exponierten Stellen wie beispielsweise im HNO-Bereich. Das prominenteste Beispiel ist Michael Douglas. Auch diese Krebsfälle würden abnehmen.

Was entgegen Sie Impfgegnern?
Die Australier impfen HPV seit 2007, da ist die Rate von HPV-Erkrankungen innerhalb dieser zwölf Jahre von 22 auf ein Prozent zurückgegangen. Sie rechnen sogar damit, das Zervixkarzinom ganz auszurotten. Die WHO sagt: "Gefährlich ist, sich nicht impfen zu lassen!"
Dennoch wird die Impfung in Österreich nur schleppend angenommen ...
Leider ist die Durchimpfungsrate weiterhin sehr gering, knapp über 30 Prozent. Es dürfte keine 20-Jährige geben, die nicht gegen HPV geimpft ist. Das ist wie ein junges Paar, das kein Kind will, aber nicht verhütet.

Was bringt eine Impfung nach dem ersten Geschlechtsverkehr?
Zugelassen ist die Impfung bis 45 Jahre. Ich mache es abhängig vom Beziehungsstatus. Bei einer 30-jährigen Patientin mit drei Kindern, die in einer stabilen Beziehung ist, sind 600 Euro viel Geld für wenig Benefit. Wenn die 30-Jährige Single ist, schaut das Ganze schon wieder anders aus.

Warum macht man dann eigentlich noch immer den herkömmlichen Krebsabstrich, wenn es auch schon HPV-Tests gibt?
Da hätten die niedergelassenen Gynäkologen wohl etwas dagegen. Der PAP-Abstrich muss jährlich gemacht werden. Vor allem Frauen ab 30, 40 Jahren sollten eigentlich besser einen HPV-Test machen, der ist aussagekräftiger und gewährleistet bei einem negativem Befund, dass die Frau für mehrere Jahre nicht getestet werden müsste. Allerdings sind die Kosten selbst zu tragen.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?

Dass mein OP-Plan in ein paar Jahren anders ausschaut und ich keine Konisationen mehr machen muss.

Infobox:
8. bis 12. Lebensjahr: zwei Teilimpfungen gratis
13. bis 15. Lebensjahr: zwei Teilimpfungen um jeweils 55 Euro
Ab dem 16. Lebensjahr sind drei Impfungen nötig, da das Immunsystem bei Jugendlichen stärker reagiert. Diese kosten jeweils 205 Euro
Durchimpfungsrate: Diese liegt zwischen 30 und 40 Prozent. Nur bei Erhalt beider Teilimpfungen besteht voller Schutz.

Noch Luft nach oben: Die HPV-Durchimpfungsraten in der Steiermark liegen aktuell nur bei rund 35 Prozent.
Karl Tamussino, Leiter, Klinische Abteilung für Gynäkologie: "Eine ungeimpfte 20-Jährige ist wie ein junges Paar, das kein Kind will, und nicht verhütet."

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