Caritas-Projekt sorgt wieder für Lesestoff
Megaphon lässt wieder aufhorchen
- Das Megaphon gehört seit bald einem Vierteljahrhundert zum Stadtbild von Graz und vieler weiterer Orte in der ganzen Steiermark. Nun kehren die Verkäufer unter neuen Bedingungen wieder auf die Straßen zurück.
- Foto: M. Kanizaj
- hochgeladen von Andrea Sittinger
Seit Mitte März waren die 250 Megaphon-Verkäufer nicht mehr auf den steirischen Straßen zu sehen. Seit Kurzem sind sie wieder da – mit Mundschutz, Desinfektionsmittel und Spardose für Hygiene und Schutz im Verkauf. Vor den 250-Megaphon-Verkäufer liegen fordernde Zeiten. Durch die schwierigen Wochen des Lockdowns hat sie eine Welle der Solidarität der Megaphon-Leser getragen.
Krisen treffen Menschen in sozialer Notlage besonders hart. Straßenzeitungsverkäufer sind keine Ausnahme. Denn um ihren Beruf auszuüben, müssen sie im öffentlichen Raum stehen. Das war in den vergangenen Wochen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und der akuten Covid-19-Situation nicht möglich.
„Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer wollten schon lange wieder auf die Straßen zurückkehren, da sie von der Coronakrise besonders hart getroffen wurden und vor dem Nichts stehen“, erklärt Megaphon-Leiterin Sabine Gollmann. „Wir wollen unsere Verkäufer bestmöglich schützen und sie erhalten daher ein Corona-Startpaket für den Straßenzeitungsverkauf in Covid-19-Zeiten.“
Corona-Startpaket für den Straßenverkauf
Dieses Startpaket enthält eine Schutzmaske, Desinfektionsmittel, Handschuhe, eine Spardose sowie ein A3-Plakat, das den kontaktlosen Straßenzeitungsverkauf in Covid-19-Zeiten für die Käufer erklärt. Außerdem darf jeder Verkäufer alte Straßenzeitungen, die nicht mehr verkauft werden konnten, gegen das aktuelle Mai-Heft umtauschen und erhält zehn Hefte gratis zum Start. Darüber hinaus erhält jeder Verkäufer Lebensmittelgutscheine.
Zwei Schwestern haben die Schutzmasken ehrenamtlich genäht: Sarah und Viktoria Stiendl haben dazu 20 m2 Stoff, zwei Kilometer Nähseide und 250 Meter Baumwollband verarbeitet. Der Kosmetikhersteller Ringana stellt das Desinfektionsmittel zur Verfügung, die 250 Spardosen kommen von der Hypo-Bank Steiermark – bereits mit jeweils 10 Euro als Spende gefüllt.
Welle der Solidarität
Seit dem 16. März war das Caritas-Straßenmagazin vor große Herausforderungen gestellt: Nach der Einstellung des Verkaufs arbeitet die Megaphon-Redaktion online unter dem Titel „Lesen. Spenden. Existenzen sichern.“ weiter und bat um finanzielle Unterstützung des Megafonds, eines Covid-19-Soforthilfefonds für die 250 Megaphon-Verkäufer.
„Unsere Existenzberechtigung sind die 250 Verkäufer – wir haben selbst und in unserem Umfeld alle Hebel in Bewegung gesetzt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und ihnen zu helfen“, erklärt Megaphon-Chefredakteur Peter K. Wagner. Die hauptamtlichen Megaphon-Mitarbeiter leisteten während der Coronakrise ehrenamtliche Mehrarbeit. Mit Mariella Kainz im Vertrieb und dem Social-Media-Experten David Kinzer in der Online-Redaktion erhielt das Megaphon darüber hinaus auch Unterstützung von Freiwilligen. Der Einsatz des gesamten Megaphon-Teams zahlte sich aus. Über 23.000 Euro konnten gesammelt werden. Die Gelder gingen ausnahmslos und direkt an die Verkäufer, die Zuschüsse zu Mieten, Versicherungen oder Stromrechnungen beziehungsweise Gutscheine für Lebensmittelmärkte erhielten.
„Der Großteil der Gelder wurde von unseren treuen Leser gespendet. 2.500 Euro stellte uns die Hypo Steiermark zur Verfügung. Es war eine außergewöhnliche Welle der Solidarität, die unsere Verkäufer bisher durch die Krise getragen hat. Wir möchten uns dafür aufrichtig bei allen Menschen bedanken, die uns geholfen haben“, erklärt Gollmann.
Herausforderndes Jubiläumsjahr
Auch die Situation für die Straßenzeitung selbst ist herausfordernd – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr, feiert das Megaphon doch im Herbst 2020 seinen 25. Geburtstag. Das Projekt, das Teil der Caritas Steiermark ist, konnte im April erstmals in seiner Geschichte zu Monatsanfang kein neues Magazin veröffentlichen. Die fehlenden Einnahmen durch den Heftverkauf – 50 Prozent des Verkaufspreises bleiben den Verkäufer, 50 Prozent dem Projekt zur Deckung der laufenden Kosten – sowie Inserate müssen in den kommenden Wochen und Monaten aufgefangen werden.
„Wir hoffen daher, dass uns viele Menschen weiterhin unterstützen – mit dem Kauf unserer Straßenzeitung, unseres neuen Notizbuchs ‚Briefe an mich’ oder dem Abschluss eines Solidaritätsabos“, erklärt Sabine Gollmann.
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