Stammzellenspender Paul Dibiasi
„Man vergisst oft, wie gut es uns eigentlich geht“

Paul ließ sich vor drei Jahren typisieren. Heute schenkt er als Stammzellspender Hoffnung auf Leben. | Foto: Privat
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  • Paul ließ sich vor drei Jahren typisieren. Heute schenkt er als Stammzellspender Hoffnung auf Leben.
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Paul aus Vomp hat sich vor rund drei Jahren typisieren lassen. Heute ist er der 888. Stammzellspender beim Verein „Geben für Leben - Leukämiehilfe Österreich“. Im Interview mit MeinBezirk spricht er über seinen Weg zur Spende, den Ablauf und die Bedeutung dieser Entscheidung.

Interview: Pascal Pali

MEINBEZIRK: Wie bist du dazu gekommen, dich als Stammzellspender zu registrieren?
Paul: Vor rund drei Jahren gab es in Schwaz einen Aufruf zur Typisierung, weil ein Junge erkrankt war. Ich bin damals hingegangen und habe einen Wangenabstrich machen lassen. Ehrlich gesagt habe ich mir zunächst nicht viel dabei gedacht, vor allem auch deshalb, weil ich danach lange nichts mehr gehört habe. Bis Februar dieses Jahres.

Hattest du vor der Spende Respekt oder Unsicherheiten?
Ein gewisser Respekt ist sicher dabei, wenn man so etwas angeht. „Geben für Leben“ und das AKB Gauting sorgen aber dafür, dass der gesamte Prozess sehr transparent und sicher abläuft. Man hat jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder sich auch gegen die Spende zu entscheiden.

Unsicher war ich aber nie. Für mich war klar: Wenn ich die Chance habe, einem Menschen in einer möglicherweise aussichtslosen Situation zu helfen, dann mache ich das. Ich bin auch ehrenamtlich beim Roten Kreuz Schwaz als Rettungssanitäter tätig. Da gehört es für mich einfach dazu, Verantwortung zu übernehmen und für andere da zu sein.

Paul (r.) gemeinsam mit Bernhard Thaler (l.) von „Geben für Leben - Leukämiehilfe Österreich“ nach seiner Stammzellspende. | Foto: GfL Tirol
  • Paul (r.) gemeinsam mit Bernhard Thaler (l.) von „Geben für Leben - Leukämiehilfe Österreich“ nach seiner Stammzellspende.
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Ablauf der Stammzellspende

Wie hast du die Stammzellspende erlebt? Wie lief die Vorbereitung und der Eingriff ab?
Zuerst kam die Kontaktaufnahme durch „Geben für Leben“, als ich in die engere Auswahl als möglicher Spender fiel. Dabei wurde auch direkt gefragt, ob ich grundsätzlich zur Spende bereit bin. Danach folgte ein sogenannter Confirmation Test, ein Bluttest zur weiteren Abklärung.

Als alles in Ordnung war, bekam ich die Nachricht, dass ich tatsächlich als Spender infrage komme. Es folgte die Voruntersuchung in einer Partnerklinik, bei mir im AKB Gauting bei München. Dort wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt und alle Spendenarten sowie mögliche Abläufe genau erklärt. Auch hier gab es nochmals eine Blutabnahme.

Bei mir kam die periphere Stammzellspende infrage. Dabei werden die Stammzellen durch ein Medikament über mehrere Tage im Vorfeld aus dem Knochenmark ins Blut „ausgeschwemmt“, sodass sie anschließend aus dem Blut entnommen werden können. Diese Methode ist heute die häufigere, da sie für Spender schonender ist. Nebenwirkungen können zwar auftreten, bei mir war es aber gut auszuhalten und ich konnte am selben Tag wieder nach Hause.

Die eigentliche Spende ähnelt einer Dialyse: An beiden Armen werden Zugänge gelegt, Blut wird entnommen, in einer Maschine aufbereitet und die Stammzellen herausgefiltert. Der Rest des Blutes wird zurückgeführt. Das Ganze dauert etwa drei Stunden, währenddessen wird man durchgehend überwacht und kann sich die Zeit mit Filmen oder Musik vertreiben. Danach folgt noch ein Abschlussgespräch.

Auch nach der Spende bleibt „Geben für Leben“ in Kontakt und fragt regelmäßig nach dem Gesundheitszustand. Einige Wochen später erfolgen auch noch Kontrollbluttests.

Was bedeutet es dir, dass deine Stammzellen einem Menschen eine reale Chance auf Leben geben können?
Sehr viel. Mit vergleichsweise geringem Aufwand vielleicht ein Leben retten zu können, ist etwas Besonderes. Natürlich weiß man nicht, ob der Körper die Stammzellen am Ende annimmt, aber allein die Möglichkeit, jemandem diese Chance zu geben, ist es absolut wert.

Der Verein „Geben für Leben - Leukämiehilfe Österreich“ organisiert Typisierungsaktionen und begleitet Stammzellspender durch den gesamten Ablauf. | Foto: GfL Tirol
  • Der Verein „Geben für Leben - Leukämiehilfe Österreich“ organisiert Typisierungsaktionen und begleitet Stammzellspender durch den gesamten Ablauf.
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„Man vergisst im Alltag oft, wie gut es uns eigentlich geht“

Hat diese Erfahrung deinen Blick auf Gesundheit oder Solidarität verändert?
Ja, durchaus. Im Alltag vergisst man schnell, wie wertvoll Gesundheit ist. Eine Leukämie-Diagnose verändert das Leben von einem Moment auf den anderen. Plötzlich dreht sich alles nur noch darum, gesund zu werden. Alles andere rückt in den Hintergrund.

Man ist dann auf Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und im besten Fall auf einen passenden Spender angewiesen. Oft entscheiden wenige Menschen über den weiteren Verlauf einer Krankheit. Umso wichtiger ist für mich der Gedanke, dass es diese Hoffnung überhaupt gibt und wie wenig es eigentlich braucht, um selbst helfen zu können.

„Einfach typisieren lassen“

Was würdest du Menschen sagen, die noch zögern, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen?
Ich würde definitiv empfehlen, sich typisieren zu lassen. Das ist kostenlos und geht entweder per Testkit zu Hause oder bei einer Typisierungsaktion in wenigen Minuten. Damit ist man in einer weltweiten Datenbank registriert und kann im Ernstfall gefunden werden.

Ob man tatsächlich spendet, bleibt immer eine persönliche Entscheidung, aber ohne Registrierung gibt es diese Möglichkeit erst gar nicht.

„Ich hoffe auf viele weitere gemeinsame Jahre“

Was wünschst du dir für die Person, die deine Stammzellen erhalten hat?
Ich hoffe, dass die Stammzellen gut angenommen werden und der Körper sie verträgt. Im besten Fall kann der Empfänger schon in einigen Jahren wieder ein weitgehend normales Leben führen.

Und selbst wenn es „nur“ zusätzliche Jahre sind, hoffe ich, dass diese Zeit genutzt werden kann, gemeinsam mit Familie und Freunden, mit vielen schönen Momenten und Erinnerungen.

Alle Informationen zu "Geben und Leben - Leukämiehilfe Österreich" findest du hier


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