St. Ruprecht / Raab
Ein Beruf aus Feuer und Atem
- Franz-Eric Kocher in seiner St. Ruprechter Werkstätte
- Foto: Hermine Arnold
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Die Suche war nicht ganz einfach: Für unseren Lehrlingsschwerpunkt wollten wir einen ungewöhnlichen Beruf finden, ein selten gewordenes Handwerk, das Können, Präzision und Kreativität verbindet. Fündig wurden wir schließlich in St. Ruprecht an der Raab. Hier betreibt Franz-Eric Kocher seine „Labor & Kunst Glasbläserei“ – als einer von nur wenigen Glasbläsern in der Steiermark. Noch arbeitet er ohne Lehrling. Doch wenn die Auftragslage weiterhin stimmt, möchte er sein Wissen künftig an die nächste Generation weitergeben.
ST. RUPRECHT AN DER RAAB. Feuer, Atem, Fingerspitzengefühl – und ein Werkstoff, der Fehler kaum verzeiht. Franz-Eric Kocher hat sich einem Handwerk verschrieben, das heute nur noch wenige Menschen beherrschen. Seit rund 13 Jahren arbeitet er als Glasbläser und Glasinstrumentenerzeuger, seit drei Jahren ist der Meister seines Faches selbstständig.
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Dabei bewegt er sich zwischen zwei Welten: zwischen hochpräzisem technischen Glasinstrumentenbau und künstlerischer Gestaltung. Für Universitäten, Forschung und Industrie fertigt er sensible Sonderanfertigungen aus Glas, übernimmt Reparaturen und arbeitet an Präzisionslösungen für Labor und Messtechnik. Gleichzeitig lässt er aus heißem Glas freie Formen und Kunstobjekte entstehen.
Wie alles begann
Dass Glas einmal sein berufliches Leben bestimmen würde, war keineswegs geplant. Auf der Suche nach einem interessanten Lehrplatz in der Region stieß Kocher eher zufällig auf die Glasbläserei Wilfinger GmbH im Bezirk Weiz. Er durfte schnuppern – und fing Feuer.
Schon während seiner Weizer Lehrzeit richtete er sich zu Hause eine einfache Werkstätte ein. Neben der Ausbildung begann er dort zu experimentieren und eigene Erfahrungen zu sammeln.
„Spielen mit Glas“ bedeutet für ihn keineswegs Beliebigkeit. Im Gegenteil: Man müsse sich selbst und dem Material Zeit geben. Gerade dieses freie Ausprobieren fördere Kreativität, Innovation – und nicht zuletzt die Freude an der Arbeit.
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Aus den ersten Versuchen entstanden mit der Zeit immer anspruchsvollere kunsthandwerkliche und technische Werkstücke.
Von der Lehre zum Meister
Nach seiner Lehrzeit in Weiz wechselte Kocher zur Anton Paar AG nach Graz, wo er mehrere Jahre als Glasbläser tätig war. Dort erkannte man offenbar sein Potenzial: Das Unternehmen regte an, die Meisterprüfung abzulegen, und unterstützte ihn auf diesem Weg.
Nach den aktuell öffentlich zugänglichen WKO-Daten dürfte Franz-Eric Kocher heute der einzige namentlich ausgewiesene Glasbläsermeister in der Steiermark sein.
Bald danach wuchs der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen. Heute blickt Franz-Eric Kocher auf rund 13 Jahre Erfahrung in seinem Fach zurück, drei davon als selbstständiger Unternehmer in St. Ruprecht an der Raab.
In seiner unmittelbaren Heimat ist er dennoch für viele noch ein Geheimtipp. Ein Grund dafür: Für seine Aufträge ist Kocher viel unterwegs – teilweise auch im Ausland.
- Franz-Eric Kocher in seiner St. Ruprechter Werkstätte
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Lernen als Lebenshaltung
Stillstand scheint ohnehin nicht zu seinem Wesen zu passen. Für Franz-Eric Kocher bedeutet Leben auch Lernen. Immer wieder gibt es neue Techniken zu entdecken, neue Lösungen zu finden und Grenzen auszuloten.
Glas übt dabei bis heute eine besondere Faszination auf ihn aus. Es ist durchsichtig und doch widerständig, fragil und gleichzeitig enorm belastbar. Wer es formen will, braucht Erfahrung, Konzentration und ein feines Gespür für den richtigen Moment.
Dass Kocher von seiner Arbeit begeistert ist, merkt man schnell. Eine 70-Stunden-Woche sei für ihn keine Seltenheit. Arbeit und Leidenschaft liegen bei ihm eng beieinander.
Ein Lehrberuf im Wandel
Vor rund 13 Jahren begann Kocher die dreijährige Ausbildung zum Glasbläser und Glasinstrumentenerzeuger. Die Berufsschule besuchte er in Kramsach in Tirol.
Wegen der geringen Zahl an Auszubildenden erfolgte die Grundausbildung zunächst gemeinsam mit den Glasern. Erst im letzten Lehrjahr wurden die Glasbläser fachspezifisch unterrichtet.
Franz-Eric Kocher war während seiner Berufsschulzeit der einzige Glasbläser seiner Klasse. Vieles musste er sich deshalb zusätzlich durch Eigenstudium und praktische Erfahrung aneignen. Leidenschaft, Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit halfen ihm dabei, manche Hürde zu überwinden.
Damals bestanden noch mehrere traditionelle Glasberufe nebeneinander, darunter Glasmacher sowie verschiedene Bereiche der Hohlglasveredelung wie Glasmalerei und Gravur.
Seit 1. Juli 2026 ist die Ausbildung neu geordnet. Mehrere traditionelle Glasberufe wurden im Lehrberuf „Glasformung und Glasveredelung“ zusammengeführt. Einer der vier Schwerpunkte ist die Glasbläserei.
Eine eigene Glasbläser-Innung gibt es nicht. Organisatorisch ist das Handwerk der Bundesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler zugeordnet. Dass ein derart spezielles Kunst- und Präzisionshandwerk innerhalb einer wesentlich größeren Berufsgruppe angesiedelt ist, zeigt auch, wie klein die Zahl der Glasbläser mittlerweile geworden ist.
Was muss ein Glasbläser mitbringen?
Glas zählt zu jenen Materialien, die höchste Konzentration verlangen. Ein falscher Moment, eine falsche Temperatur oder eine unachtsame Bewegung können eine Arbeit zunichtemachen.
Für Kocher steht deshalb eines an erster Stelle: Man müsse die Arbeit wirklich mögen.
Dazu kommen feinhandwerkliches Geschick, Geduld und ein gutes Gefühl für Formen. Ebenso wichtig seien Beharrlichkeit, Ausdauer und Durchhaltevermögen – und vor allem die Bereitschaft, immer weiter zu lernen.
Gerade diese Mischung aus Präzision und Neugier macht für ihn die Faszination seines Berufes aus.
Rückschläge gehören dazu
Sechs Jahre lang beschäftigte sich Franz-Eric Kocher intensiv mit der Entwicklung einer eigenen Glas-Produktlinie unter der Marke „endless aqua“. Im Mittelpunkt stand dabei ein Thema, das ihn seit langem fasziniert: Wasser.
Wasser ist für ihn nicht bloß ein Element, sondern Ursprung und Grundlage des Lebens – und damit auch Inspirationsquelle für seine gestalterische Arbeit.
Mit der Produktlinie musste Kocher allerdings einen erheblichen Rückschlag hinnehmen. Nach seiner Schilderung wurde er von einem Unternehmen wegen einer behaupteten Verletzung eines Geschmacksmusters auf Unterlassung geklagt. Als Jungunternehmer habe er die finanziellen Möglichkeiten für einen längeren Rechtsstreit beziehungsweise eine Gegenklage nicht gehabt.
Aufgeben gehört dennoch nicht zu seinem Naturell. Rückschläge betrachtet er als Teil eines Weges, auf dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt – fachlich wie persönlich.
Und was bringt die Zukunft?
Gedanken macht sich Franz-Eric Kocher auch darüber, wie sich die Arbeitswelt durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern wird – und welche Nischen einem so seltenen Handwerk künftig bleiben.
Gerade darin könnte jedoch auch eine Chance liegen. Denn dort, wo individuelle Lösungen, Präzision, Materialgefühl und Kreativität gefragt sind, lässt sich menschliches Können nicht so einfach ersetzen.
Noch bildet Kocher keinen Lehrling aus. Bei weiterhin guter Auftragslage kann er sich jedoch vorstellen, künftig selbst einen jungen Menschen in diesem seltenen Handwerk auszubilden und sein Wissen weiterzugeben.
Vielleicht liegt genau darin die Zukunft eines Berufes, der seit Jahrhunderten Feuer, Atem und Geschick miteinander verbindet: darin, dass Begeisterung weitergegeben wird.
Interesse geweckt?
Wer Franz-Eric Kocher und seine Arbeit kennenlernen möchte, kann ihm immer wieder auf Weihnachtsmärkten in der Region begegnen oder einen seiner Kurse in der eigenen Werkstätte besuchen.
Dort können Interessierte unter Anleitung erste Werkstücke wie Glaskugeln oder Weingläser herstellen oder in einem rund dreistündigen Grundkurs Einblicke in die Arbeitsweise eines Kunstglasbläsers bekommen.
Kontakt:
Mst. Franz-Eric Kocher
Tel.: +43 664 2075038
E-Mail: office@endless-aqua.com
YouTube: Glass.ArtLab
Hermine Arnold
Freie Redakteurin
NEDI Poesie.Musik.Text.Atelier
https://www.nedi.at
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