Kumberg
Franz Zebinger – Über Musik, Leben und die leise Kraft des Schönen
- Der Jubilar, Komponist Franz Zebinger
- Foto: Hermine Arnold
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Anlässlich seines 80. Geburtstags spricht die freie Redakteurin und Poetin Hermine Arnold mit den im Kumberg lebenden Komponisten Franz Zebinger – über sein Leben, sein Schaffen und über jene leisen Wahrheiten, die zwischen den Tönen entstehen. Es ist ein Gespräch, das sich anders anfühlt als viele andere. Vielleicht, weil es nicht nur um Musik geht. Vielleicht, weil die beiden längst mehr verbindet als Worte auf Papier.
KUMBERG. Ein besonderer Anlass begleitet dieses Gespräch: Am 10. Mai 2026 wird sein großes Oratorium „Marienleben“ erstmals in Graz zur Aufführung gebracht – ein Werk, das viele bereits tief berührt hat und nun auch hier einen neuen Klangraum finden wird.
Hermine Arnold (HA): Wie fühlt sich dieser Blick zurück für dich an?
Franz Zebinger: Es überwältigt mich, dass mir im Jubiläumsjahr so viel Würdigung durch Wiederaufführungen meiner Werke zuteilwird. Besonders freue ich mich auf das Baltic Music Festival in Graz, bei dem meine „Dainas“ in neuer Fassung erklingen werden, sowie auf weitere Aufführungen.
Mit großer Vorfreude blicke ich auch auf die Wiederaufführung meines Oratoriums „Marienleben“. Ich habe es erneut überarbeitet, um es noch besser auf die neuen Solisten-Stimmen abzustimmen und neue Übergänge zu gestalten. Für einen Komponisten ist ein Werk nie ganz abgeschlossen – es bleibt lebendig, solange man selbst lebt.
HA: Gibt es ein Leitmotiv in deinem Leben?
Franz Zebinger: Wie in einem großen Werk ziehen sich mehrere Themen durch mein Leben: die Liebe zur Natur, meine Neugier für wissenschaftliche Fragen und die Freude an menschlichen Begegnungen. Besonders wichtig ist mir die Welt des Schönen – in der Musik, der bildenden Kunst und der Literatur. Gleichzeitig versuche ich, auch das weniger Schöne nicht auszublenden, sondern bewusst einzuordnen.
HA: War dein später Weg zum Komponieren vielleicht ein Geschenk?
Franz Zebinger: Ich wollte eigentlich schon als Kind Komponist werden. Doch zunächst führte mich mein Weg über Ausbildung, Studium und Wissenschaft. Erst danach habe ich mich ganz dem Komponieren zugewandt und mir das Handwerk autodidaktisch erarbeitet.
Rückblickend war es wohl ein Glücksfall, dass ich mir einfach zugetraut habe, diesen Weg zu gehen. Es begann mit kleinen Werken für mich und meine Kinder und entwickelte sich Schritt für Schritt weiter. Wichtig war, dass meine Musik immer auch zur Aufführung kam, das hat mich geprägt.
HA: Was geschieht in dir, wenn aus einem Text Musik wird?
Franz Zebinger: Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Manchmal trägt ein Text die Melodie bereits in sich, dann entsteht etwas sehr Ursprüngliches. Manchmal berühren mich die Worte emotional, und daraus entwickelt sich die Musik. Und manchmal erschließt sich die Melodie aus dem tieferen Verständnis des Inhalts. Der Rest ist Handwerk und immer eng mit dem Text verbunden.
HA: Unser Friedenslied wartet noch auf seine Uraufführung – was löst das in dir aus?
Franz Zebinger: In einer zerrissenen Welt ist der Wunsch nach Frieden wichtiger denn je. Für mich als Komponist ist es ein Anliegen, diesen Ruf musikalisch weiterzutragen. Dein Text „Gleiße mein Stern“ hat mich sehr berührt, und ich glaube, dass das daraus entstandene Friedenslied die Kraft hat, viele Menschen zu erreichen.
HA: Was bedeutet dir die neue Aufführung von „Marienleben“ in Graz?
Es ist für mich ein großes Glück, dass dieses Werk gerade rund um meinen 80. Geburtstag in Graz erklingt. Religiöse Themen begleiten mein Schaffen seit jeher, und „Marienleben“ ist mein jüngstes und vom Apparat her mein größtes Oratorium. Umso mehr freut es mich, es nun in einer weiterentwickelten Form wieder zu erleben.
- Franz Zebinger bei der Uraufführung von Marienleben 2024 im Stift Admont
- Foto: Hermine Arnold
- hochgeladen von Hermine Arnold
HA: Ist dieses Werk eher künstlerisch oder persönlich geprägt?
Franz Zebinger: Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Meine Beziehung zur Marienfigur reicht bis in die Kindheit zurück und wurde durch mein familiäres und religiöses Umfeld geprägt. Gleichzeitig hat mich das Thema auch aus kultur- und religionswissenschaftlicher Sicht beschäftigt.
So ist im Laufe der Zeit ein vielschichtiges Bild entstanden, das persönliche Erfahrung und künstlerische Auseinandersetzung verbindet.
HA: Gibt es einen Moment im Werk, der dir besonders nahe ist?
Franz Zebinger: Besonders berühren mich die Geburtsszene, in der Maria voller Liebe zu Josef spricht, und die Kreuzigung, in der sie mit dem Leid ihres Sohnes mitfühlt. Diese Gegensätze – tiefste Freude und tiefster Schmerz – sind für mich zentral.
HA: Hat sich dein Blick auf das Schöne verändert?
Franz Zebinger: Die Suche nach dem Schönen begleitet mich seit meiner Kindheit. Heute liegt meine Freude weniger im eigenen Musizieren als im Erleben gelungener Interpretationen meiner Werke. Das Schönste ist, wenn die Musiker meine Komposition verstehen und das Gefühl nachvollziehen können, das ich beim Schreiben in meine Musik gelegt habe. Solche Momente sind für mich echte Glückserfahrungen.
HA: Wo findest du deinen inneren Raum?
Franz Zebinger: Ich versuche, die Welt mit offenen Augen zu sehen, ohne mich von ihren Schatten überwältigen zu lassen. Ruhe finde ich vor allem in stillen Momenten: vor dem Schlafengehen und während des Komponierens, wenn ich ganz in meine innere Klangwelt eintauche.
HA: War diese Ruhe immer schon da?
Franz Zebinger: Mit den Jahren ist eine größere Gelassenheit gewachsen. Wichtig ist mir, die eigenen Schwächen anzunehmen und das Leben in seiner Unvollkommenheit zu akzeptieren.
HA: Hat dich die Musik getragen – oder du sie?
Franz Zebinger: Ich bin mit der Energie der Musik durchs Leben gegangen. Sie hat mich getragen und gleichzeitig habe ich sie auf meine Weise weitergetragen. Dabei haben mich viele musikalische Welten inspiriert, von der Klassik bis zur Volksmusik.
HA: Würdest du heute etwas anders machen?
Franz Zebinger: Mit meinem heutigen Wissen hätte ich mir eine frühere und intensivere musikalische Ausbildung gewünscht. Gleichzeitig kann ich mir gut vorstellen, denselben Weg wieder zu gehen, vielleicht mit einer stärkeren Begleitung durch einen erfahrenen Lehrer.
HA: Gibt es ein Projekt, das du unbedingt verwirklichen möchtest?
Franz Zebinger: Im Moment ist nichts Konkretes geplant. Aber eine gute poetische Vorlage eines interessanten steirischen mittelhochdeutschen Dichters mit einer Aufführungsmöglichkeit könnten mich jederzeit wieder begeistern.
HA: Was ist dir heute im Innersten wichtig?
Franz Zebinger: Ich strebe nach innerem Gleichgewicht, Dankbarkeit und Zufriedenheit. Wichtig sind mir die Zeit in der Natur und die Begegnungen mit Menschen. Und die Frage, wie man das Lebensende annimmt, gehört für mich ebenso dazu, möglichst in derselben Haltung der Dankbarkeit.
Lieber Franz Zebinger, vielen Dank für das Geburtstagsinterview!
Wir wünschen dir von Herzen Gesundheit, Freude und Musik im neuen Lebensjahr.
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Hermine Arnold
Freie Redakteurin
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