Puch in Judenburg

Die Expeditionsfahrzeuge von Max Reisch neben einem zivilen Steyr 100
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Museen wie das Puchmuseum in Judenburg haben Bestände, die meist um einen fixen Kernbereich gruppiert sind, aber an den Rändern immer wieder wechseln. Das legt öfteren Besuch nahe.


Ich hab gerade nachgesehen. Es hätten bloß vier Tage gefehlt, da wäre ich vor ganz exakt drei Jahren das letzte Mal dort gewesen. Damals stand etwa das prächtige 250er-Gespann vom ÖAMTC mitten in einem der Räume.

Vorbei! Dafür können Sie dort derzeit einen Puch 700 Imp sehen, jenes sensationelle Coupé, das die österreichische Post kürzlich mit einer Sondermarke gewürdigt hat. Man muß diesen kompakten, wohlgeformten Rennwagen gesehen haben, um einen Eindruck zu bekommen, wie kleinräumig der Imp ist. (Gut, aus deprimierender Erfahrung weiß ich, im brachialen Ford GT40 hat man auch nur sehr wenig Platz. Man bleibt besser ein schlankes Bürschchen.)

Eine besondere Rarität steht noch immer dort. Der Haflinger Triebkopf. Den werden Sie nicht leicht sonst wo finden. Oder einen gepanzerten Hafi, eine Art rollender Tresor. Ich hatte aber gerade einen ganz anderen Grund hinzuschauen.

Derzeit stehen zwei Motorräder und der beeindrucke Expeditionswagen des Weltreisenden Max Reisch in Judenburg. Das Auto ist ein modifizierter Steyr 100. Brachial. Ungeschönt. Schwarze Nummerntafel aus der Zeit. Gebrauchsspuren. Man muß ihn gesehen und auch ein wenig daran geschnuppert haben.

Bedenken Sie, jedes Auto aus den 1970ern würde heute irritieren, weil es nicht annähernd so komfortabel zu fahren ist wie ein zeitgenössischer Durchschnitts-Wagen. Aber dieser kleine Brocken stammt aus den 1930er Jahren. Man mußte robust, ausdauernd, sehr zäh sein, um damit solche Touren zu bestehen, zumal es auch weit über Pisten und Trampelpfade ging.

Um aber deutlich zu machen, was die Serienbasis dieses Autos war, hatten Heinz und Lisl Mesicek (Österreichische Gesellschaft für historisches Kraftfahrwesen) ein blitzendes Steyr 100 Cabrio dazugestellt. Ein elegantes Schmuckstück, das sie nun abholten, um es durch die Limousine zu ersetzen. Die ist nämlich historisch etwas bedeutender.

Mit dieser Konstruktion von Karl Jenschke, der auch für das Steyr „Baby“ verantwortlich war, hielt die Stromlinie Einzug in die Serienproduktion österreichischer Automobile. Davon ließe sich nun über Stunden weiter erzählen. Behalten Sie das im Auge: Steyr 100. Ein großes Thema!

Ich hatte dann auch noch Gelegenheit zu einem Gespräch mit Museumsleiter Fritz Glöckner und Touristiker Heinz Mitteregger. Lisl Mesicek wird ja heuer bei „Mythos Puch“ die Befassung mit historischen Fahrzeugen als zeitgemäße Kulturarbeit thematisieren. Das legt auch Querverbindungen zur Volkskultur nahe, obwohl diese Ansicht nach wie vor nicht sehr populär ist.

In der Volkskunde wird das allerdings anders gesehen, da ist „Volkskultur in der technischen Welt“ seit den 1950er Jahren ein gut bearbeitetes Thema. Das fanden auch die beiden Herren sehr interessant.

Falls Sie dieser Tage das Museum besuchen, schauen Sie genauer hinter den kleinen Eiswagen zwischen den „Knatterkugeln“. Der wird nämlich von einem HMW bewegt. Dieses zierliche Moped aus Hallein, dem unsere Post übrigens auch eine Sondermarke gewidmet hat, kam gegen die Marktdominanz von Puch nicht an und ist daher nur sehr selten zu sehen.

Und wenn Sie im Raum mit der Sonderausstellung zu Max Reisch ankommen, beachten Sie rechts das Damenmodell einer Puch LM aus den 1920er Jahren. Das werden Sie auch nicht oft wo zu sehen bekommen.

+) Puchmuseum Judenburg [link]

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