Politische Kultur
Am Vorabend der Wahl

Wir erleben eine wachsende Serie von Wahlkämpfen. Da ist während der letzten Jahre mit großen Gesten viel von den „Werten des Abendlandes“, von unserer Kultur und unserer Identität die Rede gewesen. Wie bemerkenswert, daß die Wahlkämpfe in weiten Abschnitten nichts davon oder dessen Gegenteil gezeigt haben.

Einen unübertrefflichen Spitzenmoment dieser wachsenden Schande lieferte kürzlich der vormalige Innenminister Herbert Kickl, den das Magazin profil so zitiert: „Wir werden dem Bobo-Sozialismus einen Schlag aufs Hosentürl verpassen.“ (Quelle)

Daß solches Gossen-Gerede in die Regierung des Landes führen möge, demonstrierte auch Dominik Nepp, den die Kleine Zeitung so zitiert: „Was ist schlimmer: 01, Grad mehr im Sommer oder ein Bauchstich von einem Asylanten?“ (Quelle)

Bassena-Tratsch-Qualität als Ausweis von Staatsmännern? Das sind bloß einige Hinweise, welche Denkungsart inzwischen als salonfähig angesehen wird. Wer so redet, demonstriert uns, daß der Pöbel in die Parlamente drängt; nicht um Revolution zu machen, sondern um zu regieren.

Wo aber konkret gehandelt wird, haben wir schon bisher von atemberaubenden Malversationen gehört, denn zum Glück verfügen Justiz und Journalismus (als zwei der vier bedeutenden Gewalten einer Demokratie) noch über couragiertes und professionelles Personal.

Kein Zufall, daß gerade Justiz und Journalismus in letzter Zeit aus politischen Lagern andauernd diffamiert wurden. Dabei wiederum Journalistinnen ganz besonders. So agieren also Leute, die regieren möchten, um sich allerhand sehr konkreten Vorwürfen nicht stellen zu müssen. So versuchen sie zu verschleiern, was an ihnen anrüchig ist. Sie nehmen dafür in Kauf, wichtige Institutionen der Demokratie zu beschädigen.

Was also bieten uns etliche exponierte Personen aus der Politik? Leugnen, Schönreden, allerhand Grimassieren und ein breites Sortiment der Angriffslust wie der Attacken gegen die Konkurrenz. Allein das Wort „Mitbewerber“ auszusprechen ist schon eine Zumutung, wo so unübersehbar und rücksichtslos um Budgets und Machtmittel gerittert wird.

Das findet mildere Varianten auf lokaler Ebene. Es ist inzwischen schon zum Prüfstein der Redlichkeit geworden. Dabei läßt sich sehr deutlich betrachten, wer von unseren regionalen Kräften der Politik in den laufenden Kampagnen welche Reden führt und zum Beispiel via Social Media welche Schritte setzt.

Das Diffamieren und die teilweise recht dumm begründeten Polemiken zeigen mir, wie so manche honorige Herren nun bereit sind, die Skala ihrer Manieren nach unten aufzumachen. Ich sehe auch genau, wer inzwischen ganz schweigsam geworden ist, um sich an derlei Umtrieben von Parteikollegen nicht zu kontaminieren.

So viel gehaltloses Gezänk, so viel schamlose Angriffslust habe ich davor in Wahlzeiten noch nicht erlebt. Vor Jahren sprach ich mit einem sehr interessanten Unternehmer, Vater eines ansehnlichen Grüppchens von Kindern. Er sagte mir augenzwinkernd: „Die beste Erziehung nützt gar nichts, die Kinder machen uns trotzdem alles nach.“ Wollen wir hoffen, daß es angesichts aktueller Umtriebe in Österreichs Politik nicht so kommt.

+) Übersicht: Zur steirischen Politik

Autor:

martin krusche aus Weiz

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