Steirische Politik
Kunasek und die Mannhaftigkeit

3Bilder

Ein Mann, ein Wort! Das ist ja klar. Oder? Ich bin ein Kind des Kalten Krieges und daher mit den Fragen klassischer Männlichkeit gut vertraut. Seinerzeit waren Schwarz und Weiß eindeutige Kategorien. Ein Held hatte gefälligst gute Figur zu machen und allen Arten Gefahren zu trotzen.

Das Konzept besagte, der Held erringt höchste Weihen, wenn er singuläre Exzellenz zeigt und sich einsam in das Rad der Geschichte wirft, um den Lauf der Welt zu ändern. Der Held ist niemals ein Maulheld, sondern ein Mann der Tat. Man kann sich auf sein Wort verlassen.

Mit solchen Ausführungen ließe sich nun etwa ein Stündchen lang weitermachen, um die Sache mit den mannhaften Männern abzuhandeln. Oder ich gehe gleich auf ein Paradebeispiel ein. Mario Kunasek hat kürzlich in Gleisdorf zu uns gesprochen.

Das tat er Schulter an Schulter mit Herbert Kickl, der bei anderer Gelegenheit auch über die Hosentürl seiner Gegner gesprochen oder seine persönliche Virilität mit dem Boxsport assoziiert hat. Auffallendes Kerl-Gehabe ist gewöhnlich eine Art Wegweiser.

Wer als Kerl wahrgenommen werden möchte, sagt eben Kerl-Dinge. Dabei geht es meist über kurz oder lang um die Fresse des Gegners, wahlweise um sein Hosentürl. Das ist geschichtlich tradiert. Sie wissen ja, in der Kerl-Kultur wird ein Kerl, der sich seiner Kerlhaftigkeit nicht ganz sicher ist, vorzugsweise das Kerlsein anderer Männer ansprechen und in Frage stellen.

Darum sagen manche Burschen zum Beispiel gerne „Du Schwuchtel!“, wenn sie jemanden beleidigen wollen. Das meint: „Du Nicht-Mann!“, gegenüber Schwulen eine ziemlich dumme Behauptung, die – wie erwähnt – das Thema Kerl über Hosentürl-Kriterien einzugrenzen versucht.

Selbstdefinition durch Feindmarkierung

Das gängige Repertoire zeigt so allerhand Abschätzigkeiten, die sich irgendwie an den Hosentürln anderer Leute ausrichten. Ich muß derlei sicher nicht näher ausführen. Es läßt mich vermuten, daß Kickl, dem solche trüben Kategorien liegen, allein schon deshalb nicht das Zeug zum Staatsmann hat.

Auch wenn solche Frivolitäten in der FPÖ durchaus vorkommen, kann ich Kunasek keinesfalls nachsagen, er würde mit Sprachbildern dieser Kategorie hausieren. Ich kenne kein Beispiel, daß er sich je so habe gehen lassen. Es dürfte also seiner Mentalität eher fremd sein, sich auf diese Art über andere Menschen auszulassen.

Dennoch ist er in einer der Hauptsportarten der FPÖ äußerst fit: Selbstdefinition durch Feindmarkierung. Das schadet dem Ansehen der Politik generell. Man müßt sich ja nicht über die Konkurrenz oder Andersdenkende herablassend äußern. Man könnte einfach sagen: „Ich weiß, wer ich bin, weil ich weiß, was ich kann, und das erzähle ich Ihnen nun.“

Stattdessen dominiert dieses: „Die da, die sind alle so und so und so und die machen dies wie das, daher hoffe ich, daß wir uns einig sind: wir hassen die!“

Anders ausgedrückt, Selbstdefinition durch Feindmarkierung, das geht so: „Ich erklären Ihnen jetzt einmal, wer alles oarsch ist und ein Verräter ist, also ein Feind ist. Dann wissen Sie jetzt hoffentlich, wer ich bin.“

Ein anderer Aspekt dieser Fehlleistungen in der alten Männerkultur ist die Methode der Schuldumkehr. Die Parlamentswahl hat der FPÖ schon Gelegenheit gegeben, sich in dieser Technik reduzierter Mannhaftigkeit zu üben. Wenn einem eigenes Versagen Nachteile bringt, muß jemand anderer daran schuld sein.

Nun gab es die steirische Landtagswahl, bei der die FPÖ einen erheblichen Stimmenverlust einfuhr, um etwa in der Landeshauptstadt Graz hinter den Kommunisten zu landen. Das hat eine geradezu dröhnende Symbolkraft. Was genau sagte nun Kunasek in ein Mikrophon mit der Aufschrift OE24.at?

„Wir haben eine schwere Niederlage erlitten, heute, das ist das eine.“ Aber das sei immer noch das zweitbeste Ergebnis der FPÖ bei Landtagswahlen. Sehen Sie? So schminkt man eine Niederlage, legt ihr Rouge auf, läßt sie lächeln. Als Kerl-Nummer gibt das gar nichts her.

Es geht mit den knieweichen Ausflüchten gleich weiter: „Aber letztlich war es schon auch schwierig für uns, Themen zu setzen.“ Man konnte sie nicht setzen, weil sie „medial keine Rolle gespielt haben, sondern andere Themen“. Was meint Kunasek?

Natürlich nicht irgendwelche Themen, sondern a) Verfehlungen von FPÖ-Politikern und b) verhaltensoriginelle Handlungsweisen von FPÖ-Politikern haben mehr Headlines ergeben als die seit Jahrzehnten ewig gleichen Schwerpunktthemen der FPÖ.

Blaue verlieren im Grenzland

Das heißt, Kunasek deutet an, es seien ganz wesentlich die Medien schuld am schlechten Wahlergebnis. Das haben ihm etliche Parteikollegen gleichgetan. Ein Jammertal! Kunasek nimmt den Medienleuten übel, daß sie aktuelle Verhaltensweisen von FPÖ-Politikern für so berichtenswert hielten, daß sie andere, nämlich uralte FPÖ-Themen nachgereiht haben.

Welche das wären? Na, zum Beispiel Ausländer. Und Ausländer. Außerdem Ausländer.

Apropos Ausländer! Die Krone titelte am Montag, dem 25. November: „Blaue verlieren im Grenzland“. Eines der Themen, die laut Kunasek „medial keine Rolle gespielt haben, sondern andere Themen“, ist also offenbar im Moment kein Thema mehr. Kann es sein, daß die Drohkulissen, mit denen die FPÖ in den Wahlkampf zogen, sachlich nicht verifizierbar sind?

Was macht denn eine Grenzschutz-Partei, wenn die Leute an der Grenze sich gerade nicht in Gefahr sehen? Sie erfinden Gefahren, vor denen sie uns retten möchten. Ich finde ja heute, nach der Wahl, immer noch FPÖ-Botschaften in der Stadt, wonach diese Partei versucht, uns vor „illegaler Zuwanderung“ zu schützen.

Das ist ein ganz leichter Job, denn es gib keine illegale Zuwanderung, sondern nur illegalen Aufenthalt auf unserem Staatsgebiet. Der wird sich durch nichts in der Welt auf Null herunterfahren lassen, aber der Staat sollte in der Lage sein, dieses Problem unter Kontrolle zu bekommen. Was sagt unser Regelwerk dazu?

„Drittstaatsangehörige sind Personen, die nicht aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) - Europäische Union (EU) und Island, Liechtenstein, Norwegen - oder der Schweiz kommen. Sie benötigen einen Aufenthaltstitel, wenn sie in Österreich zum Beispiel studieren, arbeiten oder bei Verwandten leben wollen.“ (Quelle: www.wien.gv.at)

Was dagegen die Staatsbürgerschaft angeht, gibt ein eigenes Portal detailliert Auskunft: (Link)

Die Liste der Grundbedingungen ist beachtlich: (Link)

Der Staat unterscheidet also zwischen Einwanderung und Aufenthalt. Zuwanderer sind daher wohl Menschen, die bleiben möchten, die einen legalen Aufenthalt anstreben, im günstigsten Fall die Staatsbürgerschaft. Die österreichische Staatsbürgerschaft ist sehr schwer zu bekommen. Die gesetzlichen Hürden sind hoch, hoch, hoch.

Was genau meint daher Kunasek, wenn er durchs Land zieht und von „illegaler Zuwanderung“ spricht? Wir wissen es nicht. Das ist eine Floskel wie etwa „warme Eislutscher“. Die gibt es auch nicht, gibt es bloß als Metapher. Also meint Kunasek etwas anderes. Aber was?

Mit so obskuren Themen wird sich kein seriöses Medien-Personal befassen können. Das ist bloß ein billiges Bewirtschaften populärer Angst-Motive, bei dem es vermieden wird, die realen Probleme konkret zu benennen und zu bearbeiten. (Übrigens denke ich, es fährt sich bequem auf den Trittbrettern der Zeitgeschichte!)

+) Zur steirischen Politik

Autor:

martin krusche aus Weiz

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.