Politische Kultur
Wem gilt was?

Schon ist es wieder ruhig um die Identitäre Bewegung, deren Steiermark-Büro nun in der Oststeiermark eingerichtet ist. Kurze Erregungskurve. Nachricht abgearbeitet. Neues Thema, um sich zu erregen. Oder?

Ich habe einige Male Rückmeldungen erhalten, wonach jene, die ich meine, solche Texte nicht lesen würden. Und falls doch, würden sie diese nicht verstehen. Darin liegt ein Mißverständnis.

Warum sollte ich diese Zeilen an Identitären adressieren? Weshalb sollte sie solche Texte nicht verstehen? Derlei Zuschreibungen sind Statements, mit denen man sich Andersdenkende zurechtstellt. Welchen Nutzen bringt das außerhalb der Eigeninteressen?

Abgesehen davon habe ich keinerlei Ambition, vaterländische Kräfte zu belehren. Ich finde es generell uninteressant, jemanden belehren zu wollen. Wir bedienen uns heute allesamt verschiedener Massenmedien, um unsere Ansichten vorzutragen. Günstig gedeutet: das sind Beiträge zu einem öffentlichen Diskurs, durch den Öffentlichkeit überhaupt erst entsteht.

Daraus holen sich Menschen ohnehin nur das, was ihnen zusagt. Ich hab noch nie erlebt, daß sich jemand völlig gegen eigene Ansichten erreichen ließe. Anders ausgedrückt, wo wir uns im Widerspruch befinden, muß mein Gegenüber wenigstens irgendetwas mit mir teilen, um auf mich eingehen zu können. Sonst wird es vermutlich nicht klappen.

Wenn ich also hier, auf diesem Server, meine Überlegungen zu den vaterländischen Kräften deponiere, dann nicht in der Erwartung, daß Identitäre darauf eingehen. Die haben ihre eigenen Studierstuben, aus denen sie Ansichten über die Welt beziehen.

Diese Gruppierung wäre vielleicht interessant, wenn sie in irgendeiner Weise erkennbar und halbwegs kontinuierlich am sozialen und kulturellen Leben der Region teilnehmen würden; als wahrnehmbarer Teil des Gemeinwesens.

Soweit ich sehe: das tun sie aber nicht. Sie bilden eher geschlossene Zirkel, in denen etwas ausgebrütet wird, was sie dann gelegentlich auf die Menschen werfen. Nach dem Prinzip einer Raketen-Art: „Fire and forget“. Aufkleber in der Stadt. Manchmal ein Info-Stand, an dem man sofort beschimpft wird, wenn man ihnen nicht zustimmt.

Wer ihnen widerspricht, fällt aus der Kommunikation. Das sind Modi der Tyrannei. In ihrer Art reihen sich Identitäre ferner in die Jahrtausendtradition von Wanderpredigern und Weltuntergangs-Propheten. Sie sind von irgendwelchen Gewißheiten beseelt, das muß den Menschen nicht nur mitgeteilt, sondern auferlegt werden. „Hört mein Warnung! Kehrt um! Tut Buße!“

Diese Weise sich wichtig zu machen, sich anderen aufzudrängen, sich im Künden von Unheil hervorzuheben, ist vermutlich das Einzige, was man als typisches Detail abendländischer Kultur an den Identitären finden kann.

Nein, diesen Leuten habe ich nichts zu sagen. Mir fehlt außerdem die Erfahrung, daß man mit ihnen anregende Debatten haben könnte, in denen auch der Dissens als etwas Förderliches verstanden würde. Aus der realen Begegnung kenne ich nur, daß sie mich als Publikum bräuchten.

Und daß sie Mündel suchen, welche sie bevormunden können. Wie einst ein aufstrebendes Bildungsbürgertum, das während des 18. Jahrhunderts in seiner Identität gegenüber dem Besitzbürgertum mehr als jämmerlich aufgestellt war, folglich „das Volk“ zu erziehen begann, um Bedeutung zu erringen.

Diese Konsorten gibt es übrigens bis heute, wie ich kürzlich erst erlebt habe; siehe:Energische Schelte! Wer sich selbst definiert, indem er andere als Feinde oder Dummköpfe markiert, ist keine interessante Adresse für andere Gedanken als bloß die eigenen.

Nein, ich schreibe nicht, um jemanden zu belehren, sondern weil mir das Verfassen von Texten ein nützliches Mittel der eigenen Reflexion ist. Und ich publiziere Texte, weil ich es für sinnvoll halte, mit solchen Kommunikationsschritten beizutragen, daß es öffentliche Diskurse gibt. Die halte ich für grundlegende Elemente einer Demokratie, für etwas Unverzichtbares.

Darüber kann man sich mit mir auseinandersetzen, falls man an Argumenten zur Sache Interesse hat. Wer aber auf die Anstrengung des Denkens lieber verzichtet und es bei Argumenten zur Person beläßt, all dieses Raunen, Schimpfen, das Gezänk, wird meine Aufmarksamkeit schnell verlieren. Es steht jedem Menschen völlig frei, es damit so oder so zu halten.

+) Übersicht: Zur steirischen Politik

Autor:

martin krusche aus Weiz

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