28.11.2016, 16:42 Uhr

DER WIZO in Weiz - Im Gespräch mit Bandleader Axel Kurth

DER WIZO mit (v. links n. rechts) Ralf Dietel (bass, voc), Axel Kurth (guit, voc) und Alex Stinson (drums) (Foto: Andre Noll / Wizo)

In Kürze ist es soweit und die deutsche Punkband „WIZO“ tritt, bereits zum zweiten Mal im Volxhaus in Weiz – diesmal mit neuem Album und der ersten deutschen Fun-Punk Band (gegründet im Jahr 1983), "Abstürzende Brieftauben" im Gepäck, im Zuge ihrer „DER TOUR“ auf.
Diese Gelegenheit haben wir genutzt und den Frontmann von WIZO Axel Kurth zum Gespräch gebeten. Ganz anders als es manch einer, von einem „Punker“ erwarten würde, hatten wir das Vergnügen den Gedanken eines symphatischen, offenen, intelligenten, wortgewanden und lustigen Menschen zu lauschen.

- Wie gefällt es euch in Weiz zu spielen? Habt ihr noch Erinnerungen vom letzten Konzert hier?
o Ja klar, kann ich mich erinnern. Es war wirklich geil und es gibt hier wirklich coole Leute. Auch der Veranstalter hier ist super. Wir spielen gerne in kleineren Konzerthallen weil wir dadurch im engeren Kontakt zum Publikum stehen können.

Gibt es einen speziellen Bezug zu Österreich für euch?
o Ja.. hauptsächlich die Menschen. Wir sind in Österreich schon seit Anfang an immer wieder gern aufgetreten und auch öfter als in der Schweiz, beispielsweise... Das zeigt ganz gut, dass uns die Leute hier wirklich wichtig sind und wir Spass haben, wenn wir in Österreich spielen.

- Was meintet ihr eigentlich mit „Punk gibts nicht umsonst (Teil III)“? (dem Albumtitel des letzten Albums)
o Das ist so zu verstehen, dass man im Punkrock bzw. mit der Einstellung „Punk“, Opfer bringen muss.

- Und wie ist euer neuer Albumtitel „DER“ zu verstehen?
o Das ist ein Insider .. wir nennen uns „Der Wizo“ („In Persona“). Wir finden es nämlich wichtig, dass man sich trotz der ernsten Themen auch immer ein bisschen Humor behält.

Was soll das Cover des neuen Albums ausdrücken? Ein zerstörtes Europa?-
o Das ist auf eher auf die ganze Welt bzw. Menschheit bezogen, die in die falsche Richtung läuft und sich durch den globalisierten Kapitalismus selbst vernichtet, wenn sich nicht bald einlenkt.

- Die Texte des neuen Albums haben sich, zum vorherigen Album, geändert und beziehen sich häufig auf aktuelle Situationen in der Welt bzw. Europa? Warum jetzt?
o Die Frage ist: „Warum gerade jetzt etwas anderes?“ Warum sollten wir uns jetzt mit Liebesliedern oder ähnlichem, was keinen politischen Bezug hat, beschäftigen? Im Moment ist es die perfekte Zeit sich (richtig) zu positionieren. Wir müssen, für die Menschlichkeit, aufschreien, damit sich vielleicht doch alles noch zum Guten entwickelt. Auch wenn wir, als „Altpunker“ dem Ganzen eher pessimistisch entgegenblicken....

- Musikalisch ist das neue Album schon rockiger ausgefallen. Ist das bewusst?
o Naja .. wir haben einfach für uns beschlossen (weiterhin), eine Punkrockband zu sein und mit energischerer Musik haben wir den perfekten Energieaustausch mit dem Publikum. In 3- minütigen Songs ist es oft schwer das rüber zu bringen was man möchte und es mag sein, dass wir bei der kurzen Zeit, textlich leicht populistisch wirken, auf den ein oder anderen... Aber deswegen versuchen wir unsere „Message“ auch bewusst über die Musik, als Medium (mehr als über den Text), zu transportieren. Wir wissen, dass den Leuten bewusst ist das Wörter wie „Antifa“, "virutelle" Wörter sind, aber die Leute und wir... uns geht es allen um das „Miteinander“. Unser Statement bleibt bestehen: "Bildung und Liebe statt Dummheit und Hass". Außerdem ist es uns auch wichtig, weniger in der Szene etablierte Leute, anzusprechen und positiv zu beeinflussen.

- Hat sich rein persönlich etwas zu euren früheren Positionen verändert?
o Jaein... Wir sind einfach nicht mehr so zornig und etwas gemäßigter geworden was manche Positionen betrifft, - nicht zuletzt weil wir auch durch Erfahrungen dazugelernt haben. Allerdings sind wir auch, umso älter wir werden, entschlossener geworden zu kämpfen, - gegen jegliche Ungerechtigkeit oder ähnlichem. Aber wir gehen jetzt z.B. nicht mehr zu jeder Demo oder so ... unser Medium ist die Musik und damit leisten wir unseren Beitrag.

- Im akuellen Song „Bierboot“ habt ihr, die Lage der Flüchtlinge einigermaßen satirisch bzw. zynisch verpackt. Warum?
o Nein, das ist eine Fehlinterpretation. Was gemeint ist: Man sieht ja beispielsweise, jeden Tag die Situation in Aleppo, - und das Problem ist, dass die Leute hier einfach zu sehr mit ihrem „Kleinscheiß“ beschäftigt sind. Ein Kumpel von mir, z.B. ruft mich an und beschwert sich „Hey! Das Bier ist alle!“... oder was auch immer. Und das sind unsere Probleme hier!? Es gibt Menschen mit ganz anderen Problemen. Das ist die Aussage dieses Songs.

- Im Song „Déja Vu“ sprecht ihr den aktuellen Rechtspopulismus an und stellt einen gewissen Vergleich mit der politischen Lage der 30er Jahre in Deutschland bzw. Österreich her. Was ist die Aussage die ihr damit machen wollt?
o Das soll eigentlich kein Vergleich mit der politischen Lage sein. Es geht um die Gleichgültigkeit mancher Menschen die es ermöglicht, dass dieser Scheißdreck wieder passiert. So wie´s ja schonmal war. Und es geht darum, dass man sich immer gegen rassistische Scheiße wehren muss wenn sie aufkommt z.B. auch im Alltag, egal was, wann oder wo.

- Und Verschwörungstheorien? Sind sie ernstzunehmen? [Song: „Wahrheit“]
o Naja.. da muss man mal zwischen den „Allgemeinen“ und den „Verschwörungstherorien der Rechtspopulisten“ unterscheiden. Allgemein gibt es die ja schon seit dem 14. Jhtd. oder so... ist ja wissenschaftlich belegt. Das Problem im „Zeitalter des Internets“ ist die Hilflosigkeit und Perspektivlosigkeit der Menschen. Man bekommt einfach zu viele Informationen und kann diese nur schwer unterscheiden, und das Problem mit den Rechtspopulisten ist, dass sie die Scheiße immer auf dem Rücken der Schwächsten austragen um sich selbst zu profilieren.

- Gebt ihr den Falschmeldungen der Presse oder von Politikern die Hauptschuld an dem Anstieg von Rechtspopulismus ? [Song: „Wahrheit“]
o Ne.. also .. Die Schuld ist die Perspektivlosigkeit und dass die Menschen oftmals nicht kritisch (nach-)denken.

- Im Song „Apocalypso“ gebt ihr der westlichen Welt die Schuld am Terrorismus!?
o Ja teilweise schon. Die Hauptschuld liegt eben beim globaliserten Kapitalismus. Und dadurch entsteht diese Gewalt. Aber auch andere Teile der Welt haben Verantwortung zu tragen, dass so etwas wie „Terrorismus“ nicht passiert. Wir haben nunmal die Kolonialisten und Kolonialisierten und ich denke auch, dass die schlechte Energie zu einem zurück kommt.

- Bei euren Konzerten wollt ihr ja, dass die Presse nicht viele Fotos macht. Es gibt keine Pressekarten und oft genaue Anweisungen was man darf und was nicht. Sind das Staralüren?
o Nein sicher nicht. Es geht uns darum, dass keiner bei unseren Konzerten besser behandelt werden soll, z.B. soll auch kein Schwall von Fotografen die Sicht auf die Bühne versperren oder ähnliches. Wir nehmen uns natürlich gerne Zeit für die Presse aber unser Medium sind die Konzerte und das Publikum ist uns definitiv am wichtigsten.

- Was hält eine deutsche Punkband von der BP Wahl 2016 in Österreich? Hält ihr alle Politiker für „Lügner“ (Lied: „Wahlkrampf“)? Wenn ihr könntet, was würdet ihr den Wählern raten?
o Also, in der kommerziellen Politik wollen sich die Politiker immer profilieren und das ist die negative Seite an der Sache. Das positive ist, dass man Mitbestimmen kann und Wahlen möglich sind. Jeder sollte wählen gehen. Wenn man das nicht tut, hilft es nämlich meist den Falschen. Die Meinungsfreiheit ist uns aber natürlich auch wichtig.

- Vegetarismus bzw. Veganismus?
o Der gesunde Menschenverstand sollte einem eigentlich sagen, dass man sich vegan ernähren soll. Ich selbst bin Vegetarier, weil eine vegane Ernährung aus Zeitgründen oft nur schwer möglich ist.

- Fair trade?
o Das ist ein schwieriges Thema aber das Fair- Trade- Siegel ist auf jeden Fall super, weil es für Konsumenten eine tolle Information liefert. Wir selbst verkaufen auch nur T-Shirts aus „Fairtrade“.

- „Willkommenspolitik“?
o Ein unsinniges Wort der Medienlandschaft. Auch hier verweise ich wieder auf den gesunden Menschenverstand.

- Europäische Union?
o Naja.. auch wir profitieren gerne von der EU... zum Beispiel, wenn wir auf Tour sind ist das eine super Sache wenn es keine „großartigen Papiere“ an den Zöllen braucht. Allerdings sehen wir die Wirtschaftsunion als eher problematisch an.

- Festival oder kleinere Konzertbühnen?
o Wir selbst kommen ja auch aus einer kleineren Stadt und wir finden Städte wie Weiz einfach besser, weil es rein vom Organisatorischem her, einfacher mit den Veranstaltern ist und auf kleineren Bühnen hat man einfach einen besseren Kontakt zum Publikum.

- Deutsches oder österreichisches Bier?
o Scheißegal ... Ich selbst trinke gar kein Bier aber .... Bio und Fairtrade ist aber immer besser.

- Wien oder Weiz?
o Beides natürlich!!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.