Klare Absage der ÖBB
Batteriehybridzüge werden als Alternativlösung abgelehnt

Die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Graz und Köflach ist in vollem Gang. | Foto: ÖBB/Ferk
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Bis Mitte Oktober fährt heuer im Bezirk Voitsberg kein Zug, im nächsten Jahr sind es sogar mehr als neun Monate. Der Grund ist die Elektrifizierung der GKB-Strecke zwischen Graz und Köflach. Der Grazer Verein "Öffentlicher Verkehr mit Lebensqualität" fordert Batteriehybridzüge, die nur einen Bruchteil der veranschlagten Kosten ausmachen würden, auch der Köflacher Bürgermeister Helmut Linhart hat dazu eine Anfrage gestellt. Die ÖBB lehnen dieses Ansinnen aus mehreren Gründen strikt ab.

GRAZ/VOITSBERG. Die Elektrifizierung der steirischen Westbahn zwischen Graz-Hauptbahnhof und Köflach soll im Jahr 2032 abgeschlossen sein. Zuletzt war eine weststeirische Abordnung von mehreren Bürgermeistern im Büro von Verkehrslandesrätin Claudia Holzer, um mehr Tempo einzufordern. In Ergänzung zu diesem Termin stellte der Köflacher Bürgermeister Helmut Linhart folgende Anfrage: Warum verfolgt man im Zuge der Elektrifizierung nicht anstelle der hochspannungsführenden Oberleitungen nicht die wesentlich kostengünstigere Variante moderner Batteriehybridzüge?

Der Tunnel Krems ist zu niedrig und muss im nächsten Jahr umgebaut werden. | Foto: ÖBB/Ferk
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"Gerade in Zeiten, in denen das Geld knapp ist, verstehe ich diesen Zukunft zur teureren Lösung nicht", ergänzt Linhart im Gespräch mit MeinBezirk. "Insbesondere auch deshalb, weil dieses Bauvorhaben seitens des Landes Steiermark mit Millionenzuschüssen unterstützt wird." Darüberhinaus wäre bei der Variante "Batteriehybridzüge" auch keine monatelange Komplettstreckensperre erforderlich. "Von einer Verschandelung des Orts- und Landschaftsbildes, von Grundstückswertminderungen und möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die hochspannungsführenden Oberleitungen - vor allem für Kinder - ganz abgesehen", so Linhart weiter. Holzers Büro verwies wegen der fehlenden Zuständigkeit in dieser Frage auf die ÖBB.

Öffentlicher Verkehr mit Lebensqualität

Ins gleiche Horn stößt seit mehreren Jahren auch der Grazer Verein "Öffentlicher Verkehr mit Lebensqualität", deren Obfrau Maria Baumgartner sich beim Voitsberger Bürgermeister Bernd Osprian und bei den Vertretungen von ÖGB und Wirtschaftskammer meldete, die ebenfalls auf einen schnelleren Ausbau pochen. 

Die S7 ist noch bis Oktober für den Zugverkehr gesperrt. | Foto: GKB
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Tenor von Baumgartners Aussagen: "Weder die ÖBB noch die GKB dürfen Ihnen gesagt haben, dass ein moderner, elektrischer Zugbetrieb auf der S7 auch gänzlich ohne den Bau von hochspannungsführenden Oberleitungen auf der Strecke realisiert werden kann. Mittels moderner Batteriehybridzüge wäre dies sogar mit nur einem Bruchteil der Kosten einer streckenseitigen Elektrifizierung möglich." Baumgartner zitiert eine Studie aus Deutschland, wonach die Kostenersparnis bei derartigen Projekten bei teilweise vorhandenen Oberleitungsanlagen im Trassennetz bei mindestens 87 Prozent. In Deutschland würden diese Züge daher aktuell auch sehr stark boomen.

Akku-Züge wären schnell umsetzbar

Ein elektrischer Bahnbetrieb der Steirischen Westbahn wäre mit Akku-Zügen auch in gleicher Geschwindigkeit und in gleicher Frequenz wie einer streckenseitigen Elektrifizierung umsetzbar. "In Österreich zeigt das Land Niederösterreich, wie einfach das gehen kann", so Baumgartner. Die ÖBB bewerben die Vorteile von Akkuzügen am Beispiel der Kampttalbahn selbst. Diese ist 34 Kilometer lang, die Strecke Graz-Köflach weist mit 39 Kilometer eine ähnliche Länge auf.

Der Kremser Tunnel ist derzeit für eine Elektrifizierung nicht geeignet. | Foto: ÖBB/Ferk
  • Der Kremser Tunnel ist derzeit für eine Elektrifizierung nicht geeignet.
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Laut Baumgartner sind die Züge grundsätzlich sofort und auch im streckenweitig elektrifizierten Netz einsetzbar. Dafür braucht es keine monatelangen Komplettstreckensperren. "Nicht einmal eine eisenbahnrechtliche Genehmigung wäre dafür erforderlich gewesen", so Baumgartner, die angibt, dass es auch für den Gütertransport leistungsstarke batterieelektrische Lokomotiven gäbe. 

Zahlreiche Vorteile von Batteriehybridzügen

Auch Baumgartner sieht die Vorteile eines modernen Batteriehybridbetriebs in der Kostenersparnis, der raschen Umsetzbarkeit und der Vermeidung gesundheitlicher Gefährdungen durch hochspannungsführende Oberleitung in Wohngebieten, die Vermeidung von Grundstücksminderungen und die Erhaltung des bisherigen Orts- und Landschaftsbilds ohne Masten und Oberleitungen. "Die im eisenbahnrechtlichen Verfahren herangezogenen Referenzwerte beruhen auf Werten von 1998, schon 2005 hat die Österreichische Ärztekammer festgestellt, dass diese in keiner Weise geeignet sind, den erforderlichen Schutz der individuellen und öffentlichen Gesundheit zu garantieren. 

Klare Absage von der ÖBB

Die ÖBB erteilen diesem Vorschlag allerdings eine klare Absage. ÖBB-Sprecherin Rosanna Zernatto-Peschel erläutert die Gründe der Ablehnung: "Bedauerlicherweise werden hier Argumente aufgegriffen, die den Tatsachen nicht standhalten. Bei den ÖBB hat der sorgsame Umgang mit öffentlichen Geldern neben den Themen Sicherheit und Nachhaltigkeit höchste Priorität. Die Elektrifizierung der Strecke steht im Einklang mit einem selektiven Umgang mit Steuergeld, weil der elektrische Betrieb per Oberleitung langfristig die effizienteste Form darstellt."

Sogenannte Akkuzüge und die dazugehörige Infrastruktur seien eine Übergangslösung, um schnell und nur auf dafür geeigneten Strecken eine Dekarbonisierung im Personenverkehr zu erreichen. Laut Zernatto-Peschel handle es sich jedoch um eine Brückentechnologie, die nur unter ganz bestimmen Voraussetzungen Sinn macht. "Eines der wichtigsten Kriterien ist die Anzahl der Fahrgäste und damit auch die Frequenz und Länge der Züge. Während Akku-Fahrzeuge auf niederrangigen Strecken mit geringen Kapazitätserfordernissen als temporäre Zwischenlösungen wirtschaftlich und technisch darstellbar sind, ist das bei stark frequentierten Bahnstrecken im Umfeld von Ballungszentren, wie bei der Steirischen Westbahn und auch bei der Steirischen Ostbahn, keineswegs der Fall." Das Fahrgastpotenzial und das Angebotskonzept seien hier schlichtweg nicht geeignet. Dazu kämen weitere Ausschlusskriterien wie die betriebliche Machbarkeit, Streckenparameter, Ökologie und die Wirtschaftlichkeit. "Auch den Aspekt einer möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung weisen wir ganz entschieden zurück."

Aus den oben angeführten Gründen hätten sich laut ÖBB die Oberleitungen weltweit als bewährte Technologie durchgesetzt. Bereits rund 74 Prozent des gesamten Streckennetzes der ÖBB sind elektrifiziert. Schrittweise soll dieser Anteil bis 2035 auf 89 Prozent angehoben werden.

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Der Kremser Tunnel ist derzeit für eine Elektrifizierung nicht geeignet. | Foto: ÖBB/Ferk
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