An Regierung
Experten fordern verstärkte Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen
- 2024 kamen bereits 27 Frauen in Österreich zu Tode. Organisationen fordern höchste Priorität und ausreichende Ressourcen von kommender Bundesregierung.
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Im Rahmen der internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt" ab dem 25. November schlagen Expertinnen und Politiker Alarm: Seit Jahresbeginn wurden bereits 27 Frauen in Österreich Opfer von Femiziden.
ÖSTERREICH. Die Statistiken sind alarmierend: Jede dritte Frau in Österreich ist von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen - das entspricht etwa 35 Prozent der weiblichen Bevölkerung ab 15 Jahren. Im Jahr 2023 wurden 15.191 Betretungs- und Annäherungsverbote verhängt. "Seit Oktober wurde fast jede Woche eine Frau von einem männlichen Familienmitglied ermordet", berichtet Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenringes.
Gewalt gegen Frauen keine Privatsache, sondern politisch
Gewalt gegen Frauen sei keine Privatsache, sondern hochpolitisch. Der Staat sei in der Verpflichtung, Frauen auf jede nur erdenkliche Weise zu schützen“, fordert Frieben, anlässlich des Beginns der internationalen Kampagne 16 Tage gegen Gewalt. Wie Cinatl anmerkt, ist eine langfristige und inflationsschutzgebundene Finanzierung der Frauenberatungsstellen von entscheidender Bedeutung. Nur so könne eine verlässliche Planung und Personalgewinnung gewährleistet werden.
- In Österreich ist jede dritte Frau von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen - das entspricht fast 35 Prozent der weiblichen Bevölkerung ab dem Alter von 15 Jahren.
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Die Präsidentin des Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) Beate Wimmer-Puchinger betont besonders die oft übersehene psychische Gewalt: "Sie macht krank - psychisch und körperlich." Laut WHO-Studien erkranken Gewaltopfer bis zu doppelt so häufig an Depressionen und haben ein erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen. Besonders die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen trägt zur Verstärkung dieser Dynamik bei. So seien Länder mit weniger geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden und stärkerer Gleichberechtigung, wie etwa in Skandinavien, in der Prävention und Sensibilisierung gegenüber Gewalt an Frauen deutlich weiter als Länder, in denen Frauen weniger Autonomie zukommt. Der BÖP appelliert an Politik und Gesellschaft, die Ursachen dieser Gewalt nicht nur auf individueller Ebene zu bekämpfen, sondern auch die strukturellen Ungleichgewichte zu erkennen und anzugehen.
"Scham gehört den Tätern, nicht den Betroffenen"
Die SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner fordert einen Perspektivenwechsel in der Gesellschaft: "Gewalt ist immer noch ein Tabuthema, geprägt von patriarchalen Strukturen. Viele Betroffene schweigen - aus Angst, aus Scham. Das muss sich ändern. Die Scham gehört den Tätern, nicht den Betroffenen." Trotz der vor zehn Jahren in Kraft getretenen Istanbulkonvention zeigt die aktuelle Evaluierung des Europarates noch erhebliche Lücken. Gefordert werden unter anderem ein verbindlicher nationaler Aktionsplan gegen alle Formen von Gewalt sowie eine gesicherte Finanzierung der Gewaltschutzmaßnahmen.
Frauennotrufe in Österreich
Solltest du Opfer von Gewalt sein oder Gewalt wahrnehmen, wende dich jederzeit an den Polizeinotruf – 133
Weitere Anlaufstellen
Frauen-Helpline Österreich: 0800 222 555 – rund um die Uhr erreichbar, anonym und kostenlos
Telefonseelsorge Österreich: 142
24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01 71 71 9
Frauennotruf Graz: 0316 31 80 77
Frauen Notruf Salzburg: 0662 88 11 00
Autonomes Frauenzentrum (Oberösterreich): 0732 60 22 00
Frauen gegen VerGEWALTigung (Tirol): 0512 57 44 16
Notruf-Beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen (Wien, Niederösterreich, Burgenland): 01 523 22 22
Beratungsstelle Tamar – für sexuell missbrauchte Mädchen und Frauen: 01 33 40 437
Der Lichtblick – Frauen- und Familienberatungsstelle: 02167 3338
Gewaltschutzzentren Österreichs: 0800 700 217
Elisabeth Cinatl vom Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen unterstreicht die Bedeutung langfristiger Förderungen: "Kürzungen im Gewaltschutz würde bedeuten, dass Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind, keine Unterstützung mehr bekommen und somit alleine gelassen werden." Die Beratungsstellen betreuen jährlich mehr als 120.000 Frauen und Mädchen.
Die Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter (FCG)-Bundesfrauenvorsitzende Ursula Hafner fordert eine "Null-Toleranz-Politik gegenüber Tätern von Gewalt- und Sexualdelikten" und betont, dass auch das Internet kein straffreier Raum bleiben dürfe.
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