Kanzler-Interview
Sebastian Kurz: Keine Unterstützung für Arbeitsunwillige

RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko im Interview mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, der sagt: "Unser Sozialstaat ist sehr stark. Er soll aber jene unterstützen, die Unterstützung brauchen. Gesunde, fitte Menschen müssen arbeiten gehen. Wer nicht arbeiten will, aber könnte, darf nicht vom Staat subventioniert werden. Das ist Gift für unsere Gesellschaft."
4Bilder
  • RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko im Interview mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, der sagt: "Unser Sozialstaat ist sehr stark. Er soll aber jene unterstützen, die Unterstützung brauchen. Gesunde, fitte Menschen müssen arbeiten gehen. Wer nicht arbeiten will, aber könnte, darf nicht vom Staat subventioniert werden. Das ist Gift für unsere Gesellschaft."
  • Foto: Markus Spitzauer
  • hochgeladen von Maria Jelenko-Benedikt

Bundeskanzler Sebastian Kurz im Gespräch mit RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko über die Bekämpfung der steigenden Langzeitarbeitslosigkeit.

ÖSTERREICH. Während die Arbeitslosigkeit in Österreich generell sinkt, steigt die Zahl der Langzeitarbeitslosen an. Arbeitsminister Martin Kocher hat ein Programm angekündigt, um vor allem Menschen, die länger in der Arbeitslosigkeit sind, auf den Arbeitsmarkt zurückzuholen. Im Interview mit den Regionalmedien Austria (RMA) gibt Bundeskanzler Sebastian Kurz die Richtung vor: Künftig sollen Menschen, die einen Job ablehnen, und gesund und fit sind, von Sozialleistungen ausgeschlossen werden. Wir freuen uns über deine Meinung am Ende des Artikels!

RMA: Die Wirtschaft floriert, im August gab es um 18 Prozent weniger Arbeitslose. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg jedoch um 14 Prozent. Arbeitsminister Kocher hat ein Arbeitsreformpaket angekündigt. Was sind die wichtigsten Eckpunkte gegen Langzeitarbeitslosigkeit?
Sebastian Kurz: Ich bin froh und stolz darauf, dass unsere Wirtschaft schneller als von vielen prognostiziert wieder angesprungen ist. Nun müssen wir das Thema Langzeitarbeitslosigkeit angehen. Dazu haben wir bereits das Programm "Sprungbrett" ins Leben gerufen um Langzeitarbeitslose gezielt zu unterstützen. Realität ist auch, dass viele Unternehmen händeringend nach Mitarbeitern suchen. Insgesamt haben wir rund 120.000 offene Stellen. Wer einen Job angeboten bekommt, der sollte diesen auch annehmen, ansonsten müssen Leistungen gekürzt werden. Deshalb wird unser Arbeitsminister Martin Kocher weitere Vorschläge machen. Unser Sozialstaat ist sehr stark. Er soll aber jene unterstützen, die Unterstützung brauchen. Gesunde, fitte Menschen müssen arbeiten gehen. Wer nicht arbeiten will, aber könnte, darf nicht vom Staat subventioniert werden. Das ist Gift für unsere Gesellschaft.

Sollen die Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose am Arbeitsmarkt verschärft werden?
Wichtig ist künftig, dass Menschen, die einen Job angeboten bekommen, diesen auch annehmen. Ich will dem Gesamtpaket aber nicht mit Details vorgreifen.

Ist künftig eine Reduzierung des Arbeitslosengeldes bzw. ein degressives Modell vorgesehen?
Wir haben im Regierungsprogramm eine Reform des Arbeitslosengeldes vereinbart, damit Anreize geschaffen werden rascher in das Erwerbsleben zurückzukehren. Hier kann ein degressives Arbeitslosengeldmodell eine Möglichkeit sein. Von dieser Reform unabhängig ist aber wichtig, dass jetzt schon genau kontrolliert wird.

Besonders betroffen von Langzeitarbeitslosigkeit sind ältere Arbeitnehmer, konkret sind es bei den über 54-Jährigen 57 Prozent. Was soll das Programm "Sprungbrett" bewirken?
Mit "Sprungbrett" haben wir uns zum Ziel gesetzt, 50.000 Langzeitarbeitslose bis Ende des nächsten Jahres wieder in Beschäftigung zu bringen – durch Vermittlungen, Motivation der Betroffenen, aber auch Anreize für Betriebe, Langzeitarbeitslose einzustellen.

Gerade in der Pflege oder Gastronomie brauchen wir vermehrt ausländische Arbeitskräfte. Verschließt man ihnen die Türen, bekommen wir ein wirtschaftliches Problem. Wie ist Ihre Haltung dazu?
Für den Pflegebereich soll es Umschulungsmaßnahmen geben. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Zuwanderung ins Sozialsystem, welche ich entschieden ablehne, und Menschen, die zu uns kommen und einen Beitrag leisten. Unser Sozialsystem ist nicht dafür geschaffen, dass Menschen zuwandern, keinen Beitrag leisten, und auf Kosten des Steuerzahlers leben. In manchen Bereichen, wie etwa in der Pflege, können wir den Arbeitskräftebedarf zum Teil durch gezielte Ausbildung in Österreich decken. Zum Teil werden wir immer von engagierten Pflegekräften abhängig sein, die aus Nachbarstaaten nach Österreich kommen, um bei uns zu arbeiten.

Um dem Fachkräftemangel im Bereich der "Green Jobs" entgegenzuwirken, wurde eine Umweltstiftung für rund 1.000 Ausbildungsplätze für "klimafitte, sichere Zukunftsjobs" angekündigt. Ab wann ist damit zu rechnen?
Das ist ein Projekt dieser Legislaturperiode. Österreich ist führend in vielen grünen Technologien. Daher ist das auch ein Bereich, wo neue Arbeitsplätze entstehen werden. Darüber hinaus wird ein Großteil der Jobs im Bereich Technologien entstehen. Es wird in den nächsten Jahren eine Verlagerung in diese Zukunftsjobs kommen.

Soll Menschen, die nicht arbeiten wollen, Sozialleistungen gestrichen werden?
Arbeitslosigkeit sank im August um 18 Prozent
Rainer Wimmer: "Selbstbewusst in die Verhandlungen"

5 Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen