Mehrheit für Vermögenssteuer
Österreicher orten ungerechte Verteilung

70 Prozent der Österreicherinnen und Österreich sind davon überzeugt, dass Einkommen und Vermögen hierzulande ungerecht verteilt sind. Zwei Drittel sprechen sich für die Einführung einer Vermögenssteuer aus.  | Foto: Shutterstock
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Eine aktuelle Umfrage zeigt: 70 Prozent der Menschen in Österreich sind davon überzeugt, dass Einkommen und Vermögen hierzulande ungerecht verteilt sind. Zwei Drittel sprechen sich für die Einführung einer Vermögenssteuer aus. Drei Viertel finden, dass das politische System nicht funktioniert.

ÖSTERREICH. Am Dienstag präsentierte das gewerkschaftsnahe Momentum Institut unter dem Titel "So denken die Vielen" die Ergebnisse einer aktuellen SORA-Studie zu den Themen Verteilung und Politik in Österreich. Mit der zugrunde liegenden Befragung wolle man auf "eines der relevantesten Probleme unserer Zeit, dem sich zuspitzenden Auseinanderklaffen von Arm und Reich" aufmerksam machen, betonte der wissenschaftliche Leiter des Momentum Instituts Leonhard Dobusch.

Im Zuge der Studie wurden zwischen Juli und September 2022 insgesamt 2.000 Menschen mit Wohnsitz in Österreich befragt. Und es zeigte sich, dass ein Großteil der Befragten das derzeitige politische System für dysfunktional halten. Weiters orten die Menschen quer durch die Bevölkerungsschichten hinweg eine ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen.

70 Prozent kritisieren Verteilung

Mit jeweils rund 70 Prozent ist die überwiegende Mehrheit der Menschen in Österreich davon überzeugt, dass Einkommen und Vermögen hierzulande ungerecht verteilt sind. Auffallend sei, so Dobusch, dass sich diese Haltung durch alle Klassen ziehe. So finden auch 67 Prozent der "obersten Klasse", also jenen 10 Prozent mit dem höchsten Einkommen, die Vermögensverteilung ungerecht – bei der Einkommensverteilung sind es rund 58 Prozent der "reichsten 10 Prozent". 

"Die Überzeugung, dass Einkommen und Vermögen in Österreich ungerecht verteilt sind, teilen Menschen über alle Klassen hinweg. Eine Politik, die dieses Verteilungsproblem ignoriert, untergräbt damit letztlich auch die Legitimation unserer Demokratie", so Dobusch.

Sowohl obere als auch untere "Klassen" orten eine ungerechte Verteilung. | Foto: Momentum Institut

Politik in der Verantwortung

Spannend ist hier dementsprechend auch ein Zusammenhang mit dem Vertrauen in das politische System: So zweifelte all jene, die die Einkommens- und Vermögensverteilung als ungerecht ansehen, tendenziell auch häufiger an der Funktionsfähigkeit des politischen Systems. Laut Momentum Institut "ein naheliegendes Urteil", sehen doch 84 Prozent die Verantwortung für die bestehenden Einkommensunterschiede bei der Politik verortet. Insgesamt sind laut Studie nur 22 Prozent der Meinung, dass das politische System in Österreich funktioniere. 

80 Prozent für Steuersenkung auf Lebensmittel

Abgefragt wurde auch die Bewertung konkreter politischer Maßnahmen. So sprachen sich jeweils 80 Prozent der Befragten für eine Senkung der Steuer auf Lebensmittel und für Steuersenkungen für Beschäftigte aus. Die Einführung einer Vermögenssteuer befürworteten zwei Drittel. Auch die Erhöhung der Steuern auf Unternehmensgewinne wird von der Mehrheit (55 Prozent) unterstützt.

Etwas geringer, aber immer noch überwiegend ist die Zustimmung zu Erbschafts- und klimabezogenen Steuern: Jeweils knapp die Hälfte sprach sich dafür, jedoch auch ein knappes Drittel dagegen aus. Wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, zeigte sich auch in der Steuerpolitik eine klassenübergreifende Übereinstimmung, betonte Dobusch.

Große Mehrheit für Vermögenssteuer sowie Steuersenkung auf Lebensmittel | Foto: Momentum Institut

Höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen

Zudem sprachen sich jeweils knapp neun von zehn Menschen für Lohnerhöhungen in Branchen mit niedriger Bezahlung (87 Prozent) und für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in besonders anstrengenden Berufen (88 Prozent) aus. 

Beim Thema Arbeitslosigkeit befürworten 69 Prozent mehr finanzielle Mittel für Umschulungen, damit Menschen gegebenenfalls leichter eine neue Stelle finden. Eine beinahe ebenso große Mehrheit von 62 Prozent befürwortet aber auch strengere Bestimmungen für arbeitslose Menschen. Für eine dauerhafte Erhöhung des Arbeitslosengeldes sprechen sich lediglich 26 Prozent der obersten und 34 Prozent der untersten Einkommensklasse aus. 

Mehrheit für mehr Unterstützung für Arbeitssuchende | Foto: Momentum Institut

Bessere Chancen für Kinder

Besonders hohen Zuspruch findet hingegen ein chancengerechteres Bildungssystem. Rund vier Fünftel (81 Prozent) befürworten Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungschancen für Kinder mit schlechteren Startbedingungen. Ebenfalls breite Unterstützung findet die dauerhafte Aufstockung der finanziellen Leistungen für Familien (70 Prozent) und für die Mittelschicht (69 Prozent). Der Großteil der Bevölkerung (77 Prozent) ist sich außerdem darüber einig, dass Menschen besser vor Diskriminierung aufgrund von Armut geschützt werden sollen.

Bei dauerhaften Erhöhungen von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld gehen die Meinungen stärker auseinander: Rund die Hälfte der Menschen (48 Prozent) aus der unteren Klasse sprechen sich für eine dauerhafte Erhöhung der Sozialhilfe aus. In der oberen Einkommenshälfte ist die Zustimmung dagegen geringer.

Untere Klassen sind häufiger für eine dauerhafte Erhöhung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld.  | Foto: Momentum Institut
  • Untere Klassen sind häufiger für eine dauerhafte Erhöhung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld.
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Flächendeckende Kinderbetreuung und Steuersenkung

Neben der Einführung von Erbschafts- und Vermögenssteuern und der Erhöhung der Steuern auf Unternehmensgewinne sprechen sich die Ökonomen und Ökonominnen des Momentum Instituts für flächendeckende Kinderbetreuung und Chancengerechtigkeit im Bildungssystem aus. Außerdem solle die Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel zumindest für die Dauer der Teuerungskrise gesenkt werden, betonte Dobusch.

Befragt wurden im Rahmen der SORA-Studie 2.000 Menschen ab 16 Jahren mit Wohnsitz in Österreich im Zeitraum Juli bis September 2022. Für die Durchführung der Befragung wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt. Um ökonomische Ungleichheit innerhalb der Befragten abbilden zu könne, wurden diese in drei Einkommensklassen (obere, mittlere, untere) eingeteilt.

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70 Prozent der Österreicherinnen und Österreich sind davon überzeugt, dass Einkommen und Vermögen hierzulande ungerecht verteilt sind. Zwei Drittel sprechen sich für die Einführung einer Vermögenssteuer aus.  | Foto: Shutterstock
Sowohl obere als auch untere "Klassen" orten eine ungerechte Verteilung. | Foto: Momentum Institut
Große Mehrheit für Vermögenssteuer sowie Steuersenkung auf Lebensmittel | Foto: Momentum Institut
Mehrheit für mehr Unterstützung für Arbeitssuchende | Foto: Momentum Institut
Untere Klassen sind häufiger für eine dauerhafte Erhöhung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld.  | Foto: Momentum Institut

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